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Erster Band.
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Z 262. Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mittelmeergroßmacht (366—133). 417

Damit war Spanien im wesentlichen zur römischen Provinz geworden.Nur in dem unwegsamen kantabrisch-asturischen Bergland und am Südwest-abhang der Pyrenäen bewahrten die wilden Bergstämme wie später wiedernach der Eroberung Spaniens durch die Araber (II § 58) eine viel umstritteneFreiheit, bis sie dem großen Weltreich des Augustus einverleibt wurden. Derintelligente spanische Volksstamm, der schon früh begriff, daß für ihn nurdann ein Heil zu erwarten sei, wenn er ganz im Römerreiche ausging, wurdenicht nur äußerlich, sondern auch innerlich bald ganz römisch. LateinischeLaute verdrängten immer mehr die altheimische Landessprache, römisches Wesendrang früh tief ein, die römischen Kolonien (vor allem Italien) bildetenCentren römischer Kultur, die im schnellen Siegesschritt die ganze Halbinseleroberte, so daß diese hundert Jahre später ebenso römisch war, wie Italienselbst. Damit war der Gedanke, das Mrttelmeerbecken mit einem römischenReiche zu umspannen, seiner Durchführung um ein gutes Stück näher gerückt.

Auch die noch unabhängigen Landschaften der nördlichen MeeresküsteItaliens (Ligurien, Venetien) wurden in jenen Zeiten hinzugewonnen und ebensoward die dalmatinisch-epirotische Küste, die bisher nur teilweise römisch gewesenwar, als halbabhängige Interessensphäre dem neuen Reiche einverleibt. Dazugewann Rom in langwierigen Kämpfen die Alpengrenze, indem es die nochsreien gallischen Stämme Oberitaliens einen nach dem andern unterwarf. Inder Folge ist der Gedanke, alle Mittelmeerländer zu römischen Ilnterthanen-staaten oder Provinzen zu machen, von den Römern unverrückt im Auge be-halten worden, bis er unter Augustus schließlich seine Erfüllung fand.

Schnell und ungeheuer war die Ausdehnung des Reiches während der letzten15V Jahre, und dieser Erfolg läßt sich nicht nur durch die centrale LageItaliens und den kriegerischen Sinn der Römer erklären, sondern vor allemdurch die großartige Konsequenz der politischen Ordnung und die Herrschaftder Gesetze, nicht der Menschen, die in Rom regierte. In der Zeit von 275bis 133 v. Chr. gewann sie, selbst von den eigenwilligsten Aristokraten respektiert,die Welt: die innere Geschichte Roms während des genannten Zeitraumes zeigtdie Bedingungen für die äußeren Erfolge.

L. Innere Geschichte Roms bis sZZ.

§ 202. Verfassungs- und wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung. Seit etwadem Jahre 300 (Z 185) war der Ständekamps entschieden, an Stelle desniedergebrochenen Geburtsadels führte in Rom die Amtsaristokratie derNobilität dic Regierung weiter. Die Versöhnung der Stände war die Voraus-setzung der äußeren Siege; zugleich aber brachten es die Bedürfnisse desmächtig seine Grenzen erweiternden Großstaates mit sich, daß einerseits die Be-fugnisse der Volksversammlungen immer mehr ihre Bedeutung verloren, dadem souveränen xopulus die Sachkenntnis in den zu beurteilenden Angelegen-heiten abging, andrerseits die jährlich abwechselnden Beamten, wenn auchnicht dem Rechte, so der Sache nach zu ausführenden Organen wurden. Dieeigentliche Regierung war der Senat. Solange hier die rechtlichgesinnten und menschlich denkenden Elemente die Oberhand hatten, war diesdie beste Lösung, um die uralte Stadtverfassung beizubehalten und den Staatdoch zur Weltmacht auswachsen zu lassen. Leider zeigte sich aber gar bald,schon vor dem hannibälischen Kriege, daß Hochmut und Habsucht in denReihen der Nobilität um sich griffen. Neben dem grundbesitzenden Amts-adel traten bald die Großkausleute (sguitss, Ritter) hervor; sie besondersbetrieben die Einverleibungspolitik, da jede neue Provinz auch ein finanziellesAusbeutungsobjekt darbot (ß 205). Der Gegensatz beider Gruppen der Nobilitäthatte sich schon früher öfters in der Kriegführung und auswärtigen Politik gezeigt;

Weber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Ausl. I. 27

Organi-

sation

Spaniens

Unterwer-fung deroberitali-schen Land-schaften168

Alpengrenze

154

Senat

Amtsadel

und

Geldadel