H 182. Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mittelmeergroßmacht (366—133). 395
Morgenstunde ohne Frühstück den Fluß Trebia überschritten hatten, um D-z«nb-rden Feind auf dem östlichen Ufer anzugreifen, hatte nur ein entschlossenerHause von 10 000 Mann sich nach Placentia durchzuschlagen vermocht;die übrigen waren niedergemacht und von den Elefanten zertreten wordenoder hatten auf dem Rückzüge nach dem verlassenen Lager ihren Todgesunden.
Die Nachricht von der großen Niederlage rief in Rom Angst und Be-^ninRomstürzung hervor und bewirkte einen Umschwung zu Ungnnsten der herrschendenOptimatenpartei. Nach den glücklichen Kriegen und nach der Erwerbung desgesamten Mittelitaliens und der Mittelmeerinseln hatte sich der National-reichtum bedeutend gesteigert, und der erhöhte Wohlstand zeigte sich vor allembei den vornehmen Optimateufamilien, die die Verwaltung des Staatesunter sich verteilt hatten. Leider wurden diese bald von demselben Geisteangesteckt, der schon Karthagos Gesundheit und Kraft untergraben hatte; diesich ins Maßlose steigernde Habsucht der römischen Aristokratie verletzte inunzähligen Fällen die licinischen Gesetze (Z 178), okkupierte gewaltige Streckendes neuen Gemeindelandes und führte, auf die großen Sklavenmassengestützt, den Großbetrieb in der Landwirtschaft ein. Lange Zeit wagteniemand dagegen einzuschreiten, bis der kühne Volkstribun C. Flaminiusseine Stimme erhob. Er hatte schon früher (Z 190) die Verteilung dersenonischen Mark durchgesetzt, 223 das Konsulat erhalten und die Jnsubrergebändigt. Jetzt schien er der rechte Mann zu sein, um die unfähigenoptimatischen Führer abzulösen, und wurde auch neben dem OptimalenCn. Servilius vom Volke für 217 zum Konsul gewählt.
Für die Römer kam es darauf an, die Zugänge nach Mittelitalienlinks und rechts des Apennin zu decken und dadurch Hannibal am weiterenVorgehen zu verhindern. Flaminius lagerte deshalb in Arretium, um N-miniusden Westen zu decken, und Cn. Servilius erwartete den Hannibal beiAriminum an der Küste des adriatischen Meeres. Hannibal aber überstiegnach einiger Rast in Ligurien aus einem höchst beschwerlichen Marsche(aus dem er durch eine Entzündung ein Auge einbüßte) die Apenninen undrückte, bei Luca seine Gegner umgehend und alles verheerend auf grundlosenWegen durch das von den Frühlingsgewässern überschwemmte Arnothalin Etrurien ein. Als sein Vordringen bekannt geworden war, beab-sichtigten die beiden Konsuln, den Feind, wie bei Telamon (Z 190),in die Mitte zu nehmen, und zogen ihm von Norden nach (Flaminius)und von Süden entgegen (Servilius). Hannibal, der dies merkte, beschloß,einen nach dem andern anzugreifen. Am Trasimenischen See, woLAUnus'Hannibals Bruder Mago mit der Reiterei in einem Hinterhalt lauerte,erreichte Flaminius den karthagischen Feldherrn. Da er seinem patrizischenKollegen keinen Anteil am Siege gönnte, griff er sofort an, büßte aberseine unüberlegte Raschheit mit einer vollständigen Niederlage; erselbst kam um, und seine Krieger wurden teils erschlagen, teils ertrankensie in den Fluten des Sees. Ein Erdbeben, das an dem nebeligenSchlachttage den Boden zerriß und den Gefallenen ein Grab öffnete, bliebin der Hitze des Kampfes unbemerkt. Flaminius aber wurde als derfrevelhafte Urheber des entsetzlichen Unglücks dargestellt und noch im Todemit schweren Beschuldigungen überhäuft. Das andere konsularische Heerverlor bei Spoletium seine gesamte Reiterei und wurde dadurch in seinenOperationen gelähmt, so daß der Staat ernstlich bedroht erschien. Ganz