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Erster Band.
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Drittes Buch: Römische Geschichte.

Z 159.

Schlachtbei Alalia540

Schlachtbei Kyme524

Etruskische

Verfassung

II. Diearische Be-völkerungKelten

ward, unter deren Schutz ihre Kauffahrer beide Meere beherrschten. So entwickelte sichdie wilde etruskische Korsarenwirtschaft, die den Namen der Tyrrhener zum Schrecken derGriechen machte, aber auch der ausgedehnte Handel, infolgedessen in Sybaris der etruskischeund der milesische Kaufmann konkurrierten. Diese großen Erfolge ermutigten die Etrusker,weiter nach Süden sich auszubreiten. Nach der Einnahme Roms und der wichtigstenStädte Latiums machten sie einen kühnen Versuch, sich Campaniens zu bemächtigen. Esgelang ihnen, Capua und Nola zu gewinnen; ja, sie erreichten in Herculaneum sogardas Meer. Ein gefährlicher Stoß, der gegen sie gerichtet war, die Einwanderung derPhokäer in Massilia (ß 70) und deren Festsetzung auf Korsika in Alalia, wurde von ihnendurch eine siegreiche Seeschlacht bei letzterer Stadt glücklich abgewendet. Doch der Versuch,Kyme zu erobern und die fruchtbaren phlegräischen Gefilde zu besetzen, scheiterte durch denentschlossenen Widerstand des Tyrannen Aristodemos, der ihnen eine schwere Niederlagezufügte. Bon da an verschwinden sie immer mehr- In dem geschichtlichen Helldunkel derersten Jahrzehnte der Republik sehen wir die Etrusker, trotz der gewaltigen HeldengestaltPorsenas aus Clusium, überall auf dem Rückzüge. Das Aufkommen der Jtaliker, die vonOsten her kommenden Einfälle der illyrischen Veneter und die sich immer wiederholendenKcltenstürme beschleunigten den Untergang der einst so gewaltigen Nation. Schon demGeschichtschreiber Posidonius (ß 204) war aufgefallen, daß die Fruchtbarkeit des Landesund die darin liegende Verlockung zur Üppigkeit den Untergang der etruskischen Nationherbeiführte. Obwohl sie berufen schienen, das ganze Italien unter einem Scepter zu ver-einigen, bedurften sie der höchsten Anspannung aller Kräfte zur Behauptung ihres Besitz-standes. Mit dem Verlust der Poebene war der Zusammenhang der Nation zerrissen; esist kein Zufall, daß zu gleicher Zeit die etruskische Thrannis in Rom zusammenbrach (Z 164).

Etwas mehr wissen wir von der etruskischen Verfassung und Kultur. Die ein-zelnen Städte des etruskischen Städtebundes (Z 158) wurden von einem Priesteradelregiert, der dem Kultus vorstand, die politischen Angelegenheiten leitete und die Hörigenund Leibeigenen (Klienten), die das Tempel- und Herrengut bebauten, vor Gericht ver-trat. Die Adelsgeschlcchter (Lucumonen, „Erlauchte") sämtlicher Städte wählten dasOberhaupt des Gesamtbundes, dem als Auszeichnung ein elfenbeinerner Stuhl,eine purpurne Toga und ein Gefolge von zwölf Liktoren mit Rutenbündel und Beil(Fasces), wie später den römischen Konsuln, zustand. Der Priesteradel war allein imBesitz der astronomischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse, auf denen der Kultus derzwölf oberen und unteren Götter beruhte. Deshalb vollzog er allein unter Leitung einesOberpriesters die Opfer mit den damit verbundenen Wahrsagungen (Haruspicin),bestimmte die Festtage, ordnete das Jahr, erließ Gesetze und traf Anordnungen für dieGeschäfte des Kriegs und Friedens. — Unter ihrem weisen und entschlossenen Regiment blühteder Etruskerstaat mächtig auf, sowohl in Hinsicht der Machtentfaltung als auch der Kunst-fertigkeit und Geschicklichkeit seiner Angehörigen. Die Riesenmauern von Volaterrä, dasGrabmal des Porsena, die Trümmer kolossaler Tempelbauten, die Spuren gewaltigerDämme, Straßen, Kanüle u. dgl. zeugen von ihrer architektonischen Geschicklichkeit, sowiedie unzähligen mit Malerei verzierten Thongefäße und Aschenkrüge (etruskische Vasen),die man an vielen Orten gefunden hat, von ihrem Kunst- und Gewerbfleiße. Auch in der Erz-gießerei und den Metallarbeiten waren sie berühmt, und es ist wahrscheinlich, daß die Römerdie Instrumente für die Kriegsmusik von den Etruskern ebenso entlehnt haben wie ihrereligiösen Ceremonien, ihre prunkvollen Umzüge (Triumphe), ihre Rennbahnen und ihreGladiatorenspiele. — Schon in früher Zeit trieben die Etrusker großen Seehandel undSchiffahrt, daneben auch Seeräuderei. Sie besaßen die wichtigsten italischen Ausfuhrartikel,das Eisen von Jlva, das Kupfer von Campanien und Volaterrä, das Silber von Populonia.Trotzdem war die etruskische Blüte nicht von Dauer. Wie glänzend auch der Ackerbau, derHandel und die Industrie der Etrusker erscheinen, der Mangel der Freiheit nagte an derWurzel ihres Volkstums und raubte dem Bürger- und Bauernstand das zur Thätigkeitspornende Selbstgefühl. Das Wissen blieb Eigentum der herrschenden (durch das Erst-geburtsrecht in sich abgeschlossenen) Kaste, wurde unzertrennbar verknüpft mit der Religionund umhüllte sich mit den Schrecknissen düstern Aberglaubens.

Der Völkerstamm, der die nichtarischen Etrusker und Ligurer zu verdrängenbestimmt war, gehörte zu den zuletzt in Italien eingewanderten. Es sind dieKelten, deren erste Scharen um das Jahr 800 die Alpen überstiegen habenmögen. Als das Land durch die Berührung mit den Römern in das ge-schichtliche Leben eintrat, war es, mit Ausnahme des Gebietes der Veneter (anden Pomündungen) und der Lande der ligurischen Stämme (auf den West-