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Erster Band.
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Drittes Buch: Römische Geschichte.

8 168 .

8. Rom unter der Herrschaft der Patrizier (ojO—366).

dnWrusker 8 >68. Die Begründung der aristokratischen Republik und derenälteste Verfassung. Die Befreiung Roms von der Herrschaft der etruskifchenTyrannen, wie sie die Sage darstellt, ist oben (Z 164) erzählt worden. InWirklichkeit handelt es sich um ein Zurückwerfen der gesamten Etrnsker-macht bis nördlich des Tiber, der von nun an die Grenze bildete. Dererstarkende Latinerstamm, dessen bis dahin einander widerstrebende Elementesich geeinigt hatten, glaubte den günstigen Moment gekommen, als dieunteritalischen Griechen unter Aristodemos von Khme (Z 159) dem weiterenVordringen jener Eroberer ein Ziel gesetzt hatten. Ohne weiteres ver-mochten jedoch die Latiner, trotz der Vertreibung der verhaßten Zwingherren,sos das neuerworbene Gut der Freiheit nicht zu bewahren. Denn die Etrnskerrafften sich noch einmal auf; an ihre Spitze trat, wie die Sage berichtet,der mächtige Fürst (Lars) Porsena von Clusium, zog mit einem gewaltigenHeere vor Rom und zwang die Stadt, sich ihm zu ergeben. Wie langeer das wiedereroberte Gebiet hat bewahren können, wissen wir nicht. Esscheinen aber nur wenige Jahre gewesen zu sein, da sein Sohn Ar unsvon demselben Aristodemos von Khme und den mit ihm vereinigtenAriu?M9 geschlagen ward und kurze Zeit darauf die ersten sichern Nach-

richten aus Roms Geschichte, der erste karthagische Handelsvertrag unddie ersten Konsullisten, uns entgegentreten.

Sage von Die Sage hat jene Übergangszeit auf das beste zu Gunsten Roms ausgeschmückt undngchen^Ber- die Kämpfe mit den Etruskern in eine wahre Heldenzeit umgedeutet. Unter den ersten Kon-schworung sMu Brutus und Collatinus bildete eine Anzahl vornehmer Römer eine Verschwörungum die vertriebene Königsfamilie zurückzuführen. Als dieselbe entdeckt wurde, ließ derstrenge Brutus die Schuldigen, darunter zwei feiner eigenen Söhne, mit dem Beile enthaupten.Die römische Gemeinde aber wurde darüber so ergrimmt, daß sie nicht nur das früherden Tarquiniern gehörige Getreidefeld zwischen der Stadt und dem Tiber dem Mars weihte(Campus Martius) und als unbebautes Land für die Zukunft zu Waffenübungen, Volks-versammlungen und zur Wahlstätte bestimmte, sondern daß es auch alle, die zu dem tar-quinischen Geschlechte gehörten, auf ewige Zeiten aus der Stadt verbannte. Diesem Gesetzegehorchte sogar Tarquinius Collatinus, einer der Begründer des republikanischen FreistaatesHoratius (H 164). — Die größte Gefahr drohte den Römern bald darauf von dem Etruskerkönig Por-Cocles aus Clusium, dessen Hilfe Tarquinius angerufen hatte, und der das Janiculum

auf dem rechten Tiberuser besetzte. Während der Kämpfe der jungen Republik mit diesemmächtigen Feinde setzten die Römer über den Fluß, um die Etrusker von dem Jani-culum zu vertreiben, wurden aber zurückgeschlagen und zur eiligen Flucht in die Stadtgezwungen. Die Feinde wären leicht mit ihnen eingedrungen, Hütte nicht HoratiusCocles(Einauge), ein starker, stattlicher Mann, dem die Wache der Brücke anvertraut war, mitzwei Gefährten die Anstürmenden abgewehrt, während die Menge auf sein Gebot hinter ihnendie Brucke einriß. Bald sandte Horatius die beiden Mitstreiter gleichfalls weg und widerstandallein, bis das Krachen der hinstürzenden Balken verkündete, das Werk sei vollbracht. Dabetete er zum Vater Tiberinus, daß er ihn und seine Waffen in seinem heiligen Strom empfangeund schütze, sprang in die Fluten und entschwamm zur Stadt. Zum Dank steuerte ihm jederEinwohner, als die Hungersnot wütete, was er von Speise sich abdarben konnte, nachmalssetzte die Republik sein Standbild und schenkte ihm so viel Land, als er an einem TageMucius umpflügen konnte. Eine ähnliche Belohnung ward dem Mucius Cordus, genanntScavoia S^tigia, zu teil. Als Rom durch die Belagerung vom Hunger schwer heimgesucht ward,unternahm dieser Heldenjüngling, mit des Senats Erlaubnis, die Befreiung des Vaterlandesdurch die Ermordung des Etruskerkönigs- Er schlich sich in das Lager und gelangte, derSprache kundig, in den inneren Raum, wo das königliche Zelt stand; aber aus Irrtumerstach er statt des Königs einen stattlich gekleideten Diener. Als ihn hierauf Porsenadurch Drohung zu Geständnissen zwingen wollte, streckte Mucius die rechte Hand in einneben ihnen loderndes Opferfeuer, zum Beweis, daß er weder Marter noch Tod scheue.