468 Drittes Buch: Römische Geschichte. Z 222.
dem Pharnakes aber überließ er die Länder am kimmerischen Bosporos (Halbinsel Krim)als zinspslichtiges Königreich.
iiÄAsims Unterdes hatte Pompejus sein dreijähriges Kommando benutzt, um ganzVorderasien zu unterwerfen und den Euphrat als Grenzlinie für dasrömische Reich zu gewinnen. Ja, noch viel weiter hinaus schweifte sein begehr-licher Blick. Wie er den Kaukasus überstiegen hatte und die Ufer des Kaspiseeszu erreichen bemüht gewesen war, so suchte er auch Parthien zu unterwerfenund es Alexanders Ruhm gleich zu thun. Jedoch gelangen seine Anschlägeauf Parthien nicht, und er mußte sich begnügen, Armenien als Vasallen-staat an Rom anzuschließen und die reiche Landschaft Osroene mit den wichtigstenEuphratübergängen unter dem arabischen Fürsten Abgar für Rom zu gewinnen.Gründlicher verfuhr er im Westen. Nachdem er der kraftlosen Herrschaft derSeleukiden in Syrien durch einen Machtfpruch ein Ende bereitet hatte undmehrere Raubfürsten hatte hinrichten lassen, ordnete er die asiarischen StaatenProvinzen !° , daß drei neue Provinzen, Bithynien (mit dem westlichen Teil vonPontos), Kilikien (mit Pamphylien und Jsaurien) und Syrien (mitPhönizien), dem römischen Gebiet beigefügt wurden, während Großarmenienund Galatien mit dem östlichen Pontus, Kappadokien mit Lykaonienzinspflichtigen Königen unter Roms Oberhoheit zufielen. Die Provinz Syrien,die er den schwachen Händen der Seleukiden entriß, und die von den kilikischenPforten bis zum Bache Ägypten reichte, war die einzige, die völlig neu gebildetwurde; zu den beiden andern waren schon früher Ansätze einzeln dagewesen.Die altsyrischen Landschaften, die unter dem Drucke orientalischer Despotenzu seufzen gewohnt waren und eben erst durch die Römer des Tigranes sichentledigt hatten, traten gern auf Roms Seite und wurden mit Ausnahme deshalbabhängigen Königreichs Commagene (Hauptstadt Samosäta) sofort alsProvinz organisiert. Für ihre Bereitwilligkeit wurde ihnen sogar fast in allenStücken die Selbstverwaltung zugestanden.
staa"sn° Der wichtigste der neuen Vasallenstaaten war das Königreich Galatien,n Galatien das dem Vierfürsten Dejotarus überwiesen und um das Vierfache vergrößert2. Kappa- ward, so daß es nunmehr bis ans Meer reichte. Auch Kappadokien unter
doi.en Arigbarzänes erfuhr eine bedeutende Vergrößerung. In der auswärtigenPolitik Roms trat damals wiederum der Zug hervor, der von da an beständigfestgehalten worden ist, nämlich zwischen den eigentlichen Körper des Reichsund die noch unbezwungenen Nachbarstaaten eine möglichst breite Zone halb-abhängiger Gebiete zu legen, die mit ihren Interessen an Rom geknüpft waren,aber doch nicht, für den Augenblick wenigstens, an das Reich selbst angeschlossenwürden. Erst wenn die weiteren Grenznachbarn geschwächt genug waren, rückteman die wirklichen Provinzgrenzen bis zu der Außengrenze der halbabhängigenGebiete vor. So reichte denn der Einfluß der Römer bis zum Euphrat, jabis zum Kaspisee, und umfaßte das gesamte Becken des schwarzen Meeres. DieReichsgrenze im engeren Sinne aber reichte zwar weiter, als zur Zeit derersten Unterwerfungen, umfaßte aber fast nur die Küstenlandschasten; ganzVorderasien jedoch wurde mit einem gewaltigen Netze römischer Einrichtungenübersponnen, geeignet, das Land nach und nach, fast unmerklich, zu romanisieren.Hier nahm Pompejus das Werk da auf, wo Lukullus stehen geblieben war;die größte Sorgfalt wendete er hierbei dem Städtewesen zu. Nicht nur, dafier mehrere neue Städte gründete, wie Pompejopölis in Kilikien und inPaphlagonien, Nikopölis in Kappadokien; viele herabgekommene Orte wurdenhergestellt, erweitert und mit Rechten versehen, wie Kabeira, Diospolis undEupatoria (Magnopolis) in Pontus, Mazaka in Kappadokien (Cäsarea), andereneu geordnet und mit Grundbesitz beschenkt. In Kilikien und Cölesyrien alleinzählte man zwanzig von Pompejus angelegte Städte. Mehrere der ansehn-lichsten, wie Antiochia am Orontes, Seleukia, Gaza, Mithlene, erhielten Auto-nomie und wichtige Privilegien. So war der Bau des asiatischen Römer-