416
Drittes Buch: Römische Geschichte.
Z 201.
Maximus Servilianus zu einem Frieden, worin die Lusitanier als selb-ständig und Viriathns als ihr König anerkannt wurden. Aber dieser Ver-trag wurde, wie einst der mit dem Samnitensührer in den caudinischenPässen (Z 182), gebrochen und neue Heere abgeschickt. Tapfer widerstandder lusitanische Held der Übermacht der Römer, bis auch im nördlichenSpanien das römische Heer durch einen Vertrag mit Numautia frei ge-worden war und die Übermacht hatte. Jetzt versuchte er Frieden umjeden Preis zu schließen; dadurch wurde er aber seiner Umgebung ver-dächtig, und nunmehr gelang es den Römern, durch Ränke und VerführungZwietracht und Verrat unter den Lusitaniern zu erzeugen, infolge derenViriathns von seiner nächsten Umgebung während des Schlafes in seinemZelte getötet wurde. Die Lusitanier ehrten den herrlichen Mann durcheine Totenfeier, wie sie noch nie im Lande gesehen worden war, und ver-suchten dann unter Tautamus den Kampf weiterzuführen; jedoch besaßder neue Feldherr weder das Geschick seines Vorgängers noch sein Glück.Nach einem verfehlten Vorstoße der Lusitanier gegen Sagunt wurde ihrHeer beim Übergang über den Bätis gänzlich vernichtet und das Landvöllig unterworfen. Die Provinzen des jenseitigen Spanien umfaßtennunmehr auch das bisher freie Lusitanien (Portugal nebst der spanischenProvinz Estremadura) und späterhin auch den Küstenland von Gallaecia.in"N°rd- Tast zu gleicher Zeit, doch wesentlich heftiger, tobten die Kämpfe auchspanien 143 inr „diesseitigen" Spanien, wo vor allem im Thale des oberen Duero dieedeln Keltiberer, deren Hauptstadt Numantia auf einem Felsriegellag, sich heldenmütig für ihre Freiheit schlugen. Ergrimmt über dieunerhörte Bedrückung und Grausamkeit der römischen Statthalter, die dieStädte ausplünderten, die Einwohner mordeten oder knechteten, griffen die138-133 Arevaker um Numantia znm Schwert und schlugen fünf Jahre langalle Angriffe der Römer zurück. Sie setzten einem im Abzug begriffenenHeere nach, schloffen es in einer Bergschlncht ein und erzwängen von demKonsul C. Hostilius Mancinus einen Friedensvertrag und Anerkennungihrer Unabhängigkeit. Zugleich ließen sie, durch frühere Erfahrungenmißtrauisch gemacht, alle Oberoffiziere, unter ihnen den Tribunen Tibe-rius Sempronius Gracchus (Z 206) mitschwören, weil sie sich so besserzu sichern hofften. Aber der Senat versagte auch diesmal seine Be-stätigung; er ließ den Konsul seiner Jnsignien entkleiden und, die Händeauf den Rücken gebunden, zu den feindlichen Vorposten führen, um durchdas bekannte Gaukelwerk einer Auslieferung den Bruch des Vertragszu verdecken, und gebot, den Krieg mit neuer Anstrengung fortzusetzen.Dennoch blieb das tapfere Bergvolk ungebeugt. Erst als der jüngereScipio, der Eroberer Karthagos, an die Spitze des Heeres trat und diemanms gewichene Kraft und Mannszucht ins Lager zurückführte, wurde Numan-rs» tia nach verzweiflungsvollem Kamps durch Hunger zur Übergabe gezwungen.Heldenmütig töteten sich die edelsten Bürger selbst, um den Hohn derSieger nicht ertragen zu müssen. Von dem elenden Rest, der vor denThoren erschien, las der Feldherr fünfzig der Ansehnlichsten aus, um siein seinem Triumphe auszuführen, die übrigen wurden in Sklaverei ver-kauft. Scipio (fortan auch „der Numantiner" jdiumÄutinusj zubenannt)zerstörte die menschenleere Bergstadt, deren Trümmer (unweit Soria) nochjetzt als Denkmal eines großartigen Freiheitskampses herniederschauen,und verteilte das Gebiet unter die Nachbarstädte.