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Drittes Buch: Römische Geschichte.
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der altrömischen Kriegszucht und ein mitleidloser Widersacher aller, die über dem Buhlen nachVolks- und Soldatengunst die alte Mannszucht verfallen ließen; ein gerechter, thätigerund eifriger Landwirt von sparsamer, einfacher Lebensweise, bekämpfte er die verschwen-derische, drückende und ungerechte Provinzverwaltung, die Selbstsucht und den sträflichenEigennutz der Beamten und Steuerpächter. Was aber dem Verfechter der alten Sitteund der alten Zeit so großes Ansehen und eine so bedeutsame Stellung verlieh, war seineigenes Beispiel, indem er in seinem ganzen Leben als das Muster eines römischen Guts-besitzers und Hauswirtes dastand, der als Familienvater durch gute Zucht und Haus-ordnung, als Gutsherr durch vortreffliche Landwirtschaft, zweckmäßige und wohlfeileBauten, gewinnreiche Handelsspekulationen und umsichtige Benutzung aller sich darbietendenVorteile hervortrat, dessen einfache Lebensweise und altiialische muntere Geselligkeit imvertrauten Kreise seiner Klienten gegen die verschwenderische Pracht und die vornehmeBildung seiner Gegner sehr abstach. Er ist eine der am deutlichsten hervortretenden Per-sönlichkeiten der altrömischen Zeiten, eine einseitige und nicht immer sympathische Natur.Aber konsequent durchgeführt erscheint an ihm sein Patriotismus; er hatte das unzweifelhaftrichtige Gefühl, daß das bezwungene Griechenland im Begriffe stand, den Sieger zu unter-jochen. Wie er sich gegen den wirtschaftlichen Todfeind Roms gewehrt hatte und Karthagoschließlich zu Boden rang (H 200), so suchte er auch den geistig überlegenen Nebenbuhlerim Osten niederzuhalten. Dies gelang ihm nicht. Das Rechte wäre gewesen, GriechenlandsBildung sich zu assimilieren, solange es noch Zeit war, nicht sie zu bekämpfen. CatosFehler war, daß er nur den letzteren Zweck ins Auge saßte. Auf jeden Fall aber dankenwir ihm die ersten Ansänge guter lateinischer Prosa, die noch jahrhundertelang eifrig studiertSchriften und sogar nachgeahmt ward. Erhalten ist uns die Schrift über den Ackerbau, ein" nüchterner, aber praktischer wirtschaftlicher Ratgeber. Ferner stammte von Cato das Gedichtüber die rechte Lebenshaltung, in dem er auf seinen Sohn in altrömischem Sinne einzuwirkentrachtete, und eine Anzahl Reden und Briefe, die Cicero noch las- Von hohem Wert wardie aus tiefen Forschungen hervorgegangen Urgeschichte (OriAinss, „Anfänge") Roms undder italischen Städte in sieben Büchern, worin die geschichtlichen Ereignisse nicht in Chroniken-weise Jahr für Jahr, sondern in größeren Abschnitten dargestellt waren. Das erste Buchenthielt die Sage von Roms Gründung, der Königszeit und der Vertreibung der Tar-quinier; das zweite und dritte die ähnlichen Sagen von dem Ursprung der übrigen italischenGemeinden und deren Eintritt in die römische Eidgenossenschaft; das vierte und fünfte dieKriege vom ersten finnischen bis auf den Krieg mit Antiochos; endlich das sechste undsiebente die Ereignisse der letzten zwanzig Jahre des Verfassers.
Eindringen Das Eindringen des Hellenismus in Rom war aber trotz Cato nicht aufzu-griechischen HEen; vor allem gilt das von den philosophischen Anschauungen der Hellenen.Philosophie Diese zu einer erstaunlichen Fülle und Mannigfaltigkeit durchgebildeten Gedankensystemebrachten bei dem Römervolke, das an sich spekulativen Theorien abgeneigt war, aber sichdoch der Wichtigkeit des philosophischen Denkens nicht verschließen konnte, die eigentümlicheErscheinung hervor, daß sich bei ihnen weder selbst eine eigene Philosophie entwickelte, nochzunächst begeisterte Anhänger der neuen (8 155) Schulen auftraten, die konsequent und Über-zeugungstreu, wie später Lucretius (Z 240), eine bestimmte Lehre verteidigten. Als echtePraktiker nahmen die philosophisch interessierten Römer aus allen Systemen das heraus,was ihnen am besten schien, und darin kam ihnen das Verflachen der Schulgegen-Eektnus- entgegen. So entstand der Eklekticismus, der zunächst in der stoischen Schule zumVorschein kam und schließlich auch bei den Akademikern und Epikureern durchdrang. DasGemeinsame wurde hervorgehoben, und die Übereinstimmung aller (oousonsus oionium)galt schließlich als das vornehmste philosophische Gesetz. Die wichtigsten Anhänger und^8s-iio^ V^reter der bisherigen Systeme waren die Stoiker Panaetius und Posidonius (einerPosidonius der gelehrtesten Geographen und Historiker des Altertums), der Peripatetiker Andronikos135-so und der Akademiker Antiochos von Askalon. Von noch größerer Wichtigkeit wird erstdie philosophische Einwirkung der Hellenen, als die Römer anfingen, selber philosophisch zuAntiochos schreiben, und Cicero seine Werke, die ganz auf griechischen Gedanken beruhen, verfaßte (Z 240).
16b Weniger Einfluß gewann auf die Römer die griechische Wissenschaft. Wenn-
gleich überall von philosophischen Theorien ausgehend und von spekulativen Elementen durch-setzt, fand diese doch immer mehr den Weg zur reinen Anschauung und zu den uns noch ge-läufigen allgemein wissenschaftlichen Methoden. Die Ausbreitung über alle Wissensgebietewar dabei ungeheuer groß, und die Bibliotheken von Alexandria und Pergamon konnten sichgetrost mit den modernsten Sammlungen messen. Zunächst schätzten die Römer diesen un-erschöpflich fließenden Quell keineswegs nach seinem Werte; kaum, daß sie die geschichtlichenund geographischen Meisterwerke beobachteten. Ja einer der bedeutendsten Griechen, Polybios,