Zweites Kapitel: Roms Ansänge.
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§ 175.
Rom unaufhaltsam in die Arme getrieben, so daß dieses seine Machtimmer weiter auszubreiten vermochte. So gewannen die römischen Adligendie Feldmark von Ardea, so drängten sie die Volsker und Aequer, soweit siesich nicht freiwillig unterwarfen, schließlich ganz zum Lande hinaus undrichteten schon ihre Blicke nach den nördlich des Tiber gelegenen Landschaften.Nachdem sie die feste Stadt Fid enä, die im Vertrauen aus den Vejenter-könig Tolumnius von Rom abgefallen war und vier römische Gesandteermordet hatte, nach vielen Kämpfen erobert und die Feldmark als Staats-gut eingezogen hatten, wendeten sie ihre ganze Macht gegen das benach- Mrusrerbarte Etrurien. Wenn auch die Verteidigung der Nordgrenze gegen dieGallier <H 175) alle Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, waren die Etruskerdoch noch stark genug, um die Römer zu nötigen, ihr ganzes Militärsystemumzustoßen, und den Bürgern, die bisher nur Sommerseldzüge geleistethatten, Sold zu geben, damit sie den fortwährenden Kriegsdienst, dernunmehr gefordert werden mußte, wirtschaftlich vertragen konnten. Erstnach zehnjähriger Umlagerung vermochten die Römer unter M. FuriusCamillus mittelst eines unterirdischen Ganges das feindliche Veji zu zFArterobern; seine Bewohner wurden teils erschlagen, teils in Knechtschaftgeführt. Die bis in späte Zeit fortgepflanzte Sitte, die römischen Fest-spiele mit dem „Vejenterverkaus" zu beschließen, wobei ein alter Krüppelim Purpurmantel und Goldschmuck als „König der Vejenter" ausgebotenwurde, war ein Nachklang des Jubels, den der große Erfolg in Romerregte. Seitdem war die Macht Südetruriens gebrochen. Der stolze Ca-millus aber, der durch die Hoffahrt seines prunkvollen Einzugs, durchungleiche Verteilung der Beute und durch Bekämpfung des Vorschlags,das Gebiet von Veji zu gleichen Losen an alle Bürger zu verteilen,sich den Haß der Plebejer zugezogen, ging, von den Volkstribunen zurVerantwortung vorgeladen, freiwillig in die Verbannung. „Für Romwar mit der Gewinnung Südetruriens eine so große Bereicherung anLand und anderen Schätzen gewonnen, daß es von nun an aus der Reiheder übrigen Kleinstaaten mächtig hervortrat. Es war aus dem Wege, ausden enggezogenen Grenzen des latinischen Vororts zur Herrschaft über dieweiten Länderstaaten ganz Italiens überzugehen. Die zahlreichen Sklavenbrachten eine neue industrielle Bevölkerung in den Mauerring, und dieLanderwerbungen boten sowohl dem armen plebejischen Bauer wie denwohlhabenden Patriziern reiche Ackeranweisungen und Okkupationen. Dawurde der Staat plötzlich von einem Sturme erreicht, der nicht nur seinWachstum, sondern sein Leben zu vernichten drohte und wie ein Hagel-wetter die ersten Keime und Blüten der jugendlichen Republik abstreifte.
§ 175. Der Keltenstmm in Italien. Diesen Sturm brachten die Kelten(Gallier), der Zweig der indoeuropäischen Vollsfamilie, der am weitesten west-wärts vorgedrungen war. Als die große Völkerwelle in Gallien den atlantischenOzean erreicht hatte, folgte naturgemäß ein Zurückfluten, hauptsächlich, weildiese sich sehr rasch vermehrenden Völker noch nicht landfässig geworden warenund, auf dem Standpunkt der Viehzüchter stehend, bald nicht Raum genug inden besetzten Ländern finden konnten (vgl. II, Z 12). Nachdem im 7. Jahr-hundert eine Auswanderung nach Spanien stattgefunden hatte und die Kelten sichmit den Ureinwohnern mischend das tapfere Volk der Keltiberer (K 201) hervor-gebracht hatten, erfolgte im 5. Jahrhundert die rückflutende Wanderung. Anden Alpen teilte sie sich; eine Hälfte der Kelten strömte nach dem Donauthaleab, dessen ganze Südseite sie zu ihrem Besitztum machte, setzte über den Strom