H 189. Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mittelmeergrvßmacht (366—133). Z89
Friedensbedingungen anzunehmen im Begriff gewesen war, atmete wiederauf und brachte zunächst Ordnung in die afrikanischen Verhältnisse.Furchtbar straften die Punier die abgefallenen Gemeinden an Leben undGut. Sie legten ihnen eine hohe Abgabe an Geld und Rindern auf, unddie Zahl der numidischen Häuptlinge und Ortsvorsteher, die am Kreuzestarben, wird aus dreitausend angegeben.
Dem Untergänge der römischen Flotte folgte eine Reihe weiterer Un-fälle. Eine zweite große Flotte scheiterte im Golfe von Tarent, und diesesUnglück benahm den Römern für lange Zeit die Lust zu größeren Seeunter- 253nehmungen. Die Schlacht bei Tunes hatte ihnen auch den Mut geraubt,im freien Felde sich mit dem Feinde und dessen gefürchteten Elephantenzu messen, und so schleppte sich der Krieg ohne Entscheidung hin, da auchdie Karthager mit der Unterwerfung ihrer afrikanischen Landschaften viel zusehr beschäftigt waren, um gegen die Römer mit entschlossenem Angriff vor-zugehen. Erst als die Römer unter der Leitung des Prokonsuls Q. Cäci-lius Metellus bei einem Ausfalle ausPanormos den karthagischenFeldherrn Hasdrubal besiegten und viele Elephanten in ihre Gewalt Wbekamen, faßten sie neuen Mut. Um diese Zeit sollen, nach einem sagen-haften Bericht, die Karthager den Regulus nach Rom geschickt haben, um^om'"eine Auswechselung der Gefangenen zu erwirken, und ihn, als er im Senatedies Entgegenkommen widerraten hatte und seinem Eide getreu in die Hastzurückgekehrt war, auf die martervollste Weise getötet haben. Wenn sichhierin der wachsende Mut der Römer widerspiegelt, so geschah dies noch mehrdarin, daß sie endlich Anstalten trafen zur Belagerung der wohlverteidigten^/Wh-kWaffenplätze Lilybäum und Drepana. Aber ihre Angriffe aus dieseSecburgen scheiterten; die Belagerung des festen Lilybäum zog sich in dieLänge, fast wie die sagenhafte trojanische, und als der ungeschickte KonsulP. Claudius Pulcher zur Unzeit angriff, wurde er vor Drepana zu 24gWasser und zu Lande geschlagen und verlor dabei fast seine ganze Flotte. Eswar der härteste Schlag, der Rom seit der Gallierschlacht betroffen hatte.
Weil der besiegte Konsul auch nach der Niederlage den claudischen Familien-stolz zur Schau trug, wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt; bald nach-her starb er, wahrscheinlich im Exil. In demselben Unglücksjahre ver-loren die Römer durch einen Sturm noch eine zweite Flotte an der Süd-küste Siciliens, so daß sich wiederum Kleinmut des Staates bemächtigte unddie Erschöpfung der langen Kriegsjahre sich doppelt fühlbar machte; aberauch in Karthago war man des langen Haders müde und wäre gernzum Abschluß gekommen, wenn die national gesinnte Partei, an derenSpitze die Familie Barkas stand, dies zugegeben hätte.
Unter geringfügigen Unternehmungen zog sich nun der Krieg rühmlosin die Länge, bis der treffliche karthagische Feldherr Hamilkar Barkas(der Blitz), das Haupt der Kriegspartei, neues Leben in das Waffenspielbrachte. Seine gewinnende Persönlichkeit knüpfte die karthagischen Söldnerfest an ihn, und durch glänzende Bedingungen fesselte er ihre Treue. Miteiner erlesenen Schar besetzte er zunächst den Berg Heirkte (MontePellegrino) bei Panormos und bedrängte dadurch diesen wichtigen Waffen-platz der Römer. Als diese Lilybäum und Drepana enger einschlössen,bemächtigte er sich der aus isoliertem Felskegel gelegenen Stadt Erhx(S. Giuliano) und überwachte, nachdem er so seinem Söldnerheer einensichern Stützpunkt geschaffen hatte, wo sie von Drepana her mit allem Nötigen