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Erster Band.
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Z 212. Wertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—30). 447

dieser Kampf mit einem vollständigen Sieg der gracchisch-drufifchen Ideen,und alle Italiener bis zum Po standen nunmehr rechtlich einander gleich.

Wenn sich Rom nun aus seiner überlebten Stadtverfassung heraus-gewunden hätte, so hätte der Staat glücklich umgeformt werden können.

Aber der Gedanke des Repräfentativsystems lag dem Altertum noch zufern, der im italischen Senate gemachte Ansatz dazu wurde von Rom nichtaufgenommen, und so ging denn das Verderben, trotz dieser Krisis, diewohlthätig hätte wirken können, seinen Gang.

Der Bundesgenossenkrieg hatte für das römische Heer- und Staats- WirkungenWesen die nachteiligsten Folgen. Die Aufnahme der fremden Soldaten undProletarierhaufen in die Reihen der Legionen lockerte die alte Kriegszuchtund erzeugte im Heer einen Geist der Widerspenstigkeit, der oft zu denwildesten Unthaten führte. Die Kriegskosten, die nun allein den Bürgernaufgebürdet werden mußten, verursachten Verarmung und Schulden.Gläubiger und Schuldner standen einander schroff gegenüber, und je un-barmherziger die reiche Geldaristokratie die Zinsen eintrieb und die Zahlder Verarmten mehrte, desto lauter und drohender verlangte man neueSchuldgesetze, ja hie und da „neue Rechnungsbücher", d. h. die gesetzlicheVernichtung der Forderungen sämtlicher Gläubiger an sämtliche Schuldner.

Selbst unter den senatorischen Familien waren viele in zerrütteten Ver-mögensverhältnissen. Dabei wollten die Geldmänner sich durchaus nichtsvon ihren Ansprüchen abhandeln lassen; das bewies die grauenvolle Er-mordung des Prätors A. Sempronius Asellio, der zwischen Gläubigernund Schuldnern zu vermitteln gedacht hatte. Die Führung hatte damals Wdie Optimatenpartei, die mit Sulla und Q. Pompejus Rufus beide Kon-sulate besetzt hatte. Daneben wirkten die Anstrengungen des altenMarius, sich wieder an die Spitze zu stellen, fast mitleiderregend, bises ihm gelang, an dem Tribunen P. Sulpicius Rufus einen ent-schlossenen Helfer und talentvollen Verteidiger der Popularpartei zu ge-winnen. Dieser Mann hatte sich durch leichtsinniges Schuldenmachen fürimmer mit seinen aristokratischen Geburtsgenossen entzweit. Marius sollteihm nun von seinen Schulden helfen, und Sulpicius sollte dafür denMarius wieder aus Ruder bringen. Als Mittel zum Zweck sollte ihnendie Verbindung mit den Bundesgenossen und der Oberbefehl in einemKampfe und gegen einen Fürsten dienen, der den Orient den Römernwieder zu entreißen gedachte, und der seine Macht während der Bundes-genossenkämpfe außerordentlich gestärkt hatte.

8 212. Das Reich des Mithradates. Noch tobte hie und da inden Bergen und Schluchten Samniums der Bundesgenossenkrieg, da drohteden Römern vom Orient aus ein ebenso kluger als tapferer Feind,Mithradates V., König des gebirgigen Küstenlandes Pontos amschwarzen Meer. Es hatte nicht ausbleiben können, daß die Selbst-zersleischung der Jtaliker ihre bitteren Folgen in den abhängigen Provinzen^ 'zeigte; denn auch in diesen zu Boden getretenen Ländern und Völkernregte sich immer wieder aufs neue der Wunsch, von Rom loszukommenund sich von dem unerbittlichen Zwingherrn zu befreien; im Orient fehltees nur an der günstigen Gelegenheit und an dem geeigneten Führer, umdie Kräfte in eine Richtung zu lenken. Die Zeit war da und derMann ebenfalls, der es verstand, das Zeichen zu geben. Ein Römerseindwie Hannibal, suchte der sprachkundige, kriegsgeübte und abgehärtete Fürst