Band 
Erster Band.
Seite
479
JPEG-Download
 

K 227. Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—30). 479

gewesen war (§ 72), ist ebenfalls ein Zeichen der Übergangszeit in den Feudal-staat. Dazu kam, daß der damalige keltische Staat alle die Schwächeneiner herrschenden Oligarchie zeigte, deren Interessen nicht auch geistiger Natursind. Unmäßigkeit und hochsahrender Sinn machten die große Tapferkeit undden berühmten Elan der Kelten immer wieder zunichte, so daß sie dem HeereCäsars, das viel kleiner war als ihre Scharen, überall erliegen mußten.

Die Notwendigkeit der Einmischung Roms in Gallien lag seit derd°n°hu>m-nErwerbung (8 201) der spanischen Provinzen (133) vor, zu denen maneine sichere Straße haben mußte, um nicht aus den langen Seeverkehrallein angewiesen zu sein. Doch ging man anfangs sehr langsam undbehutsam vor, um des Erfolges desto sicherer zu sein, und enthielt sich derEinmischung in die staatlichen Wirren der noch freien Kelten. Durchglückliche Kriege mit den keltischen Stämmen der Arverner, Allobröger u. a.hatten die Römer bis zum Jahre 60 das südöstliche Gallien bis zurStadt Tolssa unterworfen, als Provinz eingerichtet (Provence) und durcheine Heerstraße (die spätere via lluiiu Augusts.) mit Italien und Spanien o-au»verbunden; sie hatten darin Festungen und Städte angelegt und nach der altenStadt Narbo eine römische Kolonie geführt (Z 225). Durch den Einflußder freien Handelsstadt Massilia, die längs der Küste eine Menge Handels-niederlassungen und Stationsplätze gegründet, zum Wein- und Ölbau an-geregt und die Schristkunde und Münzprägung eingeführt hatte, wargriechisch-römische Kultur und bürgerliche Ordnung in das Land ge-kommen. Eine Menge römischer Kaufleute, Landwirte und Viehzüchternahmen daselbst ihren Aufenthalt, und Einwanderer trugen den italischenLuxus an die Rhone und Garonne. Durch sie wurde die Eroberung desbis dahin noch freien Landes vorbereitet.

Nun aber benutzten die an Gallien grenzenden Germanen die innerenWirren des Landes, um weiter nach vorwärts zu drängen (II, 8 12) undsich in den Besitz der keltischen Länder zu setzen. Durch die Landnotgetrieben, schoben sie die keltischen Bewohner südlich der Donau immerweiter in das unwirtliche Gebirge hinauf, und so geschah es denn, daßein keltischer Stamm, der sich gar nicht mehr zu helfen wußte, dieHelvetier, den Plan faßten, ihr armes und wenig fruchtbares Bergland asm ssmit dem reichen, südwestlichen Gallien zu vertauschen. Dies gab Cäsar, derihnen den Einmarsch in die Provinz verwehrte, um nicht ein unruhiges undkriegerisches Volk zu Grenznachbarn zu haben, die gewünschte Veranlassung,in das Herz der keltischen Staaten einzudringen. Er folgte den Helvetiern,die in langen, mit Weibern, Kindern und der besten Habe beladenenWagenzügen durch die Jurapässe über die Saöne gesetzt waren, besiegtesie in einer blutigen SchlachtbeiBibracte (Mont Beuvray bei Autun)und zwang sie, nachdem sie zwei Drittel ihrer Volksgenossen verloren hatten,zur Rückkehr in ihre niedergebrannten Dörfer und Weiler und ihreverwüsteten Gaue.

Weit gefährlicher war der zweite Kampf, den Cäsar noch in demselben KampfJahre durchsucht, der gegen die Germanen, die sich bereits am Oberrhein Arn-mim Elsaß niedergelassen hatten. Ihr Heerführer war Ariovist, der, vonden Sequänern (um Besannen) Wider ihre Nachbarn, die Aeduer,herbeigerufen, die letzteren besiegt und unterjocht hatte, dann aber auchjene mit harter Botmäßigkeit drückte, indem er die einen wie die andernzur Zinspflicht und zur Stellung von Geiseln zwang. Nachdem Cäsar die