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Erster Band.
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tz 192. Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mittelmeergroßmacht (366—133). 393

iberischen Handelsstadt Saguntum im Süden dieses Stromes ein W«Schutzbündnis.

Der einmal vorhandene Gegensatz führte jedoch zum Bruch, als an die^E"^"Stelle des durch Mörderhand-frühe dahingerafften Hasdrubal durch die Wahldes Heeres Hamilkars achtundzwanzigjähriger Sohn Hannibal trat, der 222mit der Klugheit seines Vorgängers die Kühnheit und den Feldherrnblickseines Vaters verband und schon als Knabe am heimischen Altar demrömischen Namen ewigen Haß geschworen hatte. Nach einigen glücklichenFehden mit spanischen Völkerschaften nahm Hannibal einen Grenzstreitzum Vorwand, um Roms Bundesstadt Sagunt zu belagern und dadurch dendoch unausweichbaren Krieg herbeizuführen. Umsonst mahnten ihn römischeGesandte davon ab; er wies sie an den karthagischen Senat, bedrängteaber indes die Stadt so hart, daß er sie im achten Monat eroberte. SagüntsSagunt wurde in einen Schutthaufen verwandelt; die Einwohner begruben ^sich teils unter den Trümmern ihrer Häuser, teils stürzten sie sich indie Flammen, die ihre auf dem Marktplatze zusammengetragene Habe undSchätze verzehrten; was übrig blieb, fiel durch die Schärfe des Schwertes.

Schon an dem jugendlichen Feldherrn merkte man, daß er der gewaltigsteGegner war, der Rom jemals erstehen sollte. Die Charakterschilderungen,die die römischen Geschichtschreiber, vor allem Livius, von ihm entwerfen,bezeugen noch heute den gewaltigen Eindruck von Hannibals Persön-lichkeit. Sein Lebenswandel war nach ihnen der eines gewöhnlichenSoldaten und zugleich der des genialsten Feldherrn. Sein fest gebauter,durch Körperübungen gestählter Körper überwand mit Leichtigkeit alleMühsale und Entbehrungen des jahrelangen Kriegerlebens. Seine Sol-daten liebten ihn wie einen Abgott, und selbst seinen Feinden flößte erwiderwillige Achtung ein, wie das gewöhnlich Menschen thun, die ihrganzes Leben an eine Idee setzen. Mochte auch manche semitische Eigen-tümlichkeit an ihm den Römern auffallen, sie achteten ihn doch als einenMann von größter staatsmännischer Begabung, einen Feldherrn, der Be-sonnenheit und Begeisterung, Vorsicht und Thatkraft vereinigte, und alseine Herrschernatur, die über die Menschen eine gebieterische Macht übte.

List und erfinderische Verschlagenheit, die Grundzüge des panischen Charakters,nahm er als Erbteil seiner Nation in sein tiefbewegtes Leben herüber.

Die nach Karthago geschickte römische Gesandtschaft verlangte die Aus- Lwnmglieferung des eigenmächtigen Feldherrn; und als die Ratsversammlungsich unschlüssig zurückhielt, erklärte der Sprecher der Gesandtschaft,

M. Fabius Buteo, daß er in den Falten feiner Toga Krieg und Friedentrage, sie möchten wählen; und als sie ihm zuriefen: „Wir nehmen, wasdu uns giebst," öffnete er seine Toga mit den Worten: „Hier habt ihrden Krieg." So begann der denkwürdige „Kannibalische Krieg", einmächtiger Völkerkampf, durch den entschieden werden sollte, ob in Europadie griechisch-römische Kultur des Abendlandes oder die phönikisch-semitischedes Morgenlandes den Bildungsgang der Menschheit bestimmen würde.

8 192. Der zweite punische Krieg Lis zur Schlacht am trastmenifchenSee. Als der Krieg begann, standen den Römern zwei Möglichkeiten 213offen: entweder Karthago zur See anzugreifen und dadurch den Krieg indas Herz des feindlichen Landes zu tragen oder zu Lande gegen diespanische Armee vorzurücken und zunächst mit Hannibal abzurechnen.

Beides faßten sie ins Auge. In Sicilien rüsteten sie für eine Expedition