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Erster Band.
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Z 225. Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—30). 473

über, der die bei seiner Rückkehr erfahrenen Kränkungen bitter empfand.

Auch die hohe Finanz, an ihrer Spitze M. Crafsus, fühlte das Miß-trauen der Regierung und hatte unter dem scharfen Regimente Catos viel zuleiden. So lag denn der Gedanke für die Häupter der drei großenInteressengruppen nahe, den eigenen Hader zu vergessen und einen Bundmiteinander abzuschließen, in dem sie sich gegenseitig gleiche Teile derMacht garantierten und der Nobilitätsregierung ein Ende machten.

Das Jahr 62 ging indessen ohne weitere Ereignisse zu Ende. Nur P, Llodmsgegen Ende wagte der berüchtigte Volkstribun P. Clodius, ein ent-arteter Sprößling der erlauchten Claudier, in die Amtswohnung, dieCäsar als Pontifex rnaximus inne hatte, einzudringen und das Fest derBona dea, an dem nur Frauen teilnehmen dursten, durch seine Gegen-wart zu profanieren. Diese an sich unbedeutende Skandalgeschichte sollteder Anlaß zu großen Weiterungen werden. Denn zunächst führte sie. alsman über die Prozeßform gegen Clodius beriet, zu einem Zerwürfniszwischen diesem und Cicero. Daß dessen Einfluß lange nicht mehr dieselbeBedeutung hatte wie vorher, zeigte sich daraus, daß Clodius trotz offenbarerSchuld freigesprochen ward. Ein Glückssall für Cicero war es aber, daßsich Pompejus ihm wieder näherte, da dieser in ihm, der ihm in früherenJahren so wichtige Dienste geleistet hatte, ein brauchbares Werkzeug er-kannte, um die aus der Hand gegebene Macht zurückzugewinnen. — Auchim Jahre 61 gingen die Wogen noch nicht hoch. Das sollte erst imfolgenden Jahre geschehen, als sich Cäsar für 59 um das Konsulat bewarb.

Bei der Bewerbung machte die Optimatenpartei, an ihrer Spitze Cato, ss g-wähnalle möglichen Schwierigkeiten, aber ohne Erfolg. Sie konnte nur er-reichen, daß M. Calpurnius Bibulus, ein eifriger Anhänger ihrer Sache,der schon mehrfach Cäsars Kollege gewesen war, das andere-Konsulat er-hielt und damit zu einer unfreiwilligen Lächerlichkeit verurteilt Ward. b-s

Als nun Cäsar wirklich *) zum Konsul gewählt worden war, suchte man »«»irusihm wenigstens die Prokonsularische Provinz abzuschneiden, indem man für 58den beiden gewesenen Konsuln die Oberaufsicht über Forstwesen und Wege-bau übertrug. Das nötigte Cäsar, der sich nicht um die Früchte seinesThuns bringen lassen wollte, eine Verständigung mit Pompejus und Crafsuszu suchen. Zunächst gelang es ihm, diese beiden mit einander tief verfeindetenMänner zu versöhnen; dann aber schloß er, unbekannt unter welchenFormen, mit ihnen ein Schutz- und Trutzbündnis, das den Namen desersten Triumvirates führt. Zunächst hatten alle drei die Absicht, sichnur dem hindernden Einfluß der Optimalen zu entziehen, wenn irgendmöglich ohne Gewalt, und nur auf gesetzlichem Wege. Auf seine neuenFreunde gestützt, trat Cäsar sein Konsulat an und erfüllte zunächst dieWünsche des Pompejus; er erlangte für ihn die Anerkennung von dessen

*) Nach einer anderen Auffassung (Mommsen, C. Peter) erfolgte der Abschluß des erstenTriumvirats bereits im Jahre 60, also bor der Konfulwahl Cäsars. Die Absicht Cäsarsmußte dann sein, gestützt auf die beiden anderen Machthaber für sich und damit für diePopularpartei das Konsulat und den Zugang zur Militärmacht zu erlangen; Pompejussollte dann die im Jahre 62 durch die Entlassung der Soldaten in Brundisium verloreneMachtstellung wiedergewinnen. Er konnte aber trotz seiner Abneigung gegen Cäsar diese nurdann erlangen, wenn er dem Cäsar zum Konsulat vcrhalf; denn der Senat hatte den Pompejusfallen lassen, und die beiden Konsuln des Jahres 60. M. Pupius Piso und M. Valerius Messala,thaten entweder nichts für ihn oder traten sogar unter Ciceros Zustimmung seinen ehrgeizigenPlänen offen entgegen; Crafsus endlich wollte sich durch Cäsars und Pompejus Beihilfe derscharfen Steuer- und Finanzaufsicht entziehen, die die erstarkende Senatsregiernng ausübte.