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Erster Band.
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Erstes Kapitel: Land und Völker Italiens-

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wurden. Als Beschützer des Menschen führen sie den Namen Genien und geleiten ihn alsunsichtbare Freunde von der Wiege bis zur Bahre. Als Laren oder Penaten herrschtensie im Hause und waren dessen Schntzgeister. Alles, was man Teures besaß, pflegteman ihnen ans Herz zu legen und ihnen neben dem Gebete als fromme Gaben darzu-bringen. Als Larven und Lemuren galten sie als Peiniger ruheloser, unsteter Menschen,als Silvane schützten sie den Wald, als Jndigetes (oder Semones) beschirmten sie denHeimatort, als Manen waren sie die Seelen der Abgeschiedenen, die segnend oder zürnenddie Überlebenden umgaben und von den Hinterbliebenen aus das sorglichste geehrt wurden.

H 161 . Der altitalische und römische Kultus. Aus dem formalistischen Wesen deritalischen, besonders aber der etruskifchen Religion erklärt sich ihre bis in das einzelnste ver-ästelte Kultusübung und das auf das feinste durchgebildete Ritual und Ceremonienwesen. Essteht fest, daß hierin die Etrusker den bestimmenden Einfluß geübt haben; ihre düstere, welt-abgewandte Weise, die sich in dem sorgfältig durchgebildeten Totenkult äußerte, und ihregrausame, gewaltthätige Sinnesart spiegelt sich in ihrem Kultus wieder. Menschenopfer,namentlich von Sklaven und Kriegsgefangenen, waren bei den Etruskern nicht selten. Aber-gläubische Verehrer religiöser Geheimlehren und wunderlicher Gebräuche, gaben sie dem späternach Rom verpflanzten Weissagungswesen seine Entstehung. Die Weissagungen waren Wsis-teils Augnrien, teils Fulgnrien, teils Anspielen; ihre Bedeutung war sehr groß, weilin Rom und in ganz Italien keine Unternehmung von Wichtigkeit ohne Befragung derGötter und Beachtung der Zeichen vorgenommen ward. Die Priesterkollegien, denen dieserwichtigste Teil des Staatsgottesdienstes übertragen war, und die sich durch Zuwahl ergänzten,waren die Auguren (Vogelschauer), die Haruspic es (Opferbeschauer) und die Fulgura- Augurentoren- Augnrien fanden statt, wenn man die Zukunft aus dem Fluge oder Geschrei ge- H^uspiceswiffer Vogel erforschte (zu welchem Ende der Augur einen freien Standpunkt, tsnaplnin,wählte und mit einem Krummstab, Uterus, die Himmelsgegenden bezeichnete, von woher derVogelflug glücklich oder unheilvoll war), oder wenn man den Ausgang einer Unternehmungaus dem Fraße heiliger Hühner zu erraten suchte, eine Deutnngskunst, die nicht bloßPriester, sondern auch alle Patrizier, welche zu Ehrenämtern gelangen wollten, verstehenmußten. Weissagung aus den Eingeweiden (Herz, Leber u. dgl.) von Opfertieren(Auspicien) wurde von den Haruspices vollbracht. Die Fulguratoren endlich beobachteten dieBlitze, teils um sie zu sühnen, teils um sie über die Zukunft und den Ratschluß der Götterzu befragen; vom Blitze getroffene Orte galten für heilig und wurden eingefaßt. An derSpitze des römischen Religionswesens standen die vier (später acht) Pontisices als Wächter Pontisicesder Staatsreligion und der Pontifex Maximus als höchste kirchliche Autorität. DiePontisices waren die Leiter der festlichen Aufzüge und Gottesdienste, und verstanden dasGeheimnis der Maße und Zahlen; daher kam ihnen auch die Pflicht zu, den Kalender desStaats zu führen, dem Volke Neu- und Vollmond abzurufen und dafür zu sorgen, daß zedegottesdienstliche wie jede Gerichtshandlung am rechten Tage vor sich gehe. Im Schoße dieserGenossenschaft sind die Anfänge der römischen Geschichtsaufzeichnung wie des römischen Rechtsentstanden E 186). Die heiligen Rrandopfer wurden von besonderen Priestern (Fl am tue s) Flaminesvollzogen, von denen jeder der bedeutenden Götter einen besaß; unter ihnen hatte ;edoch derauf dem Palatinus wohnende FlamenDialis (Zünder des Juppiter) das größte Ansehen. SalierDem Dienste des Mars stand das Priesterkollegium der zwölf Salier („Springer") vor, dieim März den Wasfentanz aufführten und dazu fangen. Ihre Litanei, das Salierlied, ist die Aroai-ältefte uns erhaltene Probe lateinischer Poesie. Die zwölf Arvalb rüder mit ihrem zahl- ^reichen Gefolge dienten der Erd- und Ackerkönigin, die als Dea Dia, als schaffende Göttinder Stadtflur, in einem heiligen Hain an der „Feldstraße" auf dem rechten Tiberufer verehrtward, und mit Tellur, Ceres, Ops und Flora zusammenfällt. Bon den Opservorschriften undGebeten, womit diese Brüderschaft im Mai die Gottheit für das Gedeihen der Saaten anrief,haben sich noch einige erhalten. Für das römische Familienleben und die Hauswirtschaft war P-nat-nder Dienst der Laren und Penaten von höchster Wichtigkeit. Im Atrium, dem allgemeinenFamilien- und Speisesaal, unter der vom Rauch gefärbten „schwarzen Decke", wo der Mann dieGäste empfing und die Frau spinnend im Kreise ihrer Mägde saß, befand sich über dem Herddie heilige Stätte, wo die Laren und Penaten in einfachen Schnitzbildern aufgestellt waren.

Die italischen Völkerschaften, besonders die Latiner und Sabiner, hatteNdZWsr^anfangs eine Abneigung gegen die Götter in Menschensorm; ihre Gottheiten Religiositätwaren Begriffswesen ohne klare und feste Gestaltung, daher sie auch häufigineinander übergingen.. Erst der Einfluß der griechischen Plastik und Mythen-dichtung führte eine schärfere Scheidung und einen realeren Kultus herbei. Inder griechischen Mythologie herrschte die Person, in der römischen der Begriff,

Weber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. I. 22