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Erster Band.
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Zweites Kapitel: Roms Anfänge.

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Brennusangriff dreißig Jahre, ehe sich wieder keltische Scharen in derNähe von Rom zeigten, und von großen Schlachten hören wir nichts.

Gallische Raubscharen näherten sich Rom zu wiederholten Malen, abersie kamen zu spät: die Stellung Roms hatte sich wieder voll befestigt, undman wagte nicht, die kriegsgewohnten Legionen anzugreifen. Die spätereGeschichtschreibung hat aber aus diesem einfachen und wenig Ruhm bringen-den Kampfe nicht weniger als sechs Gallierkriege und aus ihnen ein wahresHeldenzeitalter Roms gemacht, in dem die Namen des Camillus unddes M. Valerius Corvus in Hellem Glänze erstrahlen. Es ist fast gewiß,daß nur einige Einzelheiten historisch sind, der Zusammenhang aber, derden großen Hintergrund malen sollte, eine Erfindung ist. Die gallischenStämme setzten sich, nachdem sie einigermaßen sichere Grenzen nach Süd-osten gewonnen hatten, meist in dem Pogebiete fest, und dem Einfluß derEtrusker war es zu danken, daß sie zu seßhaften Ackerbauern wurden.

Einzelne etruskische Kolonien, z. B. die Jnselstadt Mantua, blieben nochweiter bestehen, während das Flachland von den keltischen Bauern besetztward. Ihr südlichster Posten war der „gallische Acker" mit der Haupt-stadt Sena gallica (Z 158). Einzelne Vorstöße nach Süden mögen derRuhmredigkeit römischer Annalisten den Stoff zu den Heldenthaten ge-liefert haben, von denen uns Livius folgendes zu berichten weiß.

Als einst die Gallier und Römer an den Usern des Anio einander gegenüber standen, T. Manliustrat ein gallischer Riese auf die Brücke, die die Heere trennte und die keiner der streitenden "Teile abbrach, um keine Furcht zu verraten, und forderte die tapfersten Römer zum Zwei-kampf heraus. Da erbat sich ein edler Jüngling, Titus Manlius, von dem Feldherrndie Erlaubnis zum Kampfe, ging leicht bewaffnet dem prunkenden und prahlenden Riesenentgegen und durchstieß ihn, indem er ihm so nahe an den Körper rückte, daß jener vonseinen großen Waffen keinen Gebrauch machen konnte, mit seinem kurzen Schwerte. Alsder Feind der Länge nach am Boden lag, nahm Manlius ihm die mit Blut bespritzteHalskette ab und legte sie um seinen eigenen Nacken. Die Römer führten den Siegerunter Glückwünschen und Lobeserhebungen jubelnd zum Diktator. Unter den kunstlosenliederähnlichen Scherzen der Krieger hörte man den Beinamen Torquatns (Kettentrüger),welcher bald allgemein üblich und auch ein Ehrenname seiner Nachkommen und seines Ge-schlechts wurde. Ohne Kampf zog darauf der gallische Schwärm nach Campanien weiter,wurde aber im nächsten Jahr auf dem Rückweg vor dem collinischen Thor von dem DiktatorO. Servilius Ahäla geschlagen. — Etwas später ereignete sich ein ähnlicher Kampf bei demvon Camillus ins Feld geführten Heere. Als die Römer ruhig auf ihren Posten standen,trat ein Gallier, ausgezeichnet durch Größe und Rüstung, vor, schlug mit dem Speer aufseinen Schild und forderte einen von den Römern heraus, sich mit ihm zu schlagen. Daerbat sich ein junger Kriegstribun, Marcus Balerius, von dem Konsul die Ehre deZM^VM-^usKampfes und schritt bewaffnet in die Mitte. „Der Kampf der Männer wurde von der z^gDazwischenkunft der Götter überstrahlt. In dem Augenblick nämlich, als der Römer hand-gemein wurde, setzte sich plötzlich ein Rabe, gegen den Feind gekehrt, auf seinen Helm. DerKriegstribun erkannte hierin alsbald hocherfreut ein vom Himmel gesandtes Zeichen undbetete sodann: „wenn ein Gott, wenn eine Göttin ihm diesen geflügelten Boten zugesendet,so möchte Er oder Sie ihm freundlich zur Seite stehen." Und wunderbar! der Vogel be-hauptete nicht bloß seinen einmal eingenommenen Platz, sondern hob sich bei jedem neuenGange mit den Flügeln und fuhr mit Schnabel und Krallen dem Feind ins Gesicht undAugen, bis dieser, geschreckt durch den Anblick des Ungetüms, und irren Auges wie ver-wirrten Sinnes, von Valerius erlegt wurde. Der Rabe schwang sich in die Lüfte und ent-flog den Blicken gegen Morgen. Bis dahin standen beide Teile ruhig auf ihren Posten.

Nun aber, als der Tribun dem erschlagenen Feinde die Rüstung ausziehen wollte, hieltensich die Gallier nicht länger auf ihrer Stelle; noch eiliger liefen die Römer ihrem Siegerzu. Da, entspann sich um die Leiche des Galliers ein Streit, aus welchem eine blutigeSchlacht erwuchs. Götter und Menschen unterstützten diesen Kampf, und die Gallierwurden in entscheidender Schlacht besiegt." Marcus Valerius, fortan Corvus (derRabe) genannt, wurde hierauf zum Konsul gewählt. — In jene Zeit gehört auch die M. Curtiusrührende Geschichte von dem Opfertode des M. Curtius. Auf dem Forum hatte sich ein