Band 
Erster Band.
Seite
469
JPEG-Download
 

Z 223. Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—30). 469

staates vollendet, der mit seinen Lehnskönigen und Bassallen, den gefürstetenPriestern (in Pessinus, im kappadokischm und pontischen Eomana u. a.), undder Reihe ganz- und halbfreier Städte in gewissem Sinne an das heiligerömische Reich deutscher Nation erinnert. Die neue Vermögenssteuer, welche dieLehnssürsten, die Priester und Städte nach Rom zu zahlen hatten, steigerte dierömischen Staatseinnahmen fast um die Hälfte ihres bisherigen Betrags. — Nurs. PEsNnadie Unterwerfung JudäaS, das mit Ausnahme der wichtigsten Küstenplätzehalbabhängig werden sollte, machte einige Schwierigkeiten. Kämpfe und Streitig-keiten im Makkabäerhause (Z 149) gaben zum Eingreifen der Römer Anlaß.

Nach der während der Sabbatruhe durchgeführten Erstürmung des Tempels sZvon Jerusalem setzte Pompejus den Makkabäer Hyrcanus II. als Vier-fürsten (Tetrarch) ein. Der eigentliche Gebieter des Landes aber wurdeRoms Schützling, der schlaue Jdumäer Antipater, des „großen" Herodes ss-«Vater (ß 149). Die Niederreißung der Stadtmauern und der königlichenSchatz- und Zwingburgen sollten allen kriegerischen Bewegungen in Zukunft vor-beugen. Auch der Wüstenfürst Aretas (Harethat) vou Damaskus reichte knie-fällig den Ölzweig als Zeichen der Huldigung und des friedlichen Verhaltens.

Eine Anzahl neugegründeter oder hergestellter und vergrößerter Städte mitrömischen Gemeindeordnungen und Munizipalrechten sollten auch in jenen ent-legenen Gegenden dem Raubwesen entgegentreten und Pflanzstätten der römisch-griechischen Kultur und Lebensordnung werden und zugleich eine wirksameSchranke gegen die wilden Völker der arabischen Wüste bilden.

§ 223. Die Parteihäupter und die anarchistische Bewegung inRom« Während dieser großen äußeren Erfolge ging eine immer weitergreifende Zerrüttung im Innern des römischen Staates vor sich. Eswurde immer deutlicher, daß die Einzelherrfchaft begabter Männer dazubestimmt war, die Regierung der Oligarchie aus der Hand zu nehmen.

Die meisten Aussichten hatte bis dahin Pompejus, das Haupt der P°mp-jusOptimalen, der vor allem von Cicero in jeder Weise gefördert ward.

Dabei schwebte diesem als Ideal der Staatsregierung eine Zustand vor,wie er etwa unter den großen Scipionen, bestanden hatte, gegründet aufdie Rechtschaffenheit und edle Menschlichkeit wahrhaft vornehmer Naturen,die geneigt seien, alles Gute in sich aufzunehmen und alles Üble weitvon sich wegzuschieben; das war freilich eine Utopie in dieser entsetzlichenZeit. Natürlich ließ sich Pompejus die brauchbare Unterstützung desberedten Mannes gern gefallen und lieh ihm seinerseits seinen mächtigenArm, wenn es sich darum handelte, ihm die so sehr begehrten Amterzu verschaffen und seinem Ehrgeiz genug zu thun. Neben Pompejus standalles, was noch einigermaßen thatkräftig und ehrenhaft in der Oligarchiewar, und unterstützte seine Pläne. — Die zweite Hand, die sich nach derKrone aus streckte, war die des M. Liein ins Crassus, eines typischen CrassusVertreters der hohen Finanz, der mit seinen ungeheuren Geldmittelnalles in Bewegung setzte, um sich an das Staatsruder zu bringen; in derWahl seiner Mittel war er durchaus nicht wählerisch; wie er währendseiner früheren Kommandos es verstanden hatte, auf jede Weise Geld zugewinnen, so gab er es auch wieder aus und unterstützte bald die Nobilität,bald die Häupter der sich bildenden anarchistischen Partei. Der dritte endlich,der nach dem Purpur greisen konnte, war der jugendliche C. Julius Cäsar, Cüsarder Neffe des Marius. Das Haupt der bis dahin zu Boden gehaltenenPopularpartei, hatte er noch kein Amt bekleidet, strebte aber nach demhöchsten. Folgerichtig denkend sah er, daß, wenn er die Macht habenwolle, er die der derzeitigen Machthaber zerstören müsse. Diese ver-