Band 
Erster Band.
Seite
449
JPEG-Download
 

Z 213. Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—30). 449

Piraterie gegen den Westen. Schließlich wagte er sich sogar an die eigent- Ang d-r°°liche Provinz Asien, unterstützt von allen asiatischen Hellenen, denen er sichgeschickt als Vertreter der griechischen Interessen hinzustellen gewußt hatte. ms«Die Römer machten es ihm durch ihr anmaßendes Wesen leicht, auch denSchein des Rechtes sür sich zu gewinnen, und so glich denn sein Einfall inVorderasien säst einem Triumphzug. Eine römische Heeresabteilung nachder andern ward geschlagen, bis vier römische Heere besiegt waren. In kurzem »swurde Mithradates Herr von Phrygien und ganz Vorderasien; nurRhodos und das südliche Küstenland blieb noch den Römern. Die Städtesandten ihm Boten entgegen, um „den rettenden Gott" zu sich einzuladen,und festlich gekleidet strömte die Bürgerschaft vor die Thore, ihn zu em-pfangen. Pergamon, der Sitz des römischen Statthalters, wurde feineneue Hauptstadt. Der bejahrte Prokonsul M'. Aquillius wurde bald zuFuß, angefesselt an einen raschen Reiter von dem Volksstamm derBastarner, bald aus einen Esel gebunden durch das ganze Land geführtund dann durch Eingießen geschmolzenen Goldes in den Mund getötet.

Nach der Eroberung Kleinasiens begannen aber die Schwierigkeiten, undum die Provinz Asien dauernd zu behaupten, verfiel Mithradates auf einenentsetzlichen Gedanken. Von Ephesos aus erließ er den Befehl an alle ^ "

von ihm abhängige Statthalter und Städte, an einem und demselben Eph°s«sTage sämtliche in ihrem Bezirk sich aufhaltenden Jtaliker, Freie und Unfreie,ohne Unterschied des Geschlechts und Alters zu ermorden, die Leichen denVögeln zum Fraße hinzuwerfen, die Habe einzuziehen und zur Hälftean die Mörder, zur Hälfte an den König abzuliefern. Infolge dieserAnordnung wurden achtzigtausend wehrlose Männer, Frauen und Kindermit kaltem Blute hingeschlachtet.

Aber nicht bloß in Asien bedrohte Mithradates die römische Herrschaft;^chEuÄp"schon war seine Flotte aus Delos und Euböa gelandet und hatte sich andem Kausmannsgut und an den italischen Bewohnern vergriffen; schonrückte sein Landheer von Thrakien aus in Makedonien und Thessalien ein,während seine Parteigänger die Athener, Böotier, Achäer, Lakedämonierund andere griechische Völkerschaften zum Anschluß an die pontischeBundesgenossenschast zu bereden suchten und seine Feldherren Archelaosund Aristion mit Heeresmacht in Griechenland eindrangen. Der Traumschien erfüllt; das pontische Reich mit seinen Klientelstaaten umspanntedas schwarze und das ägäische Meer. Aber die blutige Vesper vonEphesos heischte Rache. Sobald daher die Verhältnisse in den italischenLandschaften sich einigermaßen gebessert hatten, schickten die Römer neueHeere aus, um das über Nacht erwachsene orientalische Großreich zubekämpfen und zu vernichten.

§ 213. Die ersten Kämpfe zwischen Marius und Sulla. Die Jtalikerhatten dem Mithradates ihre Bundesgenossenschaft angeboten, dieser hattesie aber abgewiesen. Er sollte es bald zu bereuen haben. Denn kaumhatten die lax ilulia und lox Illautis. kaxiria, (Z 211) ihre Wirkungen ge-than, als die Regierung ernstlich gegen ihn vorzugehen begann. Vorher warfreilich noch die Frage zu erledigen, ob die Römer den Demokraten Mariusoder den Optimaten Sulla als Feldherrn senden sollten. Marius wünschtebrennend diese Stellung, um das verlorene Ansehen wiederzugewinnen;

Sulla als der Konsul des Jahres 88 hatte das bessere Recht daraus, üm

Weber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. I. 29