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Erster Band.
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8 205.

Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—30).

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mußte jahrelang um der Staatsraison willen in römischem Gewahrsam schmachten (Z 199).

Dieser große Geschichtschreiber, einer der tausend edlen Achäer, die als Geiseln nach Romwandern mußten, benutzte seinen siebenzehnjährigen Aufenthalt im römischen Reich und dieFreundschaft des jüngern Scipio Africanus, um den Stos zu seiner großen Weltgeschichtein 40 Büchern, vom ersten punischen Kriege bis zum Falle Karthagos und Korinths, zusammeln. Zu dem Zweck unternahm er große Reisen nach Spanien, Gallien und Afrika,nach Rhodos, Kleinasien und Ägypten. Nachdem er in einer Buch l und II umfassendenEinleitung den ersten punischen Krieg und die Begebenheiten in Afrika, Italien und Griechen-land während dieses und des hannibalischen Krieges kurz und klar dargestellt hat, verfolgt erin Buch III bis XXX den Plan, zu zeigen, wie, wann und wodurch alle bekannten Teileder Erde unter die römische Herrschaft gekommen sind. Die zehn letzten Bücher umfaßtendie Geschichte der kriegerischen Bewegungen und Aufstände, an denen er selbst teilnahm,und schilderten die römische Politik, um der Nachwelt zu beweisen, wie dieser Großstaatdurch seine streng methodische Staatskunst, durch die Vortrefflichkeit feiner Einrichtungen,durch die klare, feste Willenskraft und den praktischen Verstand seiner Lenker zur Herrschaftder Welt gelangte, und daß das Heil der Böller nur in ihrer Vereinigung mit diesem,

„dem schönsten und zugleich nützlichsten Werke des Schicksals", bestehe. Polybios selbstnennt seine Geschichte eine „pragmatische", weil er im Gegensatz zu den Annalisten sichnicht mit der Aufzeichnung der Thatsachen nach der Zeitfolge begnügt, sondern den inneren Geschicht-Zusammenhang des geschichtlichen Herganges nachzuweisen sucht, auf die Ursachen zurückgeht, schreib»»»durch welche die Begebenheiten vorbereitet und herbeigeführt werden, auf die sie begleitendenUmstände und deren Folgen Rücksicht nimmt und dabei nicht nur Handlungen beurteilt,sondern auch die Handelnden charakterisiert. Fehlt auch seiner Schreibweise und SpracheSchwung und Reinheit, so sind dafür Klarheit, Scharfsinn, gesundes Urteil, tiefe Einsichtin die Staats- und Kriegskunde, Unparteilichkeit und große Wahrheitsliebe die Vorzüge,die ihn zu einem der bedeutendsten Schriftsteller des Altertums machen. Ein Staatsmannwie Thukydides, besitzt Polybios nicht die tiefinnerliche Vaterlandsliebe des attischen Histo-rikers, und der „weltbürgerliche" Standpunkt beraubt seine Geschichtsanschauung dernationalen Färbung. Vermittler zwischen dem Hellenen- und Römertum, „blickte Polybiosin den Abendschein der alten und den Mittagsglanz der neuen Sonne, dort mit Wehmut,hier mit bewundernder Ehrfurcht"; dabei war er nicht frei von einer gewissen Bitterkeit, weiler fühlte, „daß er den Römern ein Fremder, seinen Landsleuten ein Abtrünniger blieb, unddaß er mit seiner großartigen Auffassung der Verhältnisse mehr der Zukunft als derGegenwart angehörte". Von diesem großen Geschichtswerke, dem Vorbilde der neuerenHistoriographie, besitzen wir nur die fünf ersten Bücher ganz und von den übrigen Bruch-stücke. Eine Fortsetzung seiner Arbeit schrieb Poseidonios aus Apamea (geb. 135 v. Chr.).

Noch geringer waren die Einflüsse der Hellenen auf dem Gebiete der exakten AHAeWissenschaften. Wenn schon Polybios keinen lateinisch schreibenden Nachahmer fand schaftsirund der einzige große römische Geschichtschreiber der republikanischen Zeiten geblieben ist,so ließ in den exakten Wissenschaften das Herrenvolk die verachteten Griechen ganz alleinarbeiten. Das Wissen und Wissenlernen war nur eine untergeordnete Arbeit, zu der sichdie Römer erst dann ernstlich bequemten, als die Kaiser und der Militärstaat ihnen dieSorge um die Politik, die ihnen bisher alles galt, für immer abnahmen.

Viertes Kapitel.

Die socialen «nd politischen Kämpfe bis zum Ende derRepublik (133-30).

7^. Die Reformversuche der Gracchen ((33—(2().

Z 205. Die sociale Lage Roms. Trotz der Reihe beispielloser Erfolgewar im Innern die Lage allmählich bedenklicher geworden. Nach den mühe-losen Erwerbungen der reichen Provinzen im Osten und Süden bot dasneugewonnene Gebiet im Westen und Norden dem römischen Volke langedas nicht, was es erwartete und brauchte. Die in Z 202 geschilderte wirt-schaftliche Entwicklung nahm nach dem Abschluß der Eroberungen in