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Erster Band.
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Drittes Buch: Römische Geschichte.

s 160.

ausschweifenden Festen verbundenen Bacchusdienste des späteren Hellas gewährten die EtruskerAufnahme, so wie sie auch nach griechischem Vorbilde die Zwölfzahl der Götter bei sicheinführten, aber ein- doppelte Ordnung aufstellten. Die etruskischen Götter zerfallen nämlichin die zwölf obern oder verhüllten, namenlosen Gottheiten, dunkle, geheimnis-voll wirkende Gestalten, die nur bei wichtigen Naturbewegungen wirksam sind, und in dieuntere Ordnung der zwölf Consentes, die Lenker der gegenwärtigen Weltordnung,gleichsam der „Götterrat", die Vorsteher der menschlichen Geschäfte in den zwölf Monatendes Jahres.

Jtalischs Bei den Jtalikern ist der oberste Himmelsgott Jupiter (der Vater Diiovis), der

I . Jupiter höchste Schutzgott und Stammvater des Volkes (der Djaus der Arier, vgl. Z 11). Ihm

opferte man auf den Höhen, bei seinem Namen wurden die Bündnisse beschworen, er offen-barte sich im Ungewitter als Herr des Himmels und der Erden. Neben ihm stand Mars2 Mars Mamers, eine mit weit größerer Macht ausgestattete Gottheit als Ares. Von ihmleiteten die Römer und eine große Anzahl der sabellischen Völker ihren Ursprung ab; seineheiligen Tiere waren Wolf und Specht; unter seiner Führung zog die Landesjugend als„heiliger Frühling" aus, um neue Sitze zu gewinnen, und der Zug der Mamertiner (H 188)ist noch ein später Nachklang alter religiöser Übung. Ihm war der Waffenschild derRömer, das Ancile, der nach der frommen Sage unter Numa vom Himmel gefallen war,8. Quirinus heilig. Ihm zur Seite standen zwei besondere Personifikationen seines Wesens, Quiri-4. Picus nns, der seinen Ursprung von Cures her haben soll, und Picus (Picumnus). Dessens. Faunus Sohn ist Fan nns, einer der volkstümlichsten Götter Italiens, die Verkörperung desmännlichen Prinzips, der gute Geist der Berge und Fluren. Die Hirten verehrten ihn alsLupercus, Wolfsabwehrer, und weihten ihm am Fuße des Palatin ein Heiligtum. Zahl-reich war das Geschlecht der von ihm hergeleiteten Faune, die frommer Glaube auf denFeldern ihr Wesen treiben sah. Eine der wichtigsten italischen Gottheiten war der mits. Janus doppeltem Angesicht dargestellte Janus, der Gott des Zeitenwechsels, alles Anfangs undEingangs, daher auch Schwellen- und Thürengott, dessen Tempel in Rom so lange geöffnetblieb, als die Stadt irgend einen Krieg führte. Mit Janus (Dianus), dem ursprünglichen Gott

7. Diana der Sonne, verbunden ist die allen Latinern gemeinsame Diana (Artemis) als Mondgöttin.

Daneben wurden zahlreiche weibliche Gottheiten verehrt, die zum Teil den heiligen Mutter-namen trugen (z. B. Mater Matuta). An ihrer Spitze stand die Himmelskönigin und

8. Juno Schwester des Jupiter, Juno, die als Helferin bei der Geburt (Juno Lucina) angeflehts. Ops ward. Die Erdmutter Ops und Saturnus, ihr Gatte, sind uns nur noch in griechischer

*0-Umwandlung erkennbar. Eine uralte latinische, auch den Sabinern heilige und in Rom

II. Best» bis zu Ende des vierten nachchristlichen Jahrhunderts verehrte Gottheit war Vesta, die

Göttin des Herdes und der Ansässigkeit, in der „das Haus und der feste Herd, den derAckerbauer sich gründet, anstatt der leichten Hütte und der unsteten Feuerstelle des Hirten"idealisiert wurde. In ihrem reichen Tempel auf dem römischen Forum wurde ein immer-währendes Feuer von jungfräulichen Priesterinnen (Vestalinnen), die in hohem Ansehenstanden und mit vielen Vorrechten begabt waren, unterhalten. Sie waren gleichsam die Haus-töchter des römischen Volkes, die das heilsame Feuer des gemeinsamen Herdes, den Bürgernzum Exempel und Wahrzeichen, stets lodernd unterhielten. Große Verehrung genoß auch die12 . FortunaForkuna, die Schicksalsgöttin in Präneste und Antium, die ihre Orakel durch Lose er-teilte. Ferentina war die Bundesgöttin der Latiner, in deren Hain die Bundesversamm-lungen stattfanden. Da die Latiner ein ackerbauendes Volk waren, so gab es bei ihnen einegroße Zahl Götter, die sich mit Saat, Fruchtbarkeit, Jahressegen und Feldmark befaßten, wieAnna Perenna, Venus n. a. Der Stammgott der Sabiner war der weissagende Sancus,Vater des Sabus. Ihre Bundesgöttin Feronia war eine Erdgottheit, der man Blumen undErstlinge der Ernte darbrachte; ihr Hanptfest fand auf dem Berg Sorakte statt. Das Reichder Unterwelt lenkt Diespiter, der im Meere Neptunus, im Feuer Vulkanns heißt.Allen italischen Stämmen aber gehört gemeinsam an die auch bei den Etruskern hoch-verehrte Göttin Minerva, die Schutzherrin der häuslichen Arbeit.

Begriffs- Neben diesen durch Überlieferung und Volksreligion geheiligten Götterwesen bildetego Iheiten in Rom frühzeitig eine große Zahl von B egriffsgottheiten aus, denen pantheistischeIdeen zu Grunde lagen, so daß dieselben nur als allegorische Begriffsbestimmungengelten können, so Victoria, Concordia, Roma, Fides, Ouies, Febris, Mephitis u. a. m.Die späteren Berührungen mit den Griechen vermehrten noch die Zahl der römischenGottheiten; auch der Kultus der weissagenden Sibyllen, besonders der von Cumä, undihre Orakelsprüche, die sibhllinischen Bücher, scheinen aus Großgriechenland zu stammen.Noch unbestimmter als alle diese Begriffsgottheiten sind die Geister und Dämonen,die überall in der Natur und um die Menschen wohnend, sie lenkend und leitend, gedacht