Band 
Erster Band.
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Zweites Buch: Griechische Geschichte.

154.

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Grellmalerei. Neben dem Versuch der Universalgeschichte tritt wiederum einZurückbiegen zur alten Stadtgeschichte hervor, die in archaisierendem Tone diealten Logographen (Z 91) nachahmte.

Die beiden Historiker, die Alexander auf seinem Feldzuge begleiteten, Anaximlnesvon Larnpsakos und Kolli st hLnes von Olynth (Z 134) sowie der Flottenführer Nearchoshatten Freude an rhetorischen Deklamationen und künstlichen Periodenbildungen; erdichteteReden und weitläufige Schilderungen von Schlachten ohne militärische Kenntnisse müssenbei diesen Schriftstellern Wahrheit, Urteil und historische Treue ersetzen. Dieselben FehlerAleitarchos wüte auch ein anderer Geschichtschreiber Alexanders, Kleitarchos, dessen geschmacklose undschwülstige Schreibart schon im Altertum sprichwörtlich war. Auf ihn und auf Kallisthenesgehen die zahlreichen Alexanderromane zurück, die uns in fast allen Kultursprachen und ausPtole- allen Epochen erhalten sind. Nur die Denkwürdigkeiten des Ptolemäos (Z 148) undum°soo des Architekten Aristobülos von Kassandreia scheinen unter dem ganzen Schwärm von Histo-rikern, die Alexanders Zug hervorrief (Onesikrktos u. a.), Glaubwürdigkeit besessen zu haben.Für die Behandlung der Diadochengeschichte waren am wichtigsten die Werke des Hieronh-Hieronymos rn o s vonKardia, eines Freundes seines Landsmannes Eumenes, der seine Darstellung bis"?um Tode des Pyrrhos fortführte und, von dem Samier Duris ausgeschrieben, uns noch heutein den Auszügen des Diodor und Plutarch (Z 257) vorliegt. Die achtundzwanzig Bücher Ge-Phyiarch°s schichten von Aratos' Zeitgenossen Phylarchos von Athen oder Naukratis, die von Pyrrhos'peloponnesischer Heerfahrt bis auf den Tod des Königs Kleomenes (Z 144) reichten (272—221),zeichneten sich durch die Fülle des Stoffes und durch lebendige Darstellung aus. Trotz derParteilichkeit für Kleomenes und des Strebens nach Effekt gehörte Phylarchos zu den letztenMeistern griechischer Geschichtschreibung. — Die Geschichte einzelner Staaten und Länder darzn-Timilos von stellen begann mit Glück Tim äos vonTauromenionauf Sicilien, der eine „SicilischeGeschichte" schrieb, die bis zum Ende der Regierung des Agathokles hinabführte (289). An324—249 fix schloff sich seine „Geschichte des Pyrrhos" (Z 184) bis 264 an. Seine Darstellung hat schonvon Polybius (H 204) an viel Kritik erfahren: man machte dem Timäos den Vorwurf der Schmäh-suchtund Parteilichkeit und tadelte seinen schwülstigen Stil; gleichwohlist er unendlich oft benutztund ausgeschrieben worden. — Schließlich hat es eine sehr große Anzahl von Stadtgeschichten-schreibern gegeben. Wichtig unter ihnen sind allein die sogenannten AtthidographenPhilochoros (Geschichtschreiber Athens) deren Reigen mit Philochoros anhebt. Er behandelte wahr-scheinlich in chronologischer Form die Entstehung seiner Stadt und deren Geschichte undmischte zahlreiche Exkurse über die vaterländischen Sitten und religiösen Gebräuche ein. Anihn schloffen sich eine ganze Reihe anderer Arbeiten der Art an, die dann in dem großenJstros Sammelwerk der Jstros von Paphos ihren Abschluß fanden. — In jener Zeit tauchenZm> von auch die ersten Anfänge einer Memoirenlitteratur auf, die vielleicht in den Arbeiten IonsChios von Chios, eines Zeitgenossen des Thukhdides, ihr Vorbild finden. So beschrieb der Gründerdes achäischen Bundes, Aratos, sein Leben (Z 144). — Die hellenistische Bildung veranlaßteaber auch eingeborene Orientalen, sich an der Geschichtschreibung zu beteiligen und in dergriechischen Weltsprache die Gebildeten von dem, was sie aus einheimischen Quellen kannten,Berofsos zu benachrichtigen. Diesem Umstände danken wir, was von den Arbeiten des babylonischenManethos Priesters B erossos (I 25)nnd des Ägyptiers Manethö s aus Sebennytos uns noch erhalten ist.

§ 1L4. Die Umformung der Weltanschauung und die Weiterbildung derphilosophischen Systeme. Die ungeheure Machtumwälzung, die sich an dasAuskommen der Makedonier und Alexanders Heldenzüge knüpfte, mußte auchaus die religiösen und philosophischen Anschauungen des griechischen Volkesvon höchstem Einfluß sein. Die Länder des Ostens gewannen eine ungeahnteBedeutung auch für das hellenische Mutterland.

Umformung Die strengen Begriffe vom Staat, wonach der Mensch im Bürger auf-fchs/Jdeen ging und nur das vollberechtigte Mitglied eines staatlichen Gemeinwesensder Gesetze und des Staatsschatzes teilhaftig war, jeder Fremde, jeder der eng-begrenzten Staatsgemeinschaft nicht Angehörige aber als rechtlos angesehen wurde,erfuhren eine mildernde Umgestaltung. Das Persönlichkeitsgefühl desMenschen (Individualismus) trat stärker hervor und schwächte das Bürgergefühlund damit das ungeteilte Interesse am Staat und den mächtigen Patriotis-mus früherer Tage. Die enge Begrenzung städtischer Gemeinwesen löste sichauf; an ihre Stelle traten die großen Monarchien, die aus Alexanders Welt-reich hervorgingen. Sie gewöhnten die hellenische Welt an politische Verträglich-