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Erster Band.
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Erstes Kapitel: Land und Völker Italiens.

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stehende Religion und eine gegenseitige Rechtsgleichheit verband alle Stadt-gemeinden miteinander, wenngleich jede ihre inneren Angelegenheiten selbständigbesorgte und einen eigenen Fürsten oder König hatte, der unter der Mit-wirkung des Rats der Alten (Senat) und der Versammlung der Wehrmännerdas Gemeinwesen regierte. Unter den Städten sind, außer Albalonga, dasAeneas' Sohn Julus gegründet haben soll und wo dessen Nachkommen die erb-liche Königswürde führten, besonders merkwürdig: Tuskulum, Aricia, Gabii,Lavinium u. a., größtenteils aus alten Gauburgen entstandene Orte. Einzelneabgesprengte Teile dieses Volkes waren die Falisker in Falerii und dieAurunker (Ausoner) südlich von Rom, mit dem Hauptorte Suessa.

Jndoeuropäer illyrischen Stammes, die aber in der italischen Geschichte o. Illyrerkeine Rolle gespült haben, sind in Italien die Veneter im Nordosten, dieziemlich früh bis an die Etsch- und die Pomündungen vordrangen; ihr Hauptortwar Allste, wo sich auch die meisten Denkmäler ihrer Kultur vorfinden. ImSüdosten lebten die Japyger (vielleicht verwandt mit den illyrischen Japhdenin Dalmatien), die von der apulisch-kalabrischen Ebene bis zum Frento reichten,bisweilen auch Messapier genannt (zu ihnen gehören auch die Kalabrer, Poedi-kuler, Daunier und Apuler).

8. Die Religion und älteste Rultur der Italiker.

8 160. Das altitalische Religionswesen. Über die Religion der italischenVölkerschaften, aus der heraus sich das spätere römische Religionswesen entwickelt aMtalischenhat, sind wir nur unzureichend unterrichtet, vor allem weil schon früh alles ^Einheimische durch griechische Einflüsse umgestaltet, ja sogar vielfach beseitigt ward.

Nur soviel ist zu erkennen, daß ihre Religion und deren Übung zu einem starkenFormalismus neigte. Wir kennen zahlreiche Götternamen und das Ritual derheiligen Handlungen, aber das Wesen dieser Religion, die ursprünglichen Be-griffe, gelingt es nirgends fest zu fassen. „Die Phantasie, das warme Gefühl,welche die Entwicklung der griechischen Religion durchdrungen, traten in Italiendem rechnenden Verstände gegenüber durchaus in den Hintergrund. Wie demSemiten ist auch dem Jtaliker die Gottheit eine feste und greifbare Größe,mit der er rechnen kann." Daraus erklärt sich auch der Trieb, einer jedenGottheit ihren bestimmten Machtbereich zuzuweisen, was schließlich zu reinenAbstraktionen und einem förmlichen System hingeleitet hat.

Am stärksten ausgeprägt war diese mehr auf das Äußerliche als auf das Begriffliche ge-richtete Eigenart bei den Etruskern, die ihre religiösen Einrichtungen auf einen der Erdeentstiegenen Zwerggeist, Tages, zurückführen. Die tagetijchen Bücher, enthaltend die Lehrevon den Blitzen, von der Divination, von den Städtegründungen, von der Vermessung derFeldmark u. a., waren die Quelle der verschiedenen etruskifchen und römischen Wahrsage-bücher. Die etruskische Götterlehre ist der griechischen sehr ähnlich; so entsprach derblitzbewehrte Götterkönig der Etrusker, Tina, dem Zeus, wie Juno (Kupra, Ouiritis,

Curitis, „Lanzengöttin"), die Burgkönigin von Veji, die Schutzgöttin der Städte und derFrauen, der Hera auch im äußeren prunkvollen Kultus mit Opferzügen und Festspielen;Menerfa (Minerva) war, wie Pallas Athene, die göttliche Macht des Verstandes, dessinnigen Denkens und Erfindens, die Schätzerin des Handwerks und der weiblichen Woll-arbeit, die Erfinderin der Flöte und der Kriegstrompete; Vertumnus, der vielgestaltige,mit dem Dionysos verwandte Hauptgott der Etrusker, stellte den Wechsel der Jahreszeiten(Fest der Vertumnalien im Oktober) und die Fülle und Mannigfaltigkeit der Jahres-erscheinnngen dar. Aber außer diesen Göttern, die mit den griechischen nahe verwandt sind,gab es bei den Etruskern noch heimische Mächte, die besonders in einzelnen Städten in hoherVerehrung standen, wie die Schicksals- und Zeitgöttin Nortia von Volsinii, die freundlichgesinnte Mater Matuta von Cäre, die Mutter des jungen Tags und zugleich Geburts-göttin, Summanus, der blitzbewehrte Herr des nächtlichen Himmels, Voltumna, dieGöttin des Bundestempels der zwölf Staaten in Volsinii, Silvanus, der in den Tannen-wäldern von Cäre verehrte Waldgott u. a. m. Auch dem mit Schwärmerei, Unzucht und