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Erster Band.
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Zweites Buch: Griechische Geschichte.

8 1S4.

inus°umA°s Der von den Gebildeten schon längst aufgegebene Glaube an die Vielheitder Götter wurde nach und nach auch von den Massen fallen gelassen. Ent-weder begnügte man sich mit abergläubischen Vorstellungen oder man suchte,da die einheimischen Götter keine Anerkennung fanden, bei den fremden Götterndes Ostens Trost und Ruhe, oder man begnügte sich, in der Götterwelt eineidealisierte Menschenwelt zu erblicken, über der als letzter Schluß das ewigeFatum waltet. Charakteristisch hierfür ist ein im Altertum unendlich viel ge-Eu^smeros tesener Roman von dem Sicilier Euemeros, einen vielgereisten, kenntnis-reichen Mann voll Witz und Lebenserfahrung. Dieser verfaßte ein Werk mitdem Titel „Heilige Geschichte", in dem er den Beweis zu geben suchte, daßdie im griechischen Volkskultus verehrten Wesen nur vergötterte Menschenseien, die gesamte hellenische Götterwelt somit nur ein Erzeugnis der List,des Betruges und des Unverstandes sei, eine Ansicht, die den Herdnischen Volks-glauben zu einem Gaukelspiel herabwürdigte und das geheimnisvolle Bandzwischen Glauben und sittlichem Gefühl zerriß. Die anziehende Darstellungin volkstümlicher Sprache und mit dem romantisch ausgeschmückten Hinter-grund verschaffte dem „Euemerismus" trotz der offenkundigen Täuschungen undLügen des Buches bald Eingang in die gebildeten Kreise und in die gesamteLitteratur.

Weiterbii- Bei der Unzulänglichkeit der herrschenden Religion suchten die Menschenphnoso- in der Philosophie Ruhe für ihre Seele und Halt fürs Leben, so daßS^swms uran sagen kann, die Zeit des Verfalls des religiösen Glaubens sei die Blütezeitder Philosophie gewesen. Freilich nicht in dem Sinne, als ob neue großartigeSysteme geschaffen worden wären, Wohl aber insofern, als die Philosophie dereigentliche Ausdruck der Zeit war; an allen Orten fand sie Eingang und Pflegeund im öffentlichen Leben, in der Gesellschaft, in der Litteratur bildete dieneue Lebensweisheit die Grundlage. Die Philosophen trieben ihre Wissenschaftvöllig planmäßig, und so bekam die Philosophie einen schulmäßigen Charakter.Hatte sich schon in der vorhergehenden Periode die Schulen der PlatonsLehre fortsetzenden Akademiker (Z 116) und der dem Aristoteles folgendenPeripatetiker (tz 117) herausgebildet, so traten in der Diadochen- undEpigonenzeit noch drei neue philosophische Richtungen aus, die zum Teil an dieandern Anhänger des SokrateS anknüpfend, doch darin sofort den Charakterder neuen Zeit bethätigten, daß sie sich sofort ebenfalls als Schulen mit plan-mäßigem Unterricht entwickelten, die Stoiker, die Epikureer und dieSkeptiker. Die Stoiker, deren Meister Zenon war, schloffen sich in ihrenAnsichten an die Cyniker (§ 115) an, die Epikureer folgten den Lehrendes Aristippos und der Cyrenaiker (§ 115), die Skeptiker, von Pyrrhon ausElis gestiftet, schließlich bildeten die Ansichten der Megariker (ß 115) weiter.Slepticis- Diese letztere Schule hat wenig Bedeutung gewonnen, ist aber charakteristisch"" für das wissenschaftliche Verzweifeln des Hellenentums an dem Auffinden einerwirklichen Wahrheit. Sie beförderte die Verwirrung und Unsicherheit dadurch,daß sie den Zweifel als höchsten Grundsatz hinstellte und die Lehre zu be-gründen suchte, daß der menschliche Geist durchaus nichts mit Be-aus*Elis stimmtheit wissen könne. Behauptete Pyrrhon nur die Unzulänglichkeit86S-N7 alles menschlichen Wissens, so gingen etliche seiner Schüler so weit, daß sienicht nur alle Gewißheit der geistigen, sondern auch der sinnlichen Erkenntnisleugneten, und zuletzt sogar an der Gewißheit des Zweifels zweifelten. Indiesem Nichtwissen empfanden sie jedoch nicht den „Stachel des verbrennendenSchmerzes", sondern „den Siegespreis einer sich brüstenden Eitelkeit".

Weit bedeutender und von viel tiefgehenderem Einfluß waren die beidenanderen, in sehr vielen Punkten einander gegenüberstehenden Systeme. Epikurosund Zenon wiesen den Menschen entgegengesetzte Ziele und Lebenszwecke an;Während der erstere „durch die Lust freien Verkehr mit der äußern sinnlichenWelt gönnte, die nach dem Maß der Klugheit benutzt und genossen werden