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Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—30).
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einzelnen Völkerschaften mehrmals vergeblich Klagen über Erpressung, Treu-bruch und Gewaltthätigkeiten der Landvögte und Beamten; ihre Vorstellungenfanden aber kein Gehör, ihre Beschwerden keine Abhilfe. Nur wenn dieBedrückungen und Rechtsverdrehungen so himmelschreiend waren, wie beiVerres, dem Peiniger SicilienS, da gelang es Wohl einem geschickten Anwalt,wie Cicero, die Bestrafung des Frevlers durchzusetzen (§ 240).
Die Optimalen bekleideten aber nicht nur alle staatlichen Ämter und schlössenahnenlose Neulinge (bominss novi) ohne Rücksicht auf Verdienst und Talentvon den Ehrenstellen aus, sondern waren auch im Besitz des Ackerlandes,indem sie sich wieder den Alleinbesitz des Gemeinlandes (agsr xubliens)zugeeignet und die kleinen Bauernhöfe durch Kauf, Wucher, Ränke, ja selbstmit Gewalt an sich gebracht hatten. „Nach der Willkür einiger (sagt Sallust)wurde im Krieg und daheim verfahren. In den Händen dieser befanden sichdie Staatskasse, die Provinzen, die Staatsämter, Ruhm und Triumphe; dasVolk wurde durch den Kriegsdienst und durch Mangel gedrückt; die Kriegs-beute nahmen die Feldherrn mit einigen wenigen für sich hinweg. Unterdessenwurden die Eltern oder die noch zarten Kinder der Soldaten, je nachdem sieNachbarn eines Mächtigen waren, aus ihren Besitztümern vertrieben. So brachmit der Macht die Habsucht ungezügelt herein, schändete und zerstörte alles,achtete nichts mehr, hielt nichts für heilig, bis sie sich selbst zu Grunde richtete."Der Stand der freien Ackerbauer, auf dem Roms alte Kraft beruhte,verschwand nach und nach fast gänzlich, so daß nur noch ein besitzloser, durchFremde und Freigelassene erweiterter, träger und käuflicher Bürgerstand neben demmit unermeßlichen Reichtümern prunkenden Gefchlechteradel vorhanden war.Auf dem Flächenraum, der früher hundertundfünfzig Bauernsamilien ernährthatte, lebte jetzt eine einzige reiche Familie mit fünfzig größtenteils unver-heirateten Sklaven. „Es konnte auf dem Markte der Hauptstadt laut gesagtwerden, daß die Tiere ihr Lager hätten, den Bürgern aber nichts gebliebensei als Licht und Luft, und daß die, welche die Herren der Welt hießen, keineScholle mehr ihr eigen nannten." Solange die Vornehmen ihre Ländereiendurch Klienten bebauen ließen, übersah man den Übelstand, weil der verarmteLandmann doch noch als Tagelöhner sich und seine Familie ernähren konnte;als sie aber mit unedler Habgier die Besorgung ihrer Güter Sklaven über-trugen, den geringen Häusler dadurch von seinem Gütchen trieben, daß sieden Wert seiner Landesprodukte durch überseeische Einfuhr und durch „Sklaven-korn" so herabdrückten, daß er nicht mehr dabei bestehen konnte, und dadurchihn und seine Familie unbarmherzig dem Elend preisgaben, da regte sich inden Besseren menschliches Mitgefühl mit der harten Lage des gemeinen Mannes.Die gewaltigen Sklaoenausstände in Sicilien (Z 202) mußten das herrschendeVolk belehren, welchem Abgrund es zueilte; der ständige Abfluß der freienBevölkerung vom Lande und die bedrohlich sinkende Volkszahl war ein sehrernstes Symptom für jeden, der sehen wollte und es mit dem Vaterlande gutmeinte. Und bald zeigten sich Vorschläge, die dem drohenden Zusammenbruchvorbeugen wollten.
Es gab drei Möglichkeiten, den schnell alternden Staat zu regenerieren;da sich nichts Neues und für die Jtaliker Wertvolles erobern ließ, so mußteman entweder das vorhandene Gemeindeland austeilen oder die besitzloseProletariermasse in andern Ländern ansiedeln, oder die gesamten Bundes-genossen in das römische Volk aufnehmen. Gegen alle drei Wege sträubtensich die Betroffenen. Das einmal okkupierte Gemeindeland wollte die Aristokratieebensowenig herausgeben wie drei Jahrhunderte vorher; und sie war in weitbesserer Position als zur Zeit der licinischen Gesetze (Z 178), da das Systemder erworbenen Rechte aufgekommen war und es sich außerdem als sehr schwerherausstellte, Privateigentum und okkupiertes Gemeindeland zu trennen. Fernerlag dem hauptstädtischen Pöbel in der Regel nichts daran, wieder auf das Land
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