Z 183. Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mittclmeergroßmacht (386—133). 375
Bundesgenossen und Municipien gebracht. Diese wiederholten Schlägebrachen die Kräfte der Samniten. Nach der entscheidenden Schlacht beiBovianum, die den Verlust dieses Hauptwaffenplatzes und die Ge- sossangennahme ihres Führers Statius Gellius zur Folge hatte, schlössen sieeinen Frieden, demzufolge sie zwar ihre Selbständigkeit behielten, aberdie Unabhängigkeit der Lukaner, die früher unter ihrer Oberherrschaftgestanden hatten, anerkennen mußten. Auch wurde das Bündnis mit denMarsern, PLlignern, Picentern u. s. w. aufgelöst und an dessen Stelle einneues mit den Römern gesetzt. Dieser Friede dauerte jedoch nur sechsJahre, eine Frist, welche die Römer zur völligen Bezwingung der um-liegenden Völkerschaften, zur Anlegung von Festungen und Heerstraßenund zu innern Reformen benutzten. Appius Claudius verewigte seine siLZensur nicht nur durch den Bau der Straße, die seinen Namen führte (ViaAppia), er vermehrte auch die gelichteten Bürgerreihen, indem er vieleFreigelassene und Fremde zu den Pflichten und Rechten römischer Bürgerheranzog und sie in die Tribus verteilte, und ergänzte den Senat durchdie Aufnahme neuer Leute.
§ 183. Der dritte Samnitenkrieg (298—290). Die Römer nutzten ihren?°Erm-Sieg so vollständig aus, daß ihre Macht sich wie ein Keil zwischen die ober- uan-nund unteritalischen Völkerschaften schob. An eine Unterwerfung dieser beidenauseinandergesprengten Teile dachte man in Rom zwar zunächst noch nicht;
Wohl aber wurde Mittelitalien durch die Zersprenguug der alten Eid-genossenschaften und durch die Erbauung einer ganzen Reihe Festungen(Ocriculum, Narnia, Alba Fucens), die durch die slaminische und valerischeStraße (Z 86) mit der Hauptstadt verbunden waren, das eigentlicheUnterthanengebiet Roms. Durch Hunderte von Fäden wurden diese TeileItaliens aus das engste mit Rom verknüpft. Seine kluge Politik wußtesich die gefährlichen Griechen fern zu halten, indem es die entfernterwohnenden Jtaliker gegen sie aufwiegelte; denn dadurch konnte es diefeindlichen Grenznachbarn am besten isolieren. Besorgt über die Macht-vergrößerung der Gegner und über die eigne Vereinzelung suchten dieSamniten das von Parteien zerrissene Lukanien wieder an sich zu bringen.
Allein ein Teil von dessen Bevölkerung wandte sich an die Römer umHilfe, deren Gewährung den dritten Samnitenkrieg herbeiführte.
Den Samniten gelang es, eine Koalition aller noch freien italischenVölkerschaften herbeizuführen, denn sie wußten Wohl, daß nur ein Völker- kri°gbund Aussicht hatte, Roms Macht niederzuzwingen. Auch in Rom fühlteman, daß die Entscheidung nahte, und strengte jeden Nerv an. ImAnfange war das Kriegsglück den Samniten und ihren Verbündetengünstig; jedoch nahm der Krieg für sie bald eine schlimme Wendung. Daverließen die streitbaren Samniten in einem hochherzigen Entschlüsse ihrvon römischen Heerführern grauenhaft verwüstetes Land und zogen nachllmbrien, um den Umbrern, Galliern und Etruskern näher zu sein. EineNiederlage des Konsuls L. Cornelius Scipio Barbatus weckte in Rom diealte Galliersurcht wieder auf. Aber in der Schlacht bei Sentinum WZfiel der lange schwankende Sieg schließlich durch die Todesweihe des jüngern,dem Vater (Z 181) nacheifernden P. Decius Mus den Römern zu; umsonsthatte die heilige Schar der Samniten, die geschworen hatte, den Tod der Fluchtvorzuziehen, noch einmal ihre Kräfte an den Römern versucht. Die KonsulnL. Papirius Cursor und Sp. Carvilius gewannen bei Aquilonia in Sam- Ms