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Drittes Buch: Römische Geschichte.
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grausamen Martern in die Tiefe stürzen. Endlich gelang die Eroberungnach einem sechstägigen, mörderischen Kampfe in den Straßen der unglück-lichen Stadt. C. Laelius, der Freund der Scipionen, drang an einer un-bewachten Stelle in die Stadt ein; man bemächtigte sich der Binnenhäfenund des Marktes, und nun begann der entsetzlichste Vernichtungskampf.
«roberung Die Römer mußten von den festungsartigen Gebäuden eines nach dem andern erobernar yago konnten nur dadurch zum Ziele gelangen, daß sie von Dach zu Dach oder quer überdie Straße Bretter legten und von oben herab in das benachbarte oder gegenüberstehendeHaus eindrangen, alles niederstoßend, was ihnen in den Weg kam. Die Mordgier derergrimmten Krieger und ein furchtbarer Brand brachten der Mehrzahl der Bevölkerung denTod; der Rest rettete sich auf die Anhöhe, die den Tempel des Esmun (Aeskulap) trug, undflehte um Gnade. Da ihnen das Leben zugestanden ward, erschienen sie vor dem Sieger,30,000 Männer und 25,000 Frauen, nicht der zehnte Teil der ehemaligen Bevölkerung- Nurdie Überläufer, die Scipio von der Begnadigung ausgeschlossen hatte, harrten bei Hasdrubalaus. Im Tempel des Heilgottes auf dem höchsten Felsengipfcl der Burg, wohin sich derFeldherr mit seiner Gattin, seinen Kindern und der entschlossenen Schar von Kriegernbegeben hatte, verteidigte sich der kleine Hausen noch einige Tage mit verzweifelter Toll-kühnheit gegen die anstürmenden Feinde, bis Hunger, Schlaflosigkeit und die höchste An-strengung die letzte Kraft brachen. Als der sichere Untergang winkte, verließ der Feldherr dietreuen Waffengeführten und seine Familie. Unfähig, dem Tode mutvoll ins Auge zublicken, entwich er heimlich aus dem Heiligtum und flehte fußfällig die Gnade des Siegersan. Sie wurde ihm gewährt. Da steckte die verlassene Schar den Tempel in Brand undsuchte den Tod in den Flammen; als Hasdrubals Gattin den feigherzigen Gemahl zuden Füßen des Römers erblickte, „da schwoll der Karthagerin das stolze Herz über dieseSchändung der teuern untergehenden Heimat", und mit bitterem Höhne dem unwürdigenManne zurufend, doch ja sein teures Leben sorgfältig zu schonen, tötete sie ihre beidenKinder und stürzte sich mit ihnen in die lodernde Glut. Damit war der Kampf zu Ende;im Lager herrschte Jubel und Freude, aber Scipio, der mit seinem Freund Polybios demWerke der Zerstörung zusah, vergoß Thränen der Wehmut, und der Vergänglichkeit allerirdischen Macht and Hoheit gedenkend, sprach er die homerischen Worte: „Einst wird kommender Tag, wo die heilige Jlios hinsinkt, Priamos selbst und das Volk des lanzeukundigenKönigs". In dem Schicksal Karthagos ahnte er die Zukunft der eigenen Vaterstadt.
-MA Die 50000 Gefangenen, die das Schwert verschont hatte, wurden vondem Sieger, der fortan den Beinamen des jüngern Afrikaners (^kri-ennus uunor) führte, in Sklaverei geführt und teils verkauft, teils zumlangsamen Verschmachten im Kerker verdammt. Hierauf befahl der Senat,der, wie bei der Zerstörung Korinths (ß 199), hierbei im Interesse derrömischen Kaufleute handelte, die Stadt Karthago mit den umliegendenOrtschaften dem Erdboden gleich zu machen, über die öde Stätte den Pflugzu führen und Grund und Boden auf ewige Zeiten mit einem Fluch zubelegen, „also daß weder Haus noch Kornfeld je dort entstehen möge".Ein fiebzehntägiger Brand verwandelte die stolze Beherrscherin des Mittel-meers in einen Schutthaufen, und „wo die fleißigen Phöniker ein halbesJahrtausend geschafft und gehandelt hatten, weideten fortan römischeSklaven die Herden ihrer fernen Herren". Cato und Mafinissa, dieHaupturheber dieses Jammers, sahen das Ende ihrer That nicht mehr;beide starben im ersten Jahre des Kriegs in hohem Alter. Nach Be-endigung des Zerstörungswerks wurde das unterworfene Gebiet vom Tusca-i4s flusse bis nach Thenae in die Provinz Afrika umgewandelt. DieHauptstadt dieses Unterthanenlandes ward Utica, und allmählich wandeltesich das alte Phönikierland ganz und gar in ein romanisiertes Gebiet mitbesonderer Eigenart um. Phönikische Kultur, Kunst und Wissenschaft ver-schwanden und machten römischem und späterhin christlichem Wesen Platz,doch nicht, ohne daß gewisse Eingentümlichkeiten des karthagischen Wesensim afrikanischen Latein, der afrikanischen Verwaltung und afrikanischen