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Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—80).
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aber erschrak vor den flammenden Augen des Greises und vor der gewaltigen Stimme, mitder er ihm zurief: „Mensch, du erkühnst dich, den Gajus Marius zu töten?" Er warfdas Schwert von sich und stürzte zur Thür hinaus. Als dies den Beamten gemeldet wurde,erfaßte sie Scham und Reue; sie lösten seine Fesseln, versahen ihn mit den nötigen Be-dürfnissen und brachten ihn zu Schiffe nach der Insel Aenaria (Jschia). Dort vereinigtensich die noch lebenden Verbannten mit ihm und segelten nach Sicilien. Als sie am Erhx ausLand stiegen, um Wasser zu holen, wäre Marius beinahe in die Hände des römischen Quästorsgefallen. Sein Glück rettete ihn jedoch auch aus dieser Gefahr. Darauf setzten die Geächtetenihren Lauf fort und erreichten die Küste Afrikas. Marius wollte an der Stätte, woKarthago gestanden hatte, aus Land steigen, aber der Statthalter der Provinz Afrikahinderte ihn daran. Die Verbannten segelten weiter nach Numidien, in der Hoffnung,bei König Hiempsal II. eine Zufluchtsstätte zu finden. Dieser hielt sie mit Versprechungenund glatten Worten einige Zeit hin, faßte dann aber den Entschluß, sich ihrer zu be-mächtigen und sie entweder zu töten oder als Geiseln zu bewahren. Mit Hilfe einer derköniglichen Nebensrauen, die dem jüngern Marius ihre Gunst zuwendete, entgingen sie jedochauch dieser Gefahr; vom Schiffe aus erblickten sie noch die Reiter, die sie gefangen nehmensollten. Nun hielten sie sich auf der kleinen Insel Kerkina vor der tunesischen Küste solange aus, bis die veränderte Lage der Dinge in Rom ihnen die Rückkehr nach der Heimatgestattete.
Sulla hatte durch Gewalt die Ruhe in Rom hergestellt, und nun konnteer sich seiner Ausgabe widmen, den Mithradates zu schlagen. Aber nur dienächste Umgebung des Marius und die schlimmsten unter den Bundes-genossen, die durchaus von Rom los wollten, waren überwunden; dagegenwar die Popularpartei nur scheinbar zurückgedrängt. Der schlaue Cinnawartete nur aus den Augenblick, wo das Feld frei war, denn er war derUnterstützung der Kapitalisten sicher, die Sulla durch sein Zinsgesetzgekränkt hatte; die Masse der Bundesgenossen stand ebenfalls aus derSeite der Populären, die ihnen das volle Bürgerrecht zu verschaffenversprachen. Der Preis aber, den die Optimalen gegeben hatten, war sehrbedenklich; denn zum ersten Male hatte das Heer sich gegen die Beschlüssedes Volkes aufgebäumt: das schlimme Beispiel der Militärrevolntion wargegeben, und von nun an herrschten, je länger je mehr, die Generale, nichtdie bürgerlichen Politiker; von gesetzlicher Weiterentwicklung des sterbendenFreistaats kann nicht mehr die Rede sein.
§ 214. Der erste mithradatische Krieg (87—84). Nach Ordnung derVerhältnisse in Rom setzte Sulla nach Griechenland über und erstürmte nachharter Belagerung das ausgehungerte Athen, das durch ein furchtbares Anfanz 8«Blutbad für seinen Abfall büßen mußte und von dem römischen Heerevollständig ausgeplündert ward. Dann rückte er, ohne sich um dengleichzeitigen Sieg der demokratischen Partei (Z 215) zu kümmern, alleinauf sein ihm blind ergebenes Heer gestützt, nach Böotien vor undbesiegte den pontischen Feldherrn Archelaos trotz der dreifachen Über-legenheit seiner Truppenzahl in der blutigen Schlacht bei Chäronea Mrz ssso vollständig, daß kaum der zwölfte Mann sich rettete. Dennoch wardie Lage Sullas, der von keiner Kriegsflotte unterstützt ward und bei derGeldnot der Regierung nur geringe Hilfsmittel aus Rom ziehen konnte,sehr mißlich, besonders als in der Heimat die Demokraten die Herr-schaft wieder erlangt hatten und seine Unternehmungen zu durchkreuzensuchten; seine militärische und politische Überlegenheit überwand jedoch alleSchwierigkeiten.
Die demokratische Partei in Rom hatte ihn zwar geächtet und ihm indem Konsul von 86, L. ValeriusFlaecus, dem Amtsgenossen Cinnas<ß 215), einen Nachfolger gestellt, der ihn ablösen sollte. Jedoch das sullanische
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