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Erster Band.
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Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v. Chr.).

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und darin tritt der eine Grundzug der A lexandrinismus genanntenGeistesrichtung der damaligen Welt zu Tage. Diese Verfeinerung und virtuoseDurchbildung führte aber bald genug, ähnlich den französischen Bestrebungenunter Ludwig XV., zu einer fast krankhaften Sehnsucht, zur reinenNatur zurückzukehren, aus den beengenden Formen des Tages sich in eine,freilich nur erträumte, ideale Naturwelt zurückzuziehen, um dort die ein-fachen Gedanken und Empfindungen wiederzufinden, die man in der umgebendenÜberkultur vergeblich suchte. Dabei wandten sich die besten Geister der Nationvon der Kunst ganz ab und wendeten sich der Wissenschaft zu. Fertigmit der alten naiven Naturreligion suchte man entweder in dem Ausbau derphilosophischen Systeme Befriedigung der Seele zu finden (ein neues Systemzu finden, außer dem rein negativen der bloßen Skepsis, ist dieser Zeit nichtmehr gelungen), oder man wandte sich gleichgültig von allen philosophischenFragen ab, da ja doch von der Philosophie eine gewisse Antwort auf die wich-tigsten Daseinsfragen nicht erwartet werden könnte, und baute das Gebiet derexakten Wissenschaften an, leistete in der methodischen Behandlung einzelnerWissensgebiete Vortreffliches und befruchtete die Welt mit einem breiten Bil-dungsstrome, dessen stärkster Quell in Alexandria entsprang.

Die Vorzüge und Nachteile, die diese Gesamtrichtung der Kunst undWissenschaft mit sich brachten, tritt uns am deutlichsten in der Litteraturder Alexandriner entgegen; aber auch in der bildenden Kunst lassen sichalle jene Züge des Virtuofenhaften des Weltbürgersinnes und der fast krank-haft nach der Natur zurückstrebenden Überkultur Wohl erkennen.

Die Baukunst zeigt nicht mehr die gedrungenen Formen des Dorismus oder diel. Baut»»stgefällige Schlankheit des ionischen Stils. Nicht mehr das Haus des Gottes oder dieöffentlichen Gebäude sind das Maßgebende, sondern der Prunkhafte Königspalast, von dem,soweit wir aus Trümmern und Berichten zu erkennen vermögen, die großartigsten Denk-mäler sowohl in Indien, wie in Ägypten, Syrien und Sicilien zu gleicher Zeit ent-standen, gefördert durch die Baulust glänzender Herrscher, die unbedenklich die größten Mittelbewilligten, um ein Denkmal ihrer Größe zu hinterlassen. Die raffinierteste Durchbildungder Technik im einzelnen ging mit einem Zuge, ins Kolossale zu bauen, Hand in Hand.

Der Natursinn zeigte sich aber darin, daß man das Vorbild aus der Natur peinlich genaunachbildete, wie denn auch aus jener Zeit zum ersten Male berichtet wird, daß die Herrscherdas höchste Gewicht auf eine geschmackvolle Garten- und Parkanlage legten.

Die Plastik zeigt die gleiche Zwiespältigkeit. Die edle Einfachheit, die schon der 2 . Plastikvorhergehenden Periode bedenklich zu schwinden begann, ist hier völlig verloren gegangen.

Die gewaltigen Königspaläste forderten auch die Bildhauer auf, ins Kolossale zu gehenund in der Überwindung materieller Schwierigkeiten das denkbar Gewaltigste zu leisten.

Der 34 in hohe Sonnenkoloß von Rhodos, neben dem Hafeneingang der Stadt, derzu den sieben Weltwundern gehörte, ist für diese Richtung der bezeichnendste Typus.

Das Virtuosenhaste, das in der Darstellung verwickelter Situationen seine Stärke suchte,begünstigte das Gruppenbild, das erst in jener Zeit vom Konventionellen sich loslösteund zu freier bis fast zur Disharmonie gehenden Entfaltung gelangte. Die Kämpsergruppedes Kephisodotos in Florenz, die Laokoongruppe und der sogenannte farnesische Stier finddie berühmtesten Denkmäler dieser Kunst. — Daneben finden wir wieder den Zug derRealistik, so vor allem in dem alkalischen Weihegeschenk und den pergamenischen Funden(Z 147), die in peinlicher Naturtreue sogar den Bruch der neugefalteten Gewänder nachbildenund die Götter uns als schöne Menschen darstellen, die, von menschlichen Leidenschaftenbeherrscht, menschliche Thaten thun und menschliche Leiden erdulden. Die Rückkehr zur Natursehen wir in den überaus charakteristischen Porträtköpfen auf Bildsäulen und Münzen, undin dem genrehaften Zug, der uns eine Menge der reizendsten Bilder aus dem täglichenLeben bietet, ohne wie in der vorhergehenden Periode noch an eine Gottheit oder an einengeliebten Toten anzuknüpfen. Die sogenannten Tanagrafigürchen und die Reliefs der alexan-drischen Zeit gehören mit zu dem Anmutigsten, was die Kunst jemals zu schaffen gewußthat. Die höchste Stufe der damaligen Kunstübung erreichte die rhodische Schule, derwir die gefeierte Venus von Milo (Melos) und vielleicht auch den sogenannten vatikanischenHeraklestorso verdanken. In dieselbe Zeit gehören auch die berühmten Bildwerke des Apollovon Belvedere, des Apollino in Florenz, der Artemis von Versailles u. a. m.