Band 
Erster Band.
Seite
401
JPEG-Download
 

H 19S. Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mittelmeergroßmacht (366—133). 401

Sena herbei, ehe Hannibal von dessen Ankunft Kunde erhalten, da dieRömer alle Boten aufgefangen hatten; nur eine kleine Abteilung unterdem Reitergeneral Mago schlug sich zu Hannibal durch. In Hasdrubalsblutigem Haupte, das der zurückgekehrte Konsul in das feindliche Lagerschleuderte, erkannte der gebeugte Feldherr, dem nun jede Hoffnung aufHilfe geschwunden war, Karthagos Verhängnis. Im Unglück entfalteteindes Hannibal die wahre Größe seines Feldherrntalents; ohne Hilfe vonaußen, ohne Bundesgenossen in Italien hielt er sich mit dem Reste seinesHeeres noch etliche Jahre in der Gegend von Kroton im bruttischenLande gegen den übermächtigen Feind. Mittlerweile schlug Scipio die^M"^karthagischen Feldherrn Hasdrubal, Gisgos Sohn, und Mago zum zweitenMale bei Bäcula, eroberte Gades, das letzte Bollwerk der Karthager,und kehrte sieggekrönt und beutebeladen nach Rom zurück, wo er durch dieGunst des Volkes das Konsulat erlangte. -Hasdrubal kehrte nach Karthagozurück, Mago ging nach Genua, um von dort aus Hannibal zu unterstützen.

Scipios thatendürstende Seele sand in der Hauptstadt, wo er vielemächtige Gegner, vor allem im Senate hatte, die ihm die durch seine Krieg-führung in Spanien für Rom heraufbeschworene Gefahr nicht verziehen,keine Ruhe. Als der behutsame Senat den Plan eines Feldzugs in Afrikanicht billigte, schlug Scipio, zum Statthalter von Sicilien ernannt, 205in Syrakus ein Werbelager auf und setzte dann, als viele Freischarenund namentlich die bei Cannä geflohenen (8 193 ) und nach Wiederherstellungihrer Ehre begierigen römischen Krieger sich bei ihm eiugesunden undviele Städte ihn durch freiwillige Beiträge mit allen Bedürfnissen aus-gerüstet hatten, von Lilybäum aus über das Mittelmeer. Ein kurz vor-her von ihm ausgeführter Überfall auf Lokri, durch den diese wichtigeGriechenstadt in die Hände der Römer kam und nunmehr diesen als Aus-gangspunkt gegen die Armee Haunibals diente, erhöhte seine Zuversichtund das Vertrauen seiner Anhänger. Nach der Landung setzte sich Scipio 201zunächst in der Nähe von lltika fest und suchte durch Eroberung dieserStadt einen festen Stützpunkt für seine Operationen zu gewinnen. Alsdies nicht gelang, errichtete er östlich aus einer Halbinsel ein Standlager,das noch zu Cäsars Zeit als Oastra Oornalmna bekannt war.

Hier kam ihm der numidifche König Masinisfa zu Hilfe, der unt-rwer-ehedem in Spanien aus feiten Karthagos Wider Scipio gestritten hatte, numidiensdann aber die Partei wechselte, als ihn sein gegnerischer Nachbar Syphaxvon Westnumidien seines Reichs (und seiner schönen karthagischen BrautSophoniba, der Tochter von Hasdrubal, Gisgos Sohn) beraubt und zurFlucht in die Wüste getrieben hatte. Unweit lltika steckten die Römer so»bei einem nächtlichen Überfall die aus Schilf- und Strohzelten und hölzernenHütten bestehenden Lager der Numidier und Karthager in Brand undbrachten den vereinten Feinden eine große Niederlage bei. In einem zweitenGefecht auf den „großen Feldern" fiel Karthagos treuer BundesgenosseSyphax in die Hände des Siegers und mußte als Gefangener nach RomAvh°k.undwandern. Seine Gattin Sophoniba hoffte vergebens durch eine eilige (S°pho-Vermählung mit Masinisfa der Rache der Römer zu entgehen; mit Aus- °

lieferung bedroht, zog sie vor, den Giftbecher zu trinken, den ihr Mast-nissa selbst reichen ließ.

Nach solchen Schlägen beruhte Karthagos letzte Hoffnung auf den in KanalsItalien stehenden Heeren, an die daher dringende Botschaft erging. Wie

Weber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. I. 26