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Drittes Buch: Römische Geschichte.
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zurückzuwandern. Es war weit süßer, auf dem Forum faulenzend zu regieren,d. h. sich von der Nobilität durchfüttern zu lassen, als im Schweiße des An-gesichts feinen Acker zu bauen. Damit war auch der zweiten Möglichkeit, diehauptstädtischen Proletarier in andern Ländern anzusiedeln, ihr Urteil gesprochen:der eivis Romanus, der oft kaum die durchlöcherte Toga, die er trug, seinnannte und abends keine Stätte hatte, um sein Haupt niederzulegen, warviel zu stolz, um in fremdem Lande sich anzusiedeln und damit auf eine Stufemit den verachteten Provinzialen hinabzusteigen. Der dritten Möglichkeitnäher zu treten und die italischen Bundesgenossen zu Römern zu machen,waren die Römer auch nicht geneigt; denn das Bürgerrecht war für sie eineQuelle des Erwerbs und Lebensunterhalts: je größer aber die Zahl derBürger wurde, um so weniger vermochte der einzelne sich geltend zu machen.So war denn die Aussicht auf Erfolg für die Reformpartei sehr gering.Trotzdem ließ sie sich nicht abschrecken; als echte Idealisten suchten sie demwohlerkannten Grundübel des Römerstaats entgegenzutreten, wenngleich sie selbstvon denen, denen sie helfen wollten, keinen Dank zu erwarten hatten.
§ 206. Die Reformversuche des Tib. Gracchus. Es hätte WohlA-Milianus einen Mann gegeben, der der Not seines Volkes steuern konnte, ScipioAemilianus, dessen Stirn unverwelklicher Lorbeer umgab, und dessenWandel rein von den schmutzigen Fehlern seiner Standesgenossen war.Aber er vermochte sich nicht zu dem Reformwerk zu entschließen, daer das Heilmittel für gefährlicher hielt als das Übel selbst. Er hattezwar geholfen, das gabinische und das kassische Gesetz (139 und 137)durchzuführen, und dadurch die öffentlichen Abstimmungen in den Wahlenund in der Rechtspflege in geheime umzuwandeln, aber weiter beteiligte ersich nicht. Er mochte Wohl einsehen, daß das, was er that, dem ganzenVolke aufgezwungen werden mußte und die Heilung doch so zweifelhaftwar, daß er lieber von dem Unternehmen abstand. Doch was der Mannzu unternehmen für aussichtslos hielt, das wagte ein edler Jüngling,Bacchus Tiberius Sempronius Gracchus. Er stammte aus einem vor-166 -iss nehmen edlen Geschlecht und stand in seiner ganzen Lebensauffassung demScipionenkreise sehr nahe. Seine Mutter, die hochherzige Cornelia, wardes großen Afrikanus Tochter und ist für alle Zeit zum Idealbild eineredlen römischen Frau geworden, die ihr Bestes in der trefflichen Erziehungihrer Söhne suchte. Auferzogen in den Gedanken antiker Humanität, diedas Wohl des eignen Volks für das Höchste erachtete, und genährt angriechischer Philosophie, trat Tib. Gracchus an feine große Aufgabe heran.Von den beiden Hauptwegen, die römische Bauernschaft durch Landaufteilungenzu regenerieren oder durch Aufnahme der Latiner und italischen Bundes-genossen in die römische Vollbürgerschaft dem Staate ungebrochene undfrische Kräfte zuzuführen, schlug er den ersteren ein; der zweite war seinemBruder Gajus vorbehalten.
Als Tiberius feine Laufbahn begann, im spanischen Kriege (H 201),lernte er gar bald die Fäulnis kennen, an der die römische Verwaltungund damit der ganze Staat krankte. Heimgekehrt beschloß er sofort, dieSache des immer mehr verarmenden Volks zu der seinen zu machen, undließ sich zum Tribunen wählen. Jahrzehntelang hatte dieses Amt alleBedeutung verloren gehabt (H 202); der Senat, der eigentliche Regentdes Staates, hatte es Wohl verstanden, diese Waffe des Volkes stumpfzu machen; selbst für den Fall, daß ein Ehrgeiziger sich ihrer bedienenwollte, hatte man sich dadurch gesichert, daß man die Tribunen in das