Z 185. Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mrttetmeergroßmacht (366—133). 379
Bewohnern dem Schwerte entronnen war, wurde in Rom auf offenemMarkte gestäupt und enthauptet. Von da an war die Macht der grie-chischen Staaten jener Gegend, die in diesem Kriege von beiden Seitenschwer getroffen wurden, für immer dahin. Sogar ihre alten Namenmußten sie ausgeben und römische annehmen, wie Posidonia, das zuPaestum wurde, oder Kyme, das von nun an Cumae hieß. Die besiegtenVölkerschaften mußten teils als Bundesgenossen, teils als UnterthanenRoms Oberhoheit anerkennen, und die entvölkerten Städte wurden durchEinbürgerung römischer Kolonisten, denen die übrigen Bewohner unter-geordnet waren, fester an Rom geknüpft; sie verloren das Recht dereigenmächtigen Kriegführung und freier Verträge mit dem Auslande. Dieerbeuteten Schiffe setzten die Römer bald darauf in Stand, den Kriegmit den seebeherrschenden Karthagern, welche trotz des Bundesvertrags, densie mit Rom gegen Pyrrhos geschlossen, sich während des Kriegs zwei-deutig und treulos gezeigt hatten, zu unternehmen.
Um dieselbe Zeit, als ganz Italien den, Römern unterthänig ward, ssssuchte Ptolemaos Philadelphos von Ägypten (Z 148) durch eineglänzende Gesandtschaft Roms Freundschaft und Bündnis nach, ein Ver-langen, dem gern willfahrt wurde. Damit war der römische Staat inden Kreis der Staaten eingetreten, die die Weltpolitik bestimmten. Durchdie Unterwerfung des eigentlichen Italiens bereitete sich die Ausdehnungdes Römerreichs auch in wirtschaftlicher Hinsicht vor, die zu dem ge-waltigen Ringen mit Karthago führen mußte. Von nun an gab es denBegriff „Italien" auch im politischen Sinne, der das Land von dem KapLencopetra bis an die Flüsse Macra und Aesis (Rubicon) umfaßte.
§ 185. Versassmigsgeschichte Roms bis zum Jahre 275. Neben dieseräußeren Einigung Italiens ging die innere Verschmelzung der Landschasten unddie Umbildung des römischen Stadtstaates zu einem Großstaat unter derHerrschaft des römischen Senates einher. Nachdem der Ständekampf zuGunsten der Plebs entschieden war (8 178), konnte es nicht fehlen, daß dieschwerfällige Maschinerie der Centuriatkomitien immer mehr von ihren Kom-petenzen an die Tributkomitien abgeben mußte (Z 179). Rom war im Begriff,sich zur Demokratie umzuwandeln, und die klügeren unter den Patriziern,die eingesehen hatten, daß die Bewegung nicht mehr einzudämmen war, stelltensich an die Spitze. — Dies that vor allem der Censor Appius Claudius,^^?^der sämtlichen Freigelassenen und in Rom ansässigen Halbbürgern (vgl. Z 182) Claudiusdas volle Bürgerrecht gab. Dieser aufsehenerregende Schritt schien dadurch ge- ^boten, daß die Samnitenkriege und die Anlegung der Kolonien der StadtRom Tausende von Bürgern gekostet hatte. Seine Gegner, die ihm auf dasschärfste entgegentraten, erreichten nur das eine, daß die Neuaufzunehmendenlediglich in die vier städtischen Tribus verteilt wurden, also in den 27 länd-lichen die Altbürgerfchaft die Oberhand behielt und somit die Tributkomitienbeherrschte. Ein gleicher Versuch, dem Senate neue Elemente zuzuführen,scheint nicht geglückt zu sein. — Neben diesen politischen Veränderungen setzteAppius Claudius während seiner Censur noch zwei große Neuerungen wirt-schaftlicher Art durch, die von dem großen Gemeingeist der Römer und ihrerklaren Erkenntnis praktischer Verhältnisse rühmlich zeugen, die Erbauung derappischen Straße, die zunächst militärischen Zwecken diente, zugleich aberdie Hauptpulsader des gesamten Handelsverkehrs mit Snditalien ward, unddie Anlegung der ersten noch jetzt thätigen Wasserleitung (agiia ^xxia),die das heiße ungesunde Rom mit dem kühlen Naß der Sabinerberge versorgte.
Beide Anlagen, die zu allen Zeiten die Bewunderung der Reisenden erregten,