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Erster Band.
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Z 203. Drittes Kapitel: Roms Aufsteigen zur Mittelmeergroßmacht (366—133). 421

anstaltet, und auf Delos war die Stätte, wo man sich jede Qualität undQuantität des vielbegehrten Handelsartikels verschaffen konnte. Die Behandlungder Sklaven, besonders in den Ackerbauprovinzen, war hart, fast unmenschlich,und führte oft zu schrecklichen Ausständen. Zweimal stand ganz Sicilien unterdem Syrer Eunus und unter Tryphon (Z 219) unter Waffen, und nur dieäußerste Härte vermochte die Aufstände zu unterdrücken. Dieselbe Sklaven-wirtschaft sollte späterhin den italischen Ackerbau überhaupt ruinieren; dennnachdem man in Italien die Kleingrundbesitzer ausgekauft hatte, fand man,daß der Großbetrieb im Ackerbau neben der Konkurrenz der südlichen Ländernicht mehr lohnte, und wandelte deshalb die fruchtbarsten Strecken in Weideum, ein Unheil, dessen Folgen heute noch nachwirken.

Freilich, zunächst hatte es den Anschein, als wenn Rom für immer das Glück und'?uxusan sich gebannt habe. Als unumschränkte Herrscherin gebot es über den Welt-markt, und wahrhaft ungezählte Reichtümer flössen am Tiber zusammen. Waskunstfertige Hände zu schaffen vermochten, fand hier verständnisvolle und willigeKäufer, die mit dem goldenen Lohn nicht kargten. Die gesamte Lebenshaltungwurde reichlicher und, wenn der verfeinernde Einfluß der Griechen nichtgewesen wäre, so würde sie auch Wohl so üppig geworden sein wie in denfrüheren Großstaaten des Altertums. Bor allem die Frauen ergaben sicheinem Luxus und einer Kleiderpracht, der ernste Zeitgenossen durch strenge Ge-setze zu steuern suchten. Die Hauswirtschaft ging ebenfalls an die Sklavenüber, und die Spezialisierung der einzelnen Dienste grenzte beinahe an das Un-glaubliche und Orientalische. Die Kosten einer vornehmen Haushaltung stiegenin das Angemessene, wie die Zahl der Luxussklaven, die ein edler Römer, dessenAhnen noch selbst hinter dem Pflug einhergeschritten waren, nötig zu haben ver-meinte. Wie begreiflich, sammelte sich der Reichtum schließlich in immer wenigerHänden an; die hohen Finanzleute setzten sich immer ungescheuter über alle weisenGesetze der Vorzeit hinweg, und die Mißstimmung der täglich sich mehrendenScharen der Armen, die bereits ihr Gut verloren hatten und auch noch umihr Recht gebracht werden sollten, wuchs von Tag zu Tag; das Gespenst dersocialen Revolution erhob immer dräuender sein gräßliches Haupt.

§ 203. Religion und Sitte. Geistige Entwicklung. Auch dort, wohinsich der Mensch flüchtet, wenn auf Erden alles versagt, vermochte der arme des OrientsRömer damals nicht mehr Trost zu finden. Seine Religion und seine reli-giösen Vorstellungen hatten sich von jeher mehr auf eine Art Rechtsverhältnis,als aus eine gemütvolle Hingabe an Gottes allmächtiges Walten gegründet.

Die alten Götter aber waren gestürzt; nur der Bauer betete noch in frommerEinfalt zu den altheimischen Gottheiten. Die Griechen konnten auch keinenErsatz gewähren, da bei ihnen die Philosophie längst die Theologie abgelösthatte, als der griechische Geist auf die Römer intensiver zu wirken begann.

Und da suchte denn das glaubensdurstige Herz so lange, bis es in demorientalischen Pantheon das zu finden glaubte, was es so schmerzlich ent-behrt hatte. Noch während des zweiten punischen Krieges wurde die „große 20 sMutter" auS Pessinus feierlich vorn „besten Mann Roms" (P. CorneliusScipio Nasica) in die Stadt geführt, und damit drang der liederliche Chbele-kult für Jahrhunderte ein. Auch die orientalischen Geheimdienste fandenWillige und begeisterte Anhänger. Die dem Italiener angeborene Neigungzu geheimen Verbindungen blühte gewaltig aus, und ihre heimlichen Aus-schreitungen erinnern so lebhaft an die heutige Camorra oder Mafia undwaren so stark, daß der Senat sich veranlaßt sah, durch ein geharnischtesGesetz (skinttus oonsultnm cks Laoobanulibus 186) dagegen einzuschreiten.

Die höheren Kreise Roms dagegen wandten sich voll Unmut von diesem D<» Kr«isTreiben ab; neben einer fanatischen Religionswut der großen Massen sehen Sci?i°mnwir die Besten Roms aus den lichten Höhen einer durch Ausnahme griechischerWeisheit geläuterten Lebensanschauung. Man darf freilich nicht Von ihnen