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Erster Band.
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Z 219. Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—30). 461

hartherzig und eigennützig ausbeuteten, erhoben die mißhandelten Sklaven auf Sicilienabermals die Fahne der Empörung (103) und bemächtigten sich unter ihren Führern, „König"Tryphon und Athenion, des Landes. Ein zweiter fünfjähriger Krieg war nötig, umdie Ruhe wieder herzustellen.

Jedoch so lange die Sklavenscharen gesesselt die Arbeit ihrer harten ausstandHerren thun mußten, war die Gefahr, wennschon groß, doch noch nichtunmittelbar. Das letztere trat aber ein, als man für die sich immermehr steigernde Lust der Römer an wilden und blutigen Spielen besondereFechtersklaven (Gladiatoren) abrichten ließ, unter ihnen oft Kriegs-gefangene edler Abkunft, die sich im Zirkus zum Ergötzen des Volkes nachden Regeln der Kunst gegenseitig Hinmorden mußten. Diese sahen in nächsterNähe die brudermörderischen Kämpfe des Bundesgenossenkriegs und derBürgerkriege, und da war es denn kein Wunder, wenn auch sie ihr Heilbei den Waffen suchten und die Freiheit wiederzugewinnen trachteten.

Seinen Anfang nahm der Sklavenkrieg in Unteritalien, wo man besondersgrausam gegen die Sklaven verfuhr. Deshalb entflohen siebzig Gladiatorenin Capua der Geißel ihres Zuchtmeisters, erbrachen die Sklavenkerker undriefen zum Freiheitskampfe auf. An ihrer Spitze stand der kühne, talent-volle Thraker Spartäcus aus fürstlichem Stamme (Wohl aus der Familie Spartakusder Spartokidenkönige, die in der Halbinsel Krim seit alters zu Hausewar), der anfangs die Absicht hatte, die mit erbeuteten Waffen bewehrtenScharen in ihre Heimat zurückzuführen. Neben ihm sammelten sich zweiandere Heere unter der Führung der Kelten Crixus und Önomaus.Ursprünglich schien es sich nur um die Bildung einer großen Räuberbandezu handeln; aber die Erfolge der Sklaven am Vesuv gegenüber dem PrätorP. Varinius brachte ihnen bald gewaltigen Zuwachs. Nach kurzer Zeitgebot Spartacus über fast ganz Unteritalien. Da hielt es der Senat fürangemessen, zwei konsularische Heere auszusenden. Das eine von ihnenvernichtete das Heer des Crixus am Gargänusgebirge, und nun suchte manden Spartacus, der bis nach Picenum vorgedrungen war, von zwei Seitenzu Packen. In kurzen, vernichtenden Schlägen gelang es ihm zwar, beideKonsuln zu schlagen und bis an den Fuß der Alpen vorzudringen; jedochwar es ihm nicht beschieden, seine thrakische Heimat zu erreichen. Dennseinen vom Erfolg trunkenen Kriegern gefiel das neue Leben viel zu Wohl,als daß sie an die Heimkehr gedacht hätten, und so zwangen sie ihn, inItalien zu bleiben.

Anfänglich trug er Erfolg über Erfolg davon. Groß war der^A^Schrecken der Römer, als eine Legion nach der anderen erlag und dieBarbaren mit entfesselter Wut Raub, Brand und Mord über Stadt undLand trugen. Aber Mangel an Kriegszucht führte eine Trennung derSklaven und planlose Streifzüge herbei, wodurch dem Prätor M. LiciniusCrassus, der mit einem beträchtlichen, durch strenge Mannszucht ab-gehärteten Heere Wider sie auszog, schließlich der Sieg zu teil ward. Erschloß die bruttische Halbinsel, wohin sich Spartacus begeben hatte, umvon da nach Sicilien überzusetzen, durch einen verschanzten Wall vomübrigen Italien ab und überwand ihn dann am Bergwalde Sila. Zwar Untergangglückte es dem Führer selbst, mit einem Teil des Heeres nach Lukanien Spartacusdurchzubrechen: aber die zweite mörderische Schlacht am Flusse Silärus,in der Spartacus nach heldenmütigem Kampfe fiel, brach die Macht derSklaven. Die Gefangenen wurden unter Martern getötet, ihre gespießtenund zerstückelten Leichname blieben unbeerdigt auf der Landstraße liegen.