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Erster Band.
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Z 199. Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mittelmeergroßmacht (366—133). 411

Leidenschaften der unteren Volksklassen. Man schalt auf Rom, schmähtedie Botschafter, und erklärte den Krieg an Sparta. Da erteilte der Senatdem noch in Makedonien weilenden Metellus die Weisung, gegen denachäischen Bund mit den Waffen vorzugehen. Metellus besiegte die unterKritolaos gegen ihn anrückenden Achäer in zwei Schlachten bei Thermo-pylä und bei Skarpheia in Lokris, mußte aber die Vollendung desKriegs seinem ungebildeten Nachfolger L. Mummius überlassen, dernach dem Sieg bei Leuko Petra am Jsthmos auf Befehl des Senats,der von den römischen Kaufleuten beherrscht wurde, das reiche Korinth^ZZAerstürmte und zerstörte und den Wiederaufbau der Stadt mit einem ^Fluche untersagte. Die Einwohner von Korinth wurden erschlagen oderin Knechtschaft abgeführt, die Kunstschätze teils zerstört, teils verkauftoder nach Rom gebracht; damit war für die römischen Kaufleute die Kon-kurrenz dieser alten Handelsstadt beseitigt. Der Feldherr Diäos vonMegalopolis, der dem bei Skarpheia gefallenen Kritolaos im Strategen-amt nachgefolgt war und durch seine blinde Überhebung das letzte Unglückverschuldet hatte, nahm sich das Leben durch Gift. Griechenland wurdeals ziuspslichtiges Land unter Roms Hoheit gestellt und dem Statthaltervon Makedonien untergeordnet; erst später (um das Jahr 30 v. Chr.)ist es unter dem Namen Achaja in eine besondere Provinz verwandeltworden.

Fortan schalteten die Ruten und Beile des römischen Prokonsuls auch in^A^xGriechenland. Doch wurde das hellenische Volk mit größerer Milde undSchonung behandelt als die Barbaren in anderen Ländern; die heimischenGesetze und Einrichtungen blieben bestehen, die Besteuerung war nicht drückendund diente nur zur Erhaltung der inneren Ruhe und Ordnung; das Gemeinde-leben wurde besser geordnet, indem die Römer die demokratischen Städte-verfassungen beseitigten und die Verwaltung einem aus den vermögenderen Ge-meindebürgern gebildeten Rat in die Hände gaben. Bei diesem Organisations-werke leistete Polhbios seinem Vaterlande manchen trefflichen Dienst und suchtedas schwere Unglück, das er nicht hatte abwenden können, so viel als möglichzu mildern. Daß sich Griechenland trotz der großen Ruhe, die nunmehr ein-trat, nicht wieder zu erheben vermochte, lag nicht minder in der eintretendenVerarmung und Verödung des Landes als in dem ganzen griechischen National-charakter. Dem Hellenenvolke war der alte hellenische Sinn entschwunden. Sohatten die Philhellenen unter den Römern den Versuch, das Land ihrer Idealefrei zu machen, ausgeben müssen, und aus dem Freunde ward der Unter-than. Wenn auch die harte römische Politik große Schuld am Gange derEreignisse tragen mochte, der Vorwurs kann den Hellenen nicht erspartbleiben, daß ihre immer von neuem bewiesene llnsähigkeit, bestehenden Ver-hältnissen sich anzupassen, sie zum Abgrund riß. Jedoch sollten sie in derFolge ihre politischen Herren gar bald aus allen geistigen Gebieten zu ihrentreuesten Dienern und Nachahmern heranziehen und somit das auf idealemGebiete sich wieder erobern, was ihnen die Politik versagte, und der römischeDichter spricht nur die Wahrheit aus, wenn er sagt, daß das unterworfeneHellas den Sieger überwunden habe.

Nach diesen Erfolgen spannen sich die Maschen des Netzes immer enger umdie Kleinstaaten des Orients, die ihr Heil, ja ihre Existenz allein aus der °si°»Gunst Roms beruhen sahen. Durch kluge und weitausgreifende Politik gelanges den Römern fast ohne Schwertschlag, sich der Westasiatischen Kleinreiche nachund nach zu bemächtigen und aus ihnen die Provinz Asien zu bilden, derenGrenzen ganz ällmählich aber unaufhaltsam nach Osten rückten, und die eineselbst für die Beutel der römischen Optimalen unerschöpfliche Fundgrube zu