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Erster Band.
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Z 199. Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mittelmeergroßmacht (366—133). 409

erraten. Die niedrige Schmeichelei und kriechende Unterwürfigkeit derfremden Könige und Gesandten erzeugten in dem Senat die tiefste Ver-achtung gegen die griechisch-morgenländische Welt. Als König Prusias II.in den Senat geführt ward, fiel er auf sein Antlitz und huldigte „denrettenden Göttern". Kein Wunder, daß die Römer von der Zeit an inihrem Verfahren gegen fremde Fürsten und Staaten alle Rücksicht bei-seite setzten. Den bezeichnendsten Ausdruck für dieses übermütige Be-nehmen giebt das Auftreten des barschen C. Popillius Länas gegen den auseinem Feldzug wider Ägypten begriffenen syrischen König Antiochos IV.Epiphanes (Z 147). Der römische Abgesandte überreichte ihm einSchreiben, worin ihm der Senat Frieden mit Ägypten gebot. Als Auti- issochos nach dem Lesen antwortete, er wolle sich mit seinem Rate darüberbenehmen, zog der Römer mit einem Stab einen Kreis um den Königund sagte, ehe er diesen verlasse, müsse er ihm seinen Entschluß kund geben.

Bestürzt über ein solches Verfahren, antwortete Antiochos, er wolle thun,was der Senat für gut finde.

So trieb denn in dem unglückseligen hellenischen Osten alles darauf Frunds«^hin, die früher freien Staaten in von Rom abhängige Provinzen zu ver- Röm«wandeln. Nicht das Genie der leitenden römischen Beamten aber war es,was das neue Großreich formen half, sondern der konsequent harte Charakterdes römischen Volks. Mögen die Unterworfenen im Orient noch so ver-ächtlich gewesen sein, eine so schonungslose Unterdrückung seitens derrömischen leitenden Kreise hatten sie nicht verdient. Es wurde zwar inrömischen vornehmen Kreisen viel von Humanität und Edelsinn gesprochen;einzelne Mitglieder mögen sie auch empfunden haben; aber die römischeOrientpolitik war von diesem Vorwurf frei. Nach der NiederwerfungMakedoniens und Griechenlands wagten es nur noch barbarische Völker,die Roms Macht nicht kannten und selbst nichts zu verlieren hatten,ernstlich zu widerstehen. Alles aber, was Kulturstaat hieß entlang demOststrande des Mittelmeeres, wand sich in den letzten Todeszuckungender sterbenden Freiheit und Selbständigkeit. Dabei lief die Politik derRömer anfangs darauf hinaus, diese Staaten nur auszunutzen, nicht zu-gleich auch Wichten für sie zu übernehmen. Jedoch war das Streben derRömer, überall die Welt unter ihre Suprematie zu beugen, aber die be-siegten Kleinstaaten nicht ihrem Reiche einzugliedern, Herren der Welt zusein und doch nichts für sie thun zu wollen, auf die Dauer nicht durchzu-führen. Die neugebildeten Kleinstaaten im Orient erwiesen sich eben alsnicht lebensfähig. Dazu kam die wachsende Begehrlichkeit der römischenKaufleute, die, mit dem politischen Vorteil ihres Vaterlandes nicht zu-frieden, die neu gewonnenen Territorien auch wirtschaftlich auszubeutenstrebten. Das war am ehesten möglich, wenn die östlichen Handelsstädtevernichtet wurden und aus den Klientelstaaten neue Provinzen entstanden.

Dann waren die Konkurrenten beseitigt und bei der Art der römischenSteuererhebung durch Pächter (8 189) bot sich ihnen ein reiches Feld fürergiebigen Gewinn.

So wurde die bisherige Klientelpolitik durch eine Einverleibungs-^AAUxPolitik ersetzt, zu der die Schwäche der Kantonstaaten geradezu aufforderte.

In Makedonien, wo das Volk von jeher an die königliche Gewaltgewöhnt war und die neue republikanische Ordnung keinen Anklangfand, erhob neunzehn Jahre nach der Schlacht bei Pydna ein angeblicher