Z 211. Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—80). 445
unterblieb; die Reformvorschläge kamen nicht zur Ausführung, und dierachsüchtige Ritterschaft wütete mit Hochverratsklagen gegen alle Anhängerdes Tribunen und gegen alle Teilnehmer seiner Pläne.
8 211. Der Bundesgenossen- oder marsische Krieg (91—88). DerHßMzderTod des Drusus gab das Signal zu dem fürchterlichsten Bürgerkriege, s-noff-nder jemals Italien verheert hat. Die italischen Bundesgenossen,die mehrere Jahrhunderte lang in guten und schlimmen Tagen bei Romausgehalten hatten, hatten für ihre Treue schlechten Lohn geerntet; währenddie kräftige Jugend zum Kriegsdienst ausgehoben wurde und in den fernenProvinzen für die fremde Herrschaft ihr Blut vergoß, seufzten die Ihrigenzu Hause hoffnungslos unter den Ruten und Beilen ihrer Zwingherrenund mußten zu der Kriegs- und Steuerlast auch noch die Brutalitätder römischen Beamten ertragen. Die Hoffnung, mit den römischenBürgern auf gleiche Linie gestellt zu werden, war mehrmals in ihnen ge-weckt, aber stets wieder vereitelt worden, und jedesmal hatte die siegendeAristokratenpartei die gesetzliche Kluft zwischen Römern und Jtalikern er-weitert. Vereinzelte Aufstandsverfuche hatten mit Mord und Zerstörunggeendigt. Da warf die Nachricht von dem Tode des Drusus, der die sihervorragendsten Häupter unter ihnen zu einem Geheimbund gesammelt unddurch einen (noch erhaltenen) Eid verpflichtet hatte, „zusammenzustehen fürDrusus und die gemeinschaftliche Sache", und aus dessen Versprechungensie die größten Hoffnungen gesetzt hatten, den zündenden Funken in dengehäuften Brennstoff. Das gewaltthätige Auftreten eines römischen Prätorsim Theater zu Ausculum und seine Ermordung durch die bis aus dasäußerste gereizte Menge gab den Anstoß zu der furchtbaren Empörung der ^EuchBundesgenossen, die, „wie die Flamme durch die Steppe", in kurzem Empörungdurch die ganze Halbinsel lief. An zwei Stellen brach die Empörung zu-gleich aus. Einmal erhoben sich die völlig zu Lateinern gewordenen Sabellerund Picenter, denen mehr an der Erlangung des römischen Bürgerrechtsgelegen war, andererseits aber die oskisch redenden Samniten und die vonihnen abgezweigten Völkerschaften, die eine völlige Trennung von Romund Gründung eines neuen gänzlich freien Staates anstrebten, wie ihnihre Ahnen besessen hatten. Diese alle, die streitbaren Marser voran,kündigten den Römern den Gehorsam aus und schloffen unter der Leitungdes tapfern und klugen Q. Pompädius Silo einen italischen^uajischeBund, an dessen Spitze ein Bundesrat (Senat) mit zwei Konsulnstehen und der Corfinium im Lande der Päligner unter dem verändertenNamen Jtalika zur Hauptstadt haben sollte. Fast alle Gemeindendes unteren und mittleren Italiens folgten dem Beispiele der streitbarenBergvölker. Waffengeübte Heere unter erfahrenen Feldherrn und eine ge-meinschaftliche Kriegskasse schienen den Erfolg des Unternehmens zu ver-bürgen. Die Verfassung des sich neu bildenden Staates war in allenäußeren Formen von Rom entlehnt, blieb im ganzen die des Stadt-staates (alle Bundesgenossen erhielten Bürgerrecht in der neuen Hauptstadt),zeigte aber doch auch ein leises Hinübergreifen zum Repräsentativshstem inder Bildung des italischen Senats aus den Senatoren der einzelnen Städte.
In Rom entfesselte die Entdeckung der großen Verschwörung zunächst denHaß gegen alle Freunde des Drusus. Es wurde eine Hochverratskommissioneingesetzt, die hauptsächlich aus Rittern bestand, und eine ganze AnzahlAnhänger des Livius verbannt. Als aber der Unmut der Volksmaffen