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Erster Band.
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471
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Z 224, 22Z. Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—36). 471

§ 224. Die catilinarische Verschwörung. M. Tullins Cicero.

Trotz aller heimlichen Ermutigung hätte sich Catalina vielleicht noch nichtentschlossen, loszuschlagen, da ihm seine Machtmittel zu gering erscheinenmochten, wenn ihm nicht die Bewerbung um das Konsulat mehrfachmißlungen und damit jede Aussicht, aus seiner finanziellen Be-drängnis herauszukommen, benommen worden wäre. In den letzten dreiMonaten von Ciceros Konsulate (63) erlitt er bei den Wahlen für 62eine Niederlage, weil Cicero kurz vor dem Wahltage im Senate CatalinasUmtriebe aufdeckte und damit den sicher erhofften Wahlsieg vereitelte. Inden bekannten vor dem Volke und im Senate gehaltenen Reden (Jnvektiven)wurde der ganze Anschlag entlarvt, und der in der Kunst der Verstellungäußerst gewandte Verbrecher trotz seiner List und Verschlagenheit zur Fluchtaus der Stadt genötigt. Nunmehr beschlossen die Catilinarier Anwendungvon Gewalt; aber auch dieser Anschlag wurde verraten und darauf sprachder Senat auf Antrag des Konsuls die Todesstrafe gegen ihn und seinebereits zur Haft gebrachten Mitverschworenen (Lentulus, Cethegus u. a.)aus. Die letzteren wurden alsbald, Cäsars Fürsprache ungeachtet,im unterirdischen Gewölbe des kapitolinischen Kerkers bei Fackelschein er-drosselt, ohne daß man ihnen den verfassungsmäßigen Weg der Berufungan die Volksgemeinde gestattet hätte. Catalina selbst aber, der mit demRest feiner Rotte nach Etrurien geflohen war, fand in einem engen, vonfelsigen Bergen eingeschlossenen Thale bei Pistoria im mutvollen Kämpfe Anfanggegen das konsularische Heer des C. Antonius, das M. Petrejus befehligte,seinen Tod; die Entschlossenheit der Kämpfenden wäre einer besseren Sachewürdig gewesen. Schon damals meinten viele, die Fäden der Verschwörungreichten höher hinauf als bis zu Catilina und Lentulus, und bezeichnetenCrassus und Cäsar als die geheimen Mitwisser und Urheber; aberniemand wagte es, den „Stier der Herde" zu reizen; Cicero, der die Ver-schwörung unterdrückt hatte, erhielt den Beinamen „Vater des Vaterlands".

O. Vorbereitung der Militärmonarchie.

§ 225. Das erste Triumvirat. (Kv). C. Julius Cäsar. Die catili-narische Verschwörung ließ jeden schärfer Blickenden erkennen, daß dieTage der Senatsregierung trotz ihres Erfolgs gezählt waren; denn siebewies, daß ein Regiment ohne militärische Macht den römischen Zuständengegenüber keine Autorität mehr besaß. Mit Ausnahme der am Ruder be-findlichen Nobilität sehnte sich das Volk in seiner ungeheueren Mehrheitnach dem Manne der kraftvoll die Zügel ergriff und die materielle Wohl-fahrt zu verbürgen unternahm. Ein Imperator, der an der Spitze eineskraftvollen Heeres stand, hatte gegründete Aussicht, die Krone zu gewinnen.Pompejus schien dazu auserlesen, als er ruhmgekrönt nach der Organi-sation des Ostens (8 222) heimzukehren gedachte. Der günstige Augenblickwar da; aber Pompejus ließ ihn ungenützt vorübergehen. Während manin Rom sich bereitete, den Sieger zu empfangen, kam die unglaub- «2liche Nachricht, daß Pompejus nach feiner Landung in Bruudisiumsogleich sein Heer entlassen habe. In Rom atmete alles aus, was gegendie Monarchie sich innerlich und äußerlich sträubte. Zum zweiten Malehatte Pompejus gewissermaßen abgedankt, und er sollte den Undank derParteien bald genug merken. Abgesehen von der äußerlichen Ehre des