Drittes Buch: Römische Geschichte.
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Verlangen, daß sie ihrer Zeit so weit voraus eilten, daß sie, das stolze Römer-bewußtsein ausgebend, sich lediglich in philanthropischen Träumen gefielen;dazu waren sie zu stolz und zu praktisch. Aber erhaben über das Gemeine,was sie umgab, war z. B. das Haus der Scipionen. Ihren Freundes-kreis umschwebt in hohem Grade das, was die Alten als Humanität ansehen,d. h. das Bestreben, ein durch griechische Philosophie geläuterter, von niedrigenBeweggründen sreier und edler Römer zu sein, der griechischen Bildung imweitesten Maße teilhastig und von den uneigennützigsten Gedanken für denneuen Großstaat ersüllt; ein edles Menschengebilde, dem allerdings die Züge seinerHmnaniuit Z"t anhaften, besonders die stolze Absonderung von der Menge, die Freiheitvon allen religiösen Skrupeln und das Bewußtsein, unter dem Herrenvolke zuden Besten zu gehören; daneben aber stehen Tugenden, die nicht hoch genugangeschlagen werden können: vor allem die Geringschätzung des bloßen Ge-winnes um des Gewinnes willen und die fast kindliche Ehrfurcht vor dem,was der griechische Geist ersonnen und griechische Künstlerhand geschaffen hatte.Damit bildete dieser Kreis einen wohlthuenden Gegensatz zu der Menge desVolkes, selbst der führenden Geister. Nicht politischer Einfluß und die Machtdes Besitzes, verbunden mit der unerbittlichen Schärfe des römischen Verstandes,galten ihnen allein als das Höchste; und mit jener stillen Macht, die idealgerichtete Geister auf die, wenn auch widerwillige und niedrig denkende, Mensch-heit zu üben Pflegen, gelang es ihnen, Roms Entwicklung dahin zu beeinflussen,daß es nicht nur wie Karthago und vor ihm die asiatischen Großreiche Machtund Gold in wirrem Haufen emportürmte, sondern daß auch das geistige undkünstlerische Leben der Hellenen in tausend Fäden den Einschlag in das neueGewebe darstellte, und daß Wissenschaft und Kunst eine neue Blüte erlebten,nicht vergleichbar der alten, aber doch auch schön und unverwelklich.
Zunächst gab sich Rom mit vollem Enthusiasmus der griechischen Geistes-welt hin, und erst ganz nach und nach kamen neben der überwucherndenFülle hellenischer Erscheinungen auch bescheidene Anlange einer eigenen Litteratur,die sich nur schüchtern neben der fremden hervorwagte und sich fast ganz ansie anlehnte. Spät erst sind einige eigenartige Zweige von den Römern aus-gebildet worden. In der Kunst blieb Rom aber ganz von Hellas abhängig, vonden bescheidensten Erzeugnissen des Kunsthandwerrs für den täglichen Gebrauchbis hinauf zu den stolzesten Gebilden der Plastik und den farbenreichen Ge-mälden, die die Häuser und Höfe der römischen Paläste schmückten.
Sitten und Die durch die punischcn, makedonischen und syrischen Kriege nach Rom gebrachten Reich-tümer waren so unermeßlich, daß sie auf die Umgestaltung der Sitten und des Lebensder Römer den größten Einfluß haben mußten. Durch die Provinzialverwaltung und denWelthandel gelangten die mit der Leitung des Kriegs und der Staatsangelegenheiten be-trauten vornehmen römischen Familien (Optimalen) zu solchen Schätzen, daß sie wieerwähnt (Z 202) einen fürstlichen Aufwand machen konnten. Sie verwandelten ihre bisherigenkleinen Wohnhäuser in stattliche, mit herrlichen Gärten umgebene Paläste, erwarben sichLändereien von großer Ausdehnung (Latifundien) mit prachtvollen Landhäusern (Villen)und unterhielten Scharen von Sklaven aller Art. Um die zu einer so verschwenderischenLebensweise notwendigen Geldsummen zu erlangen, war man in der Wahl der Mittel nichtpeinlich; daher die fortwährenden Klagen über Korn- und Geldwucher, Lieserantenbetrug,Bestechlichkeit, Habsucht und Erpressungen der vornehmen Römer. Besonders ergaben sichdie Frauen dem größten Luxus und einer übertriebenen Putz- und Kleiderpracht; als derstrenge Cato (Z 204) dem durch eine Luxussteuer Schranken setzen wollte, erregten sie einenAufstand und bewirkten dadurch die Zurücknahme des Gesetzes. Damit sank die häuslicheZucht und die alte Sitte und Ehrbarkeit. Bon den Vornehmen ging die Unmoralität undEntartung auf das Volk über. Die alte, einfache Lebensweise schwand immer mehr; diejüngere Bevölkerung zog den Kriegsdienst, der neben der Anstrengung auch Genüsse undreiche Beute brachte, den bürgerlichen Geschäften vor. Die Soldaten schloffen sich am liebstenan solche Führer an, die sich ihren Neigungen willfährig zeigten, und da diese andrerseitsder Unterstützung der in den Komitien stimmenden Bürger-Soldaten bedurften, um zuAmt und Würde zu gelangen, so sahen sie die Ausbrüche roher Leidenschaften unter ihren