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Drittes Buch: Römische Geschichte.
Z 210.
Überreste suchten Schutz in den Venetischen Alpen und in den TirolerBergen, wo sich, wie man glaubt, ihre Nachkommen noch bis auf denheutigen Tag erhalten haben. — So war denn der „Cimbernschrecken"an dem alternden Freistaat ohne Schaden vorübergegangen, aber nochin späten Tagen bebten die Römer, wenn sie an den rauhen Heldenmutder riesigen Kämpfer gedachten. Sie ahnten nicht, daß dies nur dieVorhut der unermeßlichen Scharen war, die das Reich zu zerstören bestimmtwaren, und über den Leichen der Gefallenen setzten die römischen Parteienihren kümmerlichen Hader fort, indem der Demokrat Marius die Ehredes Tages für sich ansprach, die nach der Meinung der Aristokraten demCatulus gebührte. Zum Gedächtnis an die überwundene Gefahr weihteMarias vor dem capuanischen Thor einen Doppeltempel zu Ehren desHonos und der Virtus, der beiden römischen Haupttugenden.
§ 21V. Der Versuch der Volkspartei, die Senatsherrschaft zu100 stürzen. Ein sechstes Konsulat lohnte Marius, den Retter Italiens undden Stolz und die Hoffnung der Volkspartei. Unter seinem Beistand er-langten nun die Demokraten das Übergewicht und nahmen die Pläne derGracchen wieder auf. Daher verbanden sich die in ihren Rechten undBesitztümern gefährdeten Optimalen enger, um den Angriffen des Volkesund seiner unruhigen Tribunen kräftiger widerstehen zu können. Kaumhatte Marius das Konsulat angetreten, so bewirkte er durch seinen Anhang,undm"auc1a'Mtz die beiden Führer der Volkspartei, L. Appulejus Saturninus, derfeurige und beredte Feind des Senats, und sein Genosse C. ServiliusGlaucia, ein gemeiner Geselle von niederer Geburt und Denkart, abervon derber, volkstümlicher Beredsamkeit, einflußreiche städtische Ämtererlangten; jener wurde, nach Ermordung des O. Nonius, eines unbequemenMitbewerbers, zum Volkstribunen, dieser zum Prätor erwählt. Im Bundemit diesen verwegenen Männern und unterstützt von seinen ehemaligenSoldaten, betrat Marius die Bahn des C. Gracchus, indem er durchSaturninus den Antrag stellen ließ, daß man den Kriegern, die sich durchdie Besiegung der Kimbern und Teutonen um das Vaterland so große^ungen"an Verdienste erworben hätten, in Afrika, in Gallien und jenseit der Alpen, indie Soldaten den früher von den Kimbern besetzten Landschaften Rätien und Vindelicien,Ackerland austeilen und den neuen Kolonisten, also auch den Jtalikern,sämtlich das römische Bürgerrecht erteilen solle. Durch diesen Antrag, womitnoch neue Getreidespenden um einen ganz niedrigen Preis verbunden waren,wurden nicht bloß die alten Kolonisationspläne im erweiterten Maßstaberneuert, sondern auch ein weiterer Schritt gethan, um die Gleichstellung derRömer und italischen Bundesgenossen herbeizuführen. Dem Antrag wardie Klausel beigefügt, daß innerhalb von fünf Tagen nach der Annahmejeder Senator, bei Verlust seiner Ratsstelle, auf getreuliche Befolgung desGesetzes einen Eid leisten solle. Als mit Hilfe der Marianischen Soldatendie Vorschläge wirklich in der Volksversammlung durchgingen, leistetenalle Ratsherren den vorgeschriebenen Eid, mit Ausnahme des Q. CäciliusMetellus (Z 208 ), der es vorzog, die Heimat zu verlassen. Freudig sahenMarius und Saturninus den tüchtigsten Mann der Gegenpartei durchSelbstverbannung aus der Stadt scheiden.
Aber dieser scheinbare Sieg der Volkspartei war der Anfang ihrerNiederlage. Denn vor dem wüsten Toben der Pöbelrotten scharten sichalle anständig denkenden Elemente der Bürgerschaft zusammen. Außerdem