418
Drittes Buch: Römische Geschichte.
8 202 .
Finanzen
Heer
Regierungs-'.form dest, Senats
Jährliche
Beamte
seit etwa 150 überwogen die Großkaufleute (§ 198), wie die Behandlung vonKorinth und Karthago, den beiden wichtigsten Handelskonkurrenten, zeigt. ImInnern führte dieMassenhaftigkeit des Reichtums zu gewaltigen socialen Zuckungen,die schließlich den Untergang der Nobilitätsregierung und die Errichtung einesMilitär- und Beamtenstaates unter einem Monarchen herbeiführen sollten.
Das wichtigste Machtmittel, das der Senat besaß, war die ihm völligüberlassene Verwaltung und Verwendung der Finanzmittel desStaates. Obwohl die frühere Mißwirtschaft der Okkupationen (Z 169) demVolke hätte eine Lehre sein können, ließ man den Senat doch gewähren. Diesergewann, da die meisten Gelder für öffentliche Bauten verwendet wurden, damiteinen ungeheueren Einfluß auf die niederen Kreise des Volks, die zum größtenTeile aus öffentlichen Mitteln Arbeit und Lohn zugewiesen erhielten. Da derantike Mensch vom Staate auch sein materielles Wohl gefördert und gesichert zusehen wünschte, befand sich das Volk dabei wohl und sand auch seine staats-socialistischen Ansichten und Wünsche hinreichend befriedigt. Weiterhin fiel demSenat auch die Oberaufsicht über das Heer und die gesamte Verwaltung,vor allem auch die stark militärische Provinzialverwaltung zu. Erstellte den einzelnen Beamten ihre Aufgaben, er bestimmte die Dauer dereinzelnen Kommandos und die Höhe der zu verwendenden Truppenkontingente,er übte die Hoheit in Italien direkt und in den Provinzen durch seine Statt-halter (Prokonsuln und Proprätoren mit konsularischer Gewalt) aus. Darausergiebt sich ferner, daß der Senat, wenngleich ihm der Form nach nur eine be-ratende Stimme zukam, auch das entscheidende Wort in der auswärtigen Politikzu sprechen hatte; hierbei konnte die römische Kurie selbst nüchternen Betrachternals eine Versammlung von Königen erscheinen (ß 184). Ebenso griff der Senat indie Rechtspflege und den Kultus ein. Keine andere Körperschaft der Welt, nichtdie venezianischen Nobili oder das englische Parlament, haben einen ähnlichenEinfluß ausgeübt; die hohe Weisheit und politische Klugheit, mit der der Senatregierte, haben ihn zu der mächtigen Stellung gehoben, die er zwei Jahr-hunderte lang inne hatte. — Zusammengesetzt war der Senat aus den hervor-ragendsten Männern des Volkes, die entweder im Kriegsdienste oder alsBeamte des Staates sich erprobt hatten. Je mehr die Ämter sich vervielfachten,desto mehr Kenner der verschiedensten Verwaltungszweige kamen hinein. Dadas Recht der Censoren, Unwürdige zu beseitigen, nur in äußerst seltenenFällen ausgeübt wurde, war die Würde des Senators faktisch lebenslänglich.Nur den früheren Inhabern kurulischer (8 217) Ämter war es erlaubt, an derDebatte, die von dem berufenden,Beamten eingeleitet ward, teilzunehmen, undhier waren wiederum die höheren Ämter und früheren Jahre der Bekleidung fürdie Reihenfolge der Redner maßgebend. Der Vorsitzende (Konsul, Prätor,Tribun) hatte allein das Recht, Anträge zu stellen, Redner nach der Reihenfolgezuzulassen und Abstimmungen zu veranstalten. Die fungierenden Beamtenstimmten nicht mit. Der Beschluß wurde gewöhnlich als senatus auotoritasbezeichnet und erhielt erst gesetzliche Kraft, wenn der Konsul ihn zum sonatuseousullum erhob; jedoch hat niemals ein Konsul einem solchen „Rate desSenats" seine Zustimmung versagt.
Die römische Regierung stellte also den Inbegriff der Weisheit einesPolitisch hochbegabten Volkes dar. Von den jährlich wechselnden Be-amten läßt sich das Gleiche nicht sagen. Sie waren gewöhnlich mittelmäßig,oft sogar sehr ungeschickt und unbrauchbar; jedoch hielt sie alle der starkeArm und die überlegene Klugheit des Senats. Es kam wenig darauf an,wenn die Feinde die einzelnen römischen Feldherrn mehrmals schlugen, wiePhilipp und Perseus thaten; schließlich mußten sie doch der zähen Ausdauerdes römischen Senates erliegen. Die seit Gründung der Republik bestehendeEinrichtung des jährlichen Amtswechsels ließ sich nicht mehr in allen Zweigender Staatsverwaltung aufrecht erhalten; bisweilen mußten die Kommandos