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Drittes Buch: Römische Geschichte.
Z 217.
Charte- gedenken, nennen ihn ein blutbeflecktes Ungeheuer, dem raffiniertes Morden ein erlesener Genuß«sn u ar die andern preisen ihn als einen Staatsmann ersten Ranges, der sich nur durch sach-liche Erwägungen leiten ließ. Seit frühester Jugend hatte Sulla, mit einem riesenstarkenKörper und schnellkräftigen Geiste ausgerüstet, nur den Freuden des Daseins gehuldigt, vonallem den Schaum abgeschlürft, in allen Interessen des Tages und des hauptstädtischenLebens sich bewegt. Bon Natur Aristokrat, der aus die demokratische Kanaille tief herabsah,erblickte er des Lebens höchstes Ziel darin, nur mit wenigen seinesgleichen zu verkehren,Franenliebe und geistvolle Unterhaltung zu genießen; im übrigen ließ er den Staat seinemVerderben zulaufen. Ehrgeiz lag dieser kalten Seele fern; doch das Verhängnis desStaates riß ihn in den Strudel hinein. So frei war er von dem Streben nach Macht,daß er erst als Fünfziger sich um das Konsulat bewarb; dann aber that er seine Pflichtwie ein Mann, und die launenhafte Glücksgöttin schlang um seine Stirne unverwelklicheLorbeeren. Nach Niederwerfung des Ostens kehrte er nach Italien zurück, und als er auchhier Sieger blieb, griff dieser stolzeste der Aristokraten, als reiner Realpolitiker, der dieVerhältnisse nahm, wie sie waren, den Gedanken der Gracchen auf, die Römer und Jtalikerzu einem Volke zu verschmelzen. Daß aber, ehe dieser ideale Gedanke sich verwirklichenkonnte, erst Ströme von Blut fließen mußten, weil dem noch zu viele Hindernisseund Leidenschaften entgegenstanden, wird man nicht in Abrede stellen können. Erstmußten die Jtaliker, die von Rom los wollten, zu Boden geschlagen werden, erst mußteder hauptstädtische Pöbel lernen, daß er um nichts besser sei als jene, erst mußte die Geld-aristokratie sich vor dem allmächtigen Willen des Einen gebeugt haben, ehe der italischeGesamtstaat von dem Apennin bis zum Vorgebirge Leuca, erstehen konnte. Aus dieserAnsicht heraus wird man die Blutthaten Sullas, wenn auch nicht entschuldigen, dochbegreifen können. Und so thaten schon seine Zeitgenossen. Als Sulla, kurz nachdem erdas zweiundzwanzigste Buch seiner Denkwürdigkeiten vollendet hatte, starb, folgte ihm dieTrauer des ganzen Volkes. Auch darin trifft der öfters angewandte Vergleich mit Cromwellzu, daß er trotz seines gewaltigen und kaltblütigen Blutvergießens von Tausenden betrauertzur letzten Ruhe bestattet wurde.
Die tz 217. Die Manische Verfassung und ihre Gegner. Sullas Ächtuugs-"Gesetz/" gesetze erklärten auch die Kinder und Enkel der Verurteilten, deren Zahl sichzuletzt auf 4700 belief, für ehr- und rechtlos und für amtsunfähig. Daskonfiszierte Gut kam in die Hände der Genossen und Freunde des „Glücklichen".Sullas Ackergesetz entriß seinen Proskribierten Gegnern ihr Landeigentum undschuf für seine Soldaten Militärkolonien mit römischem Voll-bürgerrecht (in Präneste, Spoletium, Fäsulä, Volaterrä, Arretium u. a.),eine Einrichtung, die eine Menge unruhiger, kriegslustiger, jedem Machthaberdienstbarer und treu ergebener Anhänger erzog. Sullas kalt berechneter Planwar, in den Städten und Landschaften, welche es mit der Gegenpartei gehaltenhatten, die Bevölkerung zu erneuern, Geld und Gut von den bisherigen Be-Arst- fitzern aus andere zu übertragen. Den Freigelassenen wurde das un-beschränkte Stimmrecht wieder entzogen und nur die Zugehörigkeit zu den vierstädtischen Tribus gestattet; die Getreideverteilungeu an das Volk hörten eben-falls auf. Ferner umgab sich Sulla mit einer Art Leibwache, indem er 10 000handfeste und verwegene Sklaven mit der Freiheit beschenkte und sie unter demNamen Cvrnelier in die Bürgerschaft aufnehmen ließ. L- Sergius Catalina, derMörder seines eigenen Bruders und Schwagers und in der Folge der Urheber einerauf den Untergang Roms zielenden Verschwörung (Z 224), war einer der FührerB-amte dieser Leute. Auch die Zahl der Beamten wurde vermehrt, die der Prätorenauf acht, der Quästoren auf zwanzig, der Auguren und Pontifices, auf fünfzehn,die Bestimmung über die Zwischenzeit in der Aufeinanderfolge der Ämter (§ 202)dahin geordnet, daß zwischen der Bekleidung zweier ungleicher Ämter mindestenszwei, zwischen der zweimaligen Bekleidung desselben Amtes mindestens zehn Jahreverfließen sollten. Der Senat wurde dadurch ergänzt, daß alle kurulischenSenat Beamten (Konsuln, Censoren, Prätoren, Ädilen, denen die seiln ourutis s§ 165sals Amtsfesfel zustand) nach einwandsfrei geführtem Amtsjahr ohne weiteres ein-traten, und die von den Censoren alle fünf Jahre besorgte Revision abgeschafft.Den Volkstribunen ließ Sulla nur noch das Recht, mit dem Volk zu