Z 190. Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mittelmeergroßmacht (366—133). 391
festen Plätzen blieb römische Besatzung. Übrigens wurden die einzelnen Städteje nach ihrer Haltung während des Krieges hinsichtlich der Besteuerung undder Rechtsstellung verschieden behandelt, ein Verfahren, das dem Verfahren inItalien (Z 181) entsprach und die Provinzen in um so sichererem Gehorsam erhielt.
§ 190. Der Abschluß der Eroberung Italiens. Die Karthagermußten nach dem Frieden mit ihren empörten Miettruppen, denen sieden versprochenen Sold nicht hatten zahlen können, einen dreijährigenVernichtungskampf führen, der sich über das ganze in Verzweiflung gefetzteLand verbreitete und das Gemeinwesen dem Untergang nähe brachte, bis 210-237er endlich durch Hamilkars Kriegskunst sein blutiges, von der schrecklichstenGrausamkeit begleitetes Ende erreichte. In unedler Weise benutzten dieRömer die Notlage der Karthager zur Besetzung der Insel S ardi-un^K-rs."-»nien, wo die gegen die Karthager empörten Besatzungstruppen und diekriegerischen Einwohner Rom angerufen hatten, und verbanden sie mitder Insel Korsika, die sie unter entsetzlichen Kämpfen mit den halb-wilden Einwohnern ebenfalls eroberten, zu einer zweiten römischenProvinz. Die Karthager, durch den in Afrika wütenden Söldnerkrieggehindert, mußten die unrechtmäßige Wegnahme der beiden Inseln hin-nehmen. Freilich dauerte es noch lange, ehe die wilden Bergvölkerunterworfen waren, und zunächst brachten die beiden Inseln dem römischenStaat keinen andern Gewinn, als kriegsgesangene Sklaven. Der Barbareivermochten auch die Römer dort nicht Herr zu werden, und diese Inselnsind die einzigen im Mittelmeer geblieben, die bis heute niemals Trägerder Bildung und Sitze der Ordnung und des Wohlstandes geworden sind.
Weitere Kriege unternahmen die Römer, um den Besitz und den °°Handel Italiens sicher zu stellen. Unter dem Kommando des L. AemiliusPaullus entrissen sie den seeräuberischen Jllyriern, die die Küsten des ^adriatischen und ionischen Meeres mit ihren Freibeuterzügen heimsuchten,römische Schiffe weggenommen und einen Gesandten getötet hatten, dieInsel Kerkhra nebst den Städten Epidamnos (Dyrrhachiuml und Apollonia.
Die illyrische Königin Teuta, von ihrem gewissenlosen Berater Deme-trios von Pharos im Stiche gelassen, mußte sich ins Innere zurück- >ziehen und feierlich versprechen, mit ihren Schiffen niemals römische Ge-wässer zu befahren. Die einige Jahrzehnte später im nordöstlichen Winkel i«sItaliens angelegte feste Stadt Aquileja hinderte auf immer die Wieder-kehr des gesetzlosen Raubwesens. Damit war der erste Schritt gethan,um Roms Macht auch nach Osten hin auszudehnen.
Die zweite Schließung des Janustempels (Z 161 ), die in diese Zeitfällt und symbolisch einen allgemeinen Frieden andeutet (die erste fandunter Numa, die dritte und letzte unter Angustus statt), kann nur vonkurzer Dauer gewesen sein, da schon im Jahre 226 ein furchtbarer Kriegmit den cisalpinischen Galliern Roms ganze Kraft in Anspruchnahm. Nach dem ersten punischen Kriege stellte sich die Notwendigkeitheraus, das halb verödete Gebiet der Senonen, die gallische Mark (A 159 ),zum Schutz gegen die unruhigen nördlichen Nachbarn mit Kolonisten zubesetzen. Der Volkstribun C. Flaminius setzte ein Ackergefetz durch, das diegallische Mark und Picenum unter römische Ansiedler verteilte. Durch eineneue Heerstraße (die via Maminm) wurde dies Land mit Rom verbunden.
Dadurch fühlten die Gallier sich bedroht, wollten dem Vordringen der RömerSchranken setzen und hatten zu dem Zweck ihre keltischen Stammesgeuossen