H 209. Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—30). 441
Verwüstung nach Gallien. Unterstützt von der Zwietracht, Käuflichkeit G-r-und Unbotmäßigkeit der römischen Führer und Feldherren, vernichteten Gam-»sie in vier Jahren an der Rhone und an den Ufern des Genfer Sees fünfkonsularische Heere und verbreiteten Angst und Entsetzen über ganz Italien:die Erinnerung an die alten Keltenzüge und den Brand von Rom (8 175)ergriff die Gemüter mit angstvoller Sorge. Die römische Herrschaft hättegewankt, wenn die Cimbern nach ihrem Doppelsieg bei Arausio i»s(Orange) in der Provence durch die Alpenpforten in Italien eingerücktwären. Aber zum Glück für Rom überschwemmten sie zunächst das Ge-biet der benachbarten Gallier, versetzten deren Stammsürstentümern Stöße,die nicht verwunden wurden und damit die Eroberung Galliens durch Cäsar(Z 227) vorbereiteten, und zogen dann nach den Pyrenäen. Auch dieseNot schrieb das römische Volk der sittlichen Entartung der Aristokratiezu und rächte sich wie im jugurthinischen Krieg. Q. Servilins Cäpio, 104der vornehme Prokonsul der eben erst (121) eingerichteten (Z 208) provtueiaEs-Uta, der im Rufe stand, die Tempelschätze von Tolosa (Toulouse) mitseinen Genossen geraubt zu haben, ward mit Verbannung und Güterverlustbestraft, und Marius, abermals zum Konsul gewählt, erhielt den Ober-befehl gegen die Cimbern und Teutonen; damit er in seinen Unternehmungennicht durch den Amtswechsel gehindert werde, übertrug man ihm, wie 104 - 10 »zum Höhne gegen die Aristokratie und ihre Gesetze, fünfmal hintereinanderdie Konsulwürde. Marius rechtfertigte die Hoffnung der Volkspartei.
Während sich die Deutschen mit den Bewohnern Spaniens herum-schlugen, verstärkte er sein Heer durch handfeste Leute, die infolge des Teutonenneu eingeführten Werbeshstems ohne Unterschied der Geburt den Legioneneingereiht wurden, und schärfte die Mannszucht durch Märsche undSchanzarbeiten. Er hatte ein festes Lager an der Rhone bezogen, alsdie Feinde nach dreijähriger Abwesenheit, durch neue Zuzüge verstärkt,abermals an den Alpenpässen erschienen. In zwei Heerhaufen geteilt,suchten sie den Durchgang nach Italien zu erzwingen, die Teutonen durchdie Provence, die Cimbern vom Brenner her. Umsonst versuchten dieTeutonen und Ambrönen drei Tage lang, das römische Lager zuerstürmen; ihr wilder Mut scheiterte an der Überlegenheit der Römer imFestungskrieg und an der Besonnenheit des Feldherrn. Nach hartemVerlust entschlossen sie sich, den Sturm auszugeben und am Lager vorbeinach Italien einzurücken. Unbeirrt durch den höhnischen Zuruf, „ob dieRömer an ihre Frauen daheim keine Aufträge hätten", ließ Marius dieFeinde abziehen; dann folgte er in strengster Ordnung und brachte ihnenbeiAquüSextiä (Aix) im südlichen Gallien (Provence) eine vernichtende i »2Niederlage bei. Was nicht fiel oder sich selbst tötete, wurde in dieSklaverei verkauft. Die bei der Wagenburg harrenden Frauen mordetensich und ihre Kinder, um nicht den Römern preisgegeben zu werden.
Inzwischen waren die Cimbern und die mit ihnen verbundenenhelvetischen Stämme der Tiguriner und Tohgener durch Tirol und dasFlußthal der Etsch in Oberitalien eingebrochen, überließen sich aber hiersorglos den Genüssen, die das reiche Land bot, bis sie von Marius, dersich mit seinem Amtsgenossen Q. Lutatius Catulus vereinigt hatte,aus der Raudischen Ebene bei Vercellä eine ähnliche mörderische 101Niederlage erlitten. Tausende von ihnen fielen, noch mehr aber gerietenin Sklaverei und arbeiteten aus den römischen Feldern, und nur kleine