Zweites Kapitel: Roms Anfänge.
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§ 164.
unter dem Namen Quirinus, göttlicher Verehrung teilhaftig ward und dessen Bürger nebendem der Römer den Namen Quirlten annahmen. Zum Andenken an die edle That derFrauen und an das Werk der Versöhnung, das sie zu stände gebracht, stiftete Romainsdas Fest der Matronalien. Einige Zeit nachher traten die Bewohner des Berges Coeliusder Gemeinde Rom bei; es waren entweder die aus dem unterworfenen Albalonga dahinverpflanzten Latiner oder eine Kolonie der Etrusker. Die Ähnlichkeit der Staats- und Ber-Lebensordnung, der religiösen Vorstellungen und Kultusgebräuche und der bürgerlichen Ein- Einteilungrichtungen, sowie die nachbarlichen Berührungen, die schon längst Verträge und Einigungenüber Eigentumsrecht, Eherecht, Gastrecht u. dgl. herbeigeführt hatten, erleichterten die rascheVerschmelzung der drei Völkerschaften und ihrer Nationaleigentnmlichkeiten zu einem staat-lichen Gemeinwesen mit festgesetzten Rechten. Der uralten Einteilung des Volkes in diedrei Stammtribus der Ramnes, Tities und Lucdres scheinen die drei Bestandteile desrömischen Volkes zu Grunde gelegen zu haben.
Und damit ein heiliges Band das neue Gemeinwesen fester begründe, 'meldet diehistorische Ueberlieferung weiter, traf der zweite König, der weise Sabiner Ruma Pom- „^uma -pilius, Einrichtungen der Religion und des Kultus, bei denen er den alten Glauben "und das Herkommen bei den drei Volksstämmen berücksichtigte, und gab gute Anordnungenüber das häusliche und bürgerliche Leben, mit dem der religiöse Glaube und die heiligenGebräuche aufs innigste verwoben waren. Auf ihn vor allem führte man die Einrichtungder verschiedenen Priesterkollegicn zurück. Auch die Begründung der ältesten Handwerker-zünfte, deren Mitglieder als minder ehrenhaft vom Waffenrecht ausgeschlossen waren,wurde diesem König zugeschrieben. Damit das Eigentumsrecht geachtet und in Handel undWandel Treue und Glauben geübt werde, stiftete Numa der Gottheit der Treue und desgegenseitigen Vertrauens (Fides) Tempel und Verehrung. Dem Janus, dem Gott allesAnfangs im Raum und in der Zeit, mit doppeltem Angesicht nach vorwärts und rück-wärts schauend, weihte er am Eingang des Forums eine Thorhalle, deren Pforten inKriegszeiten offen, im Frieden geschlossen waren (Z 160). Und so sehr ehrten alle Völker denweisen Priesterkönig, daß sie keine Kriege wider Rom führten; deshalb waren währendseiner Regierung die Thore des Janustempels geschlossen. Wie die Griechen ihre Gesetze durchGöttersprüche bestätigen ließen, so behauptete Numa Pompilius, seine religiösen Einrichtungenaus dem Umgänge mit der Nymphe Egeria, deren heiliger Hain südwärts von Rom lag,erhalten zu haben. Nach vielen Jahren soll er lebenssatt gestorben sein, noch bis in diespäteste Zeit von seinem Volke hochverehrt.
Die beiden folgenden Könige, der Latiner Tullus Hostilius und der SabinerAncus Marcius, erweiterten das Gebiet des kleinen Staats durch glückliche Kriege, sodaß mit den drei Hügeln des Palatinus, Capitolinus, Cölius noch die vier anderen ver- Rarciusbunden und allmählich bevölkert wurden sSeptimontium). Unter Tullus Hostilius erlangtendie Römer durch den siegreichen Kampf der Horatier, die für Rom gegen die Curiatierfochten, die Herrschaft über Albalonga, dessen Einwohner, nach Zerstörung der Stadt,teils am Fuße des Berges in Bovillü angesiedelt, teils nach dem Berge Coelius in Romverpflanzt wurden, wo sie, mit dem römischen Schuhrecht begabt, die Grundlage des Standesder Plebejer bildeten, der unter dem folgendem König Ancus Marcins, dem Erbauer derHafenstadt O st i a an der Tibermündung, durch Ansiedlung besiegter Bürger der umliegendenOrte noch bedeutend vermehrt ward. Mit der Unterwerfung Albalongas gingen Wohl auchdie Hoheitsrechte dieser Stadt als Vorort des latinischen Bundes (Z 159) auf Rom über,dessen Abgeordnete von nun an den Vorsitz bei den Bundesfesten führten.
§ 164. Die drei Etruskerkönige der Sage. In den ältesten Zeitenhaben ohne Zweifel Könige über die sich mächtig entwickelnde und einen ent-scheidenden Einfluß auf ganz Latium ausübende Tiberstadt geherrscht. Ebensofest aber steht, daß die Gründungssage, nachdem alle wirkliche Kunde von RomsAnfängen verklungen war, zureicht gemacht worden ist, um den nationalenInstinkten aus das sorglichste Rechnung zu tragen; vor allem aber sollten demformalistischen Zuge der römischen Religion folgend, alle Einrichtungen, dieaus dem Boden der alten Bauernstadt erwachsen waren, wie die Feste derSalier, der Löolfsbrüder, der Arvalbrüder u. s. w. auf bestimmte Ereignisse indieser sagenhaften Königszeit zurückgeführt werden. Daß alle Kunde ausjener Zeit so schnell und gründlich verklang, fand seine Ursache in einemEreignis, das die hergebrachte römische Geschichte uns freilich verschwiegen hat,in dem siegreichen Vordringen der Etrusker bis nach Campanien,