H 181. Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mittelmeergroßmacht (368—133). Z?1
Schwärme nach Westen und Süden vor. Campanien und das herrlicheLand am Golfe von Neapel wurde ihnen eine leichte Beute. Die griechischeKolonie Khme fiel in ihre Hand, und sie bemächtigten sich sogar der früheretruskischen Pflanzstadt Capua. In dieser aber entarteten sie schnell unterden Einflüssen griechischer Bildung und verfeinerter Lebensgenüsse undwurden ihren Stammesbrudern im eigentlichen Samninm, welche die rauhenSitten und die Tapferkeit der Väter ungeschmälert bewahrten, entfremdet.
Als nun die Samniten des Gebirges Capua wegen eines Streites umTeanum Sidicinum mit einem Krieg bedrohten, vermochten die verweich-lichten Bewohner dieser Stadt den Angriffen nicht zu widerstehen undwendeten sich um Hilfe nach Rom.
Die Einzelheiten dieser Kämpfe sind sagenhaft; die Tradition berichtet darüber Sag«folgendes: Die Römer weigerten anfangs den Beistand gegen die mit ihnen verbün-°nit-nkrk?beten Bergsamniten; als aber die Capuaner die römische Herrschaft anerkannten, zogensie ins Feld und schlugen unter M. Valerius Corvus mit großer Tapferkeit die Feinde stsbei Cnmü am Berge Gaurn s. Ein zweites Heer, das durch die Unvorsichtigkeit desKonsuls in Samniums Bergen in eine gefährliche Stellung geraten war, wurde durchdie Tapferkeit und Kriegskunst des ältern P. Decius Mus gerettet; bei Suessüla am snEingang der caudinischen Pässe erlitten die Samniten durch die vereinigte Kriegsmacht derKonsuln solche Verluste, daß man vierzigtausend ihrer Schilde aus dem Schlachtfelde auflas.
Soviel scheint sicher zu sein, daß die Römer die Unterwerfung der FriedsCapuaner annahmen, und daß dies zwar zu schnellem Streite, aber nochschleunigerem Frieden führte; beide Gegner hatten eben wichtigere Fragenzu lösen. Die unteritalischen Griechen suchten die sabellische Völkerwelle,die von den Samniten ausgegangen war, zurückzukämmen, und dieKriegskunst griechischer Kondottieren aus Alexanders des Großen Schuletrat den ungeübten italischen Schlachthaufen erfolgreich entgegen. DieRömer andererseits sahen sich von ihren bisherigen Bundesgenossen, denLatinern, bedroht, da diese nicht ertragen wollten, zwischen zwei römischenUnterthanengebieten eingeschlossen zu werden. Das bewog die Römer, mitden Samniten einen billigen Frieden und ein Bündnis zu schließen, umihre Waffen Wider die näheren Feinde zu kehren.
§ 181. Der Latinerkrieg (340—338) und die Organisation derrömischen Herrschaft in Mittelitalien. Unter den Latinern hatte es derschon längst gegärt. Mit Unwillen hatten sie gesehen, daß sie an allenKämpfen Roms teilnehmen mußten, der sich schnell entwickelnde Großstaataber alle Vorteile an sich riß. Die den Aequern und Volskern abge-nommenen Gebiete waren nur an römische Bürger vergeben worden, dieneuen mit Karthago 348 abgeschlossenen Verträge der Römer behandeltendie Latiner als unterworfene Unterthanen. Ihre Lage schien sich zu bessern,als die Samniten von ihren Gebirgen Herabstiegen. Denn gegen diesenkräftigen Stamm brauchte Rom seine und der Latiner ganze Kraft. Alsaber die Samniten die Römer herbeiriefen, und diese sich eines Teiles vonCampanien bemächtigten und dieses unter die Plebs verteilten, ohne dieLatiner zu berücksichtigen, erfaßte diese wilde Erbitterung. Zugleich er-kannten sie, daß Rom sie nun von Norden und Süden umklammerte unddamit in volle Botmäßigkeit zu bringen suche. Da außerdem die von denGriechen bedrohten Samniten sich ihnen näherten, so hielten die Latiner denZeitpunkt für gekommen, um Rom gegenüber ihre Forderungen durchzusetzen;ein Militäraufstand im römischen Heere gab dazu den willkommenen Anlaß,loszubrechen, als man ihren weitgehenden Wünschen nicht Folge leistete.
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