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Erster Band.
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H 200. Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mittelmeergroßmacht (366—133). ^1Z

Masinissa, von der herrschenden Gesinnung in Rom unterrichtet unddes römischen Schutzes versichert, vergrößerte fein Gebiet auf Unkosten Karthagoder Nachbarn, riß unter dem Vorgeben alter Rechte und Ansprücheeine Menge Ortschaften und blühender Landstriche, vor allem die so-genannten Empörten an der kleinen Shrte, an sich und reizte dieKarthager durch fortwährende Grenzstreitigkeiten und ungerechte Über-griffe so sehr, daß sie zuletzt, als das schiedsrichterliche Urteil der Römerstets zu Gunsten des befreundeten Numidiers ausfiel, auf Anregung derPatriotenpartei, namentlich des Feldherrn Hasdrubal, zu den Waffengriffen und ihr Gebiet verteidigten. Dies galt in Rom als Friedensbruchund gab die willkommene Veranlassung zu einer Kriegserklärung. DieKarthager flehten um Schonung. Sie boten die vollständigste Unterwerfung A»e°-ns-an und lieferten auf Verlangen zuerst 300 angesehene Geiseln, dann ihreWaffen und alle Schiffe aus. Als aber der Ausspruch erfolgte, Karthago solleniedergerissen werden und den Einwohnern nur vergönnt fein, sich usmindestens zwei Meilen vom Meer entfernt aufs neue anzusiedeln, dabeschlossen sie, sich lieber unter den Mauern ihrer Häuser zu begraben,als den geliebten Boden der Vaterstadt und „die altgewohnte teure Meeres-heimat" aufzugeben. Denn dem antiken Menschen galt der eigentlicheMittelpunkt des Vaterlands in noch weit höherem Maße als uns fürdas höchste Lebensgut: hier ruhten die Ahnen, hier wohnten die Götter;der Patriotismus war den Alten ein Teil ihrer Religion. Und darausvermag man die Zähigkeit zu verstehen, mit der die Punier den geliebtenBoden bis zum letzten Atemzug verteidigten. Eine furchtbare Wut erfaßtedie Volksmenge. Sie vergriff sich an den Beamten, die zur Auslieferungder Geiseln und Waffen geraten hatten, sie tötete die Botschafter, die dieSchreckenskunde überbracht hatten, sie zerriß die in der Stadt weilendenJtaliker. Bald richtete sich die Wut gegen den äußern Feind und fülltealle Stände und Geschlechter mit kühner Entschlossenheit und mit demVorsätze einer todesmutigen Verteidigung. Die Stadt glich einem Kriegs-lager ; die Tempel wurden in Werkstätten verwandelt, wo Tag und NachtWaffen und Schilde geschmiedet, Wursgeschütze bereitet, Maschinen gezimmertwurden. Man riß Gebäude ein, um Balken und Eisen zu bekommen;man füllte die Mauern mit Katapulten, Steinen und Geschossen, dieFrauen schnitten ihre Haare ab, um Stricke daraus zu stechten.

Solchem begeisterten Aufschwung vermochten selbst die kriegsgeübten^Zonn^-KLegionen der Römer, die von unfähigen Feldherrn geführt wurden, nichtzu widerstehen. Mehrmals zurückgeschlagen, gerieten sie in eine so be-denkliche Lage, daß sie dem durch Adoption in die Familie der Scipionen(Z 198) gelangten Sohne des Aemilius Paullus, P. Cornelius ScipioAemilianus, der allein von den libyschen Feldern Ehre heimgebrachtund bereits mehrfach Proben hohen Feldherrntalents abgelegt hatte, vordem gesetzlichen Alter die Konsulwürde mit diktatorischer Gewalt erteilten.

Dieser setzte sich in ütika, das sich ohne Schwertstreich ergab, fest,schnitt, nachdem er die erschlaffte Mannszucht im Lager hergestellt hatte,Karthago durch Mauern und Dämme zu Wasser und zu Lande von aller UfUWZufuhr ab und bewirkte dadurch, daß Hunger und Seuchen in der u?-i4sStadt zu wüten begannen. Dennoch wollten die Einwohner nichts vonErgebung hören. Hasdrubal ließ alle römischen Gefangenen auf dieMauerzinnen bringen und sie vor den Augen des Belagerungsheeres nach