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Erster Band.
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§ 194 . Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mittelmeergroßmacht ( 366 — 133 ). Z99

M. Valerius LLvinus ein Bündnis mit den Ätoliern schloß und soPhilipps Streitkräste in Makedonien festhielt. Da auch aus Spanienkeine Unterstützung zu erwarten war (8 195), sah sich Hannibal in Unter-italien auf sich allein angewiesen.

Hier focht er zunächst noch mit Glück: fast zu gleicher Zeit gelang esßEitamnihm, die römische Armee in Lukanien unter M. Centenius in Apulien undden Prätor M. Fulvius bei Herdonea zu schlagen. Als die Römer mitzwei Legionen Capua enge einschlössen und hart bedrängten, suchte er 211die Stadt durch einen Marsch vor die Thore Roms zu befreien,in der Hoffnung, die Römer würden zur Rettung der Hauptstadt herbei-eilen und von der Belagerung ablassen. Groß war die Aufregung inRom, als die Flammen der angezündeten Ortschaften und Gehöfte die Nähedes Feindes ankündigten, und das Schreckenswort „Hannibal vor denThoren" schwand nie aus der Erinnerung. Wechselnde Empfindungenmögen das Herz des punischen Feldherrn erfüllt haben, als er, vonnur wenigen Begleitern umgeben, an den Mauern Roms entlang ritt.

Denn das durfte er sich nicht verhehlen: Rom war nur gedemütigt, nichtbesiegt, und der Zweck des Zuges, dem bedrängten Capua Rettung zuschaffen, wurde nicht erreicht. Ein Teil des Belagerungsheeres genügte,um in Verbindung mit anderen Truppen Hannibal zum Rückzug aus derverwüsteten Umgegend der Hauptstadt zu nötigen, an den anderen Teilunter Cn. Fulvius Flaccus mußte sich das ausgehungerte, zwieträchtigeCapua ergeben. 28 Senatoren starben durch eigene Hand, 53 durch das vann»sBeil des Henkers; die Bürger wurden zu Sklaven gemacht und fremdeAnsiedler mit ihrem Eigentum beschenkt; Capnas Schätze wanderten nachRom, alle Rechte wurden vernichtet, und römische Präfekten geboten seit-dem unumschränkt in der verödeten Stadt. Ein ähnliches Schicksal hattenAtella, Calatia und andere Städte Campaniens. Damit war HannibalsPlan, Rom durch seine eigenen Bundesgenossen zu überwältigen, zerronnen;der Sieg, den er bald nachher zum zweiten Male bei Herdonea in^°s,"f^Apulien davontrug, vermochte den Fall der übrigen Bundesstädte nicht "°u°»szu verhindern. Im folgenden Jahre fiel auch Tarent wieder in die 20 sGewalt der Römer. Q. Fabius Maximus, dem es durch List undVerrat gelungen war, in die von Karthalo heldenmütig verteidigte Stadteinzudringen, weihte sie der Plünderung und führte 30000 Einwohnerals Sklaven und 70000 Pfund Goldes und Silbers als Beute weg.

Tarents Eroberung war die letzte Waffenthat des alten Feldherrn; erstarb bald nachher im sicheren Gefühle des endlichen Sieges seiner Vater-stadt. Der durch Tarents Schicksal hervorgerufene Schrecken brachtebald alle abgefallenen italischen Völker wieder unter die Herrschaft derRömer, und Hannibals Lage ohne Geld, Truppensendungen und Zufuhrwurde mit jedem Jahre schwieriger. Damit neigte sich Hannibals Feld-zug in Italien immer mehr seinem Ende zu trotz der gewaltigen An-strengungen, die der „libysche Löwe" unternahm, um das Glück sich dienstbarzu machen. Mit dem Falle Capuas war die Hoffnung auf eine bewaffneteErhebung der Jtaliker zu nichte geworden; mit dem Falle Tarents schwandauch die letzte Aussicht, daß die zaudernde Politik Philipps von Make-donien sich zum Eintreten für Karthago entschließen würde. Die römischenPosten zogen sich immer enger und enger um das Gebiet, das Hannibalbesetzt hielt, zusammen, und auch seine letzten Verbündeten, die Bruttier,