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Erster Band.
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Drittes Buch: Römische Geschichte.

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an den Staatsgeschäften gewann. An eine selbständige Führung der Geschäfte,ja an eine Zulassung zur Beamtenwahl war für Nichtpatrizier nicht zu denken.

Dazu kam als drittes noch das unerbittlich harte, auf dem starren römischenSchutdrecht Eigcntumsbegriff ausgebaute Schuldrecht, das sich nicht nur an den Besitz,sondern auch an die Person des Schuldners und seine Familie hielt. Bei derständigen Kriegslast, die auf den ländlichen Betrieben unaufhörlich lastete, konntees nicht ausbleiben, daß schon in guten Jahren nur das Notwendige herausgewirt-schaftet wurde. Mißernten, Kriegsschäden und verheerende Einfälle der feindlichenNachbarstämme dagegen erzeugten Verarmung der Plebejer, und um der augen-blicklichen Not zu entgehen, machten sie bei den Patriziern Schulden. Wenn derPlebejer den hohen Zins, der gewöhnlich zwölf Prozent (1 v. H. auf den Monat)betrug, nicht zu bezahlen vermochte, so wurde er mit Leib und Gut Eigen-tum des Gläubigers, der ihn nebst seinen Kindern als Sklaven in die Fremdeverkaufen oder bei sich als Knecht halten konnte. Schrecklich war das vondem unerbittlichen Rechte auferlegte lebendige Begräbnis, das der Arme indem Schuldturm jedes vermögenden Mannes klaffen sah. Aber nicht minder hartwar das Los dessen, den der Gläubiger auf dem verpfändeten Ackerland wohnenließ; denn der Schuldner mußte die Grundlasten tragen und das Feld be-stellen, während der Gläubiger die Ernte als Abschlagszahlung einthat.

Als diese Zustände zu drückend wurden und kein Gesetz den unglücklichen494 Schuldner gegen den harten Gläubiger schützte, da verweigerten etwa 18 000 be-waffnete, zum Heerbann aufgebotene Plebejer den Gehorsam, besetzten den eineMeile von Rom entfernten heiligen Berg am rechten Ufer des Anio, inder Absicht, eine neue Stadt zu gründen, kehrten aber zurück, als ihnenAbstellung ihrer Beschwerden verheißen worden war und die geängstigtenPatrizier ihnen Ackerlandausteilungen und eine gewisse Beteiligung an denStaatsgeschästen zugesichert hatten. Die Nachteile einer solchen Leosssio plsdiswaren eben auch für die letztere nicht gering, und darum gaben die Plebejerbald nach, als man ihnen nur einige Bereitwilligkeit gezeigt hatte.

Sage «on Verschiedene Umstände kamen zusammen, um die Auswanderung nach dem heiligenAuswan- Berge herbeizuführen. Unter dem Konsulat des Appius Claudius, der wie das ganzederung Geschlecht der Claudier durch Hochmut allgemein verhaßt war, entzündete sich der gehäufteBrandstoff. Ein alter Mann, so wird erzählt, aus dem Schuldkerker entsprungen, inschmutzigen Lumpen, bleich und abgehungert, mit verwildertem Bart und Haupthaar, schriein Todesangst um der Quiritcn Beistand. Er zeigte den Zusammenlaufenden die blutigenZeichen unmenschlicher Mißhandlungen und erzählte, ihm sei, nachdem er in achtundzwauzigSchlachten gewesen, im Kriege Haus und Hof geplündert und abgebrannt; die Hungers-not der etruskischen Zeit habe ihn gezwungen, alles zu verkaufen; er habe borgen müssen,die Schuld sei durch den Wucher vielfach ausgelaufen: dann habe der Gläubiger sich ihnund feine zwei Söhne zusprechen lassen und sie in Ketten gelegt. Manche erkanntenaus seinen entstellten Zügen einen wackern Hauptmann; das Mitgefühl errregte dieganze Stadt; Verpfändete und Ledige liefen zusammen, und alle heischten Abhilfe derallgemeinen Not. Nun war gerade Krieg mit den Volskern, und das Volk weigerteden Heeresdienst. Da ließ der zweite Konsul P. Servilius verkünden: „wer wegen Schuldenals eigen gehalten werde, könne sich ungehindert zum Dienst melden, und die Kinder derSoldaten sollten in ihrer Freiheit und im Besitz deS väterlichen Eigentums nicht angetastetwerden." Auf dieses Besprechen schwuren alle Verpfändeten zur Fahne, und der Konsulerfocht einen glänzenden Sieg. Als aber Appius Claudius die aus dem Felde heimkehren-den Schuldknechte in ihre Kerker zurücksandte und die Verpfändeten ohne Erbarmen denSchuldherren zusprach, gerieten die Plebejer, ergrimmt über den Treubruch, in offenenAufstand und widersetzten sich der Vollstreckung des Befehls. Nach einiger Zeit gelanges jedoch dem volkstümlichen M. Valerius, den die Patrizier in ihrer Not zum Dik-tator ernannt hatten, die Plebejer wieder zu beschwichtigen und sie, da die Volsler wiederinS Land einfielen und mit ihnen die Aequer und Sabiner die Grenzen bedrohten, unter Er-neuerung der früheren Zusage, abermals zum siegreichen Kampf ins Feld zu führen- Alleindie verheißene Befreiung der Schuldknechte wurde von dem Senat aufs neue verworfen-'Da legte Valerius im Unmut seine Würde nieder; die Plebejer aber, die noch außerhalbder Stadt in Reih und Glied aufgestellt waren, verweigerten den Konsuln den Gehorsam