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Erster Band.
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Z 221. Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—30). 465

eigenes Reich nach. Durch die treuen Galater unter ihrem Fürsten Dejotärus Ang*?°nim Rücken geschützt, überschritt er den Halhs und brachte den pontischen P°A°sKönig durch die glückliche Schlacht bei Kabeira in solche Not,

- daß er sich mit wenigen Begleitern zu seinem Schwiegersohn, dem Groß-könig Tigranes von Armenien, flüchten mußte, während sein Reich mitallen Schätzen in die Gewalt der Römer fiel. Nur die griechischen Küsten-städte Amlsos, Sinöpe, Herakleia leisteten hartnäckigen Widerstand. Dieersteren fielen nach tapferer Verteidigung dem Luknllus in die Hände, derfie auf das menschenfreundlichste behandelte und sofort wieder aufbauen ließ;Herakleia dagegen wurde nach schwerem Kampse von Cotta erobert undmußte die harte Hand des Siegers fühlen.

Nach dem Fall dieser drei Seeburgen war das Schicksal des König-reichs Pontos entschieden. Luknllus konnte nun an die Ordnung derVerhältnisse gehen, indem er Kleinasien, das von habsüchtigen Wucherernund Pächtern schwer gedrückt wurde, und Pontos unter eine neue Ver-waltung und geordnete Rechtspflege stellte. Dann beschloß er, sichder Person des Mithradates unter allen Umständen zu bemächtigen, undtrug, als ihm vom Großkönig Armeniens die Auslieferung des Flüchtigen U.m°nienverweigert ward, den Krieg auf eigene Hand wider Tigranes, der feineHerrschaft über den Euphrat bis nach Antiochia und an das syrischeKüstenland ausgedehnt und im Osten mehrere armenische Lehnsfürstentümergeschaffen hatte und dessen ganzes Auftreten, seine Pracht wie seine Gewalt-herrschaft an Salmanassar und Nebnkadnezar (8 23) erinnerte. Weg- Wgeführte Kulturvölker bildeten die Einwohner seiner neuen riesenhaften„Tigranesstadt" (Tigranocerta), einer Nachahmung von Ninive undBabylon, mit hohen Mauern und weiten Palast-, Park- und Garten-anlagen. Gegen diese richtete sich der erste Stoß der Römer. Mit einemunermeßlichen Heer eilte Tigranes von dem syrischen Küstenlande nachseiner bedrohten Hauptstadt; seine eisenbedeckten Lanzenreiter allein warenzahlreicher als des Lukullus gesamte Kriegsmacht, die dem Armenier vor-^ZM^ftkam, als sei sie znr Gesandtschaft zu viel, zum Heer zu wenig. Aber eiNg ^-obftsseinziger Schlachttag vernichtete die zwanzigfach stärkere Armee des Tigranes.

Der Bericht des Siegers meldete, es seien 100 000 Armenier und 5 Römergefallen und der König habe Turban und Stirnbinde von sich geworfen,um unerkannt mit wenigen Reitern nach dem östlichen Teile seines Reicheszu entkommen, wo er mit seinem Schwiegervater Mithradates zusammen-traf und ein neues Heer zu bilden suchte. Die unterworfenen Völker fielenvon dem Zwingherrn ab und huldigten dem Sieger.

Nun traf Lukullus Anstalten, das ganze Königreich zu unterwerfenund die römischen Adler bis in das ferne Parthien zu tragen; aber dieLegionen, unwillig über den verlängerten Kriegsdienst in dem unbekanntenLande voll reißender Ströme und schneebedeckter Berge und durch Übel-wollende, vor allem durch P. Clodius, den Schwager des Feldherrn,verleitet, versagten ihm in der Nähe der alten Hauptstadt Artaxäta denGehorsam und hemmten durch Widersetzlichkeit seine Unternehmungen.Nunmehr wandte sich Luknllus, um die Strapazen eines Winterseldzugeszu vermeiden und die Soldaten für sich zu gewinnen, nach dem wärmeren Aplta-Mesopotamien. Doch vergebens; selbst die unermeßliche Beute, welche dieSoldaten in der erstürmten Stadt Nisibis wie vorher in Tigranocertamachten, vermochte die meuterische Stimmung nicht zu unterdrücken. Dazu

Weber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. I. 30