Z 227. Viertes Kapitel: Die socialen und Politischen Kämpfe (133—30). 481
der tapferen und umsichtigen Führung ihres Fürsten Cassivellaunnssich rühmlich verteidigten, Ehrfurcht vor Roms Größe eingeflößt hatte,kehrte er mit den ihm übergebenen Geiseln über den Kanal zurück, um diegallischen Völker vollends zu unterwerfen.
Wahrend seiner Abwesenheit in Britannien waren nämlich die Ein- An« d°s°leitungen zu einem allgemeinen Ausstand getroffen worden. Mit zorniger Znn-r»Scham gestanden sich die keltischen Edelleute, daß die große streitbareNation sich von 50000 Römern habe ein schimpfliches Joch auflegen lassen;dies sollte wieder gebrochen werden. Die Hinrichtung des AednersürstenDumnörix, der aus dem römischen Heere entwichen war, gab dasZeichen zur allgemeinen Erhebung. Cäsar hatte den Fehler gemacht, seinHeer in einzelnen Legionen in Winterquartiere zu legen; das beschlossendie Kelten auszunutzen. Die Führer der bei Aduatuca (Tongern) liegendenLegionen, Säbinus und Cotta wurden von Ambiorix, dem Ober-^^Üsseldherrn der Eburönen, hinterlistig zum Abzug beredet, und dann wurde und Cott°sidie abziehende Truppe in einer schmalen Thalschlucht überfallen undsamt den Führern niedergemacht. Von den Nerviern, Menapiern,Aduatukern u. a. unterstützt, warfen sich die Aufständischen auf eineandere einzeln stehende Heeresabteilung unter Q. Cicero und brachten siein große Not, bis Cäsar zu ihrer Hilfe herbeieilte. Seinem überlegenenFeldherrngeschick gelang es, des Aufstandes Meister zu werden und dieStämme zu trennen. Umsonst bargen sich die Eburönen hinter Wäldern ssund Sümpfen; der ganze Stamm wurde für vogelsrei erklärt und durcheine Menschenjagd ausgerottet. Nur wenige retteten sich über den Rhein,unter ihnen Ambiorix. — Diese Strenge füllte den ganzen keltischen Ritter-stand mit Wut und Entsetzen und führte neue Erhebungen im mittlerenund südlichen Gallien herbei. Selbst die bisher den Römern treu er-gebenen Arverner griffen unter dem tapfern und klugen Fürsten Ver-cingetörix zu den Waffen. Es war der letzte großartige Versuch, dasfremde Joch abzuschütteln, und die nationale Erhebung hätte keinen edlerenund geschickteren Führer finden können. Der Arvernerfürst hatte denRömern die Kriegführung abgelernt und wandte die gewonnene Erfahrungmit Erfolg an. Die Dörfer und kleinen Ortschaften wurden niedergebranntund die ganze Kraft in den größeren befestigten Städten gesammelt. Inder Bergstadt Gergo via (unweit Clermont) trotzte Vercingetorix allenAngriffen und Stürmen Cäsars und brachte diesen durch glückliche Aus-fälle in solche Not, daß er auf die alten Grenzen der römischen Provinzzurückging, nachdem er mit Mühe seinen tüchtigen Unterseldherrn T. Labienusvon der Seine an sich gezogen hatte. Das Eroberungswerk mußte von neuembegonnen werden. Aber der keltischen Nation fehlte Eintracht und Ausdauer.
Vor Alesia im Lande der Mandübier (Alise St.-Reine im DepartementCöte-d'or), wo sich die große Streitmacht der Insurgenten gesammelt hatte,schlug Cäsar ein festes Lager auf und schloß die für uneinnehmbare geltendeBergsestung ein. Diese Umklammerung suchte Vercingetorix zu durch-brechen und ließ auch von außen die römischen Verschanzungen durch ein ge-waltiges Heer bestürmen. Als aber sein Unternehmen an dem unerschütter-lichen Widerstand der Legionen scheiterte, erklärte der keltische Führer imKriegsrat, daß er bereit sei, sich den Römern auszuliefern, um durch diesesOpfer das Verderben so viel als möglich von der Nation aus sein Haupt ab-zulenken. Und so geschah es. Die keltischen Hauptleute lieferten ihren von
Weber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. I. 31