Z 22§. Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—30). 483
ward seit Augustus das transalpinische Rom (Z 241). Aus den altheimischen Ge-schlechtern und Stämmen und den Kolonien der Überwinder bildete sich einneues Volk, eine einzige große romanische Nation. Im zweiten Jahrhundertwar Gallien die bevölkertste, im vierten, wiewohl in der Tiese sich mancheungebrochene Volkstümlichkeit erhielt, eine der gebildetsten römischen Provinzen.
Nirgends gab es eine Zeitlang besser besuchte Schulen als in Gallien; geboreneRömer lernten lateinische Beredsamkeit im Sinne des Jahrhunderts an der Garonne.
§ 228. Innere Geschichte Roms bis znm zweiten Bürgerkriege. B-Anend-Nachdem Pompejus und Crassus das Konsulat für 55 erlangt hatten, Amm-irnwäre es ihnen nach der Zusammenkunft in Luca (Z 226) an sich ein """"
Leichtes gewesen, die Herrschaft des Triumvirats zu befestigen. Aber dieThatkraft und das Talent Cäsars fehlten, der allein es verstand, die wider-strebenden Männer zusammenzuhalten. So kam es denn im Jahre 54zu einer völligen Anarchie, und die entschlossensten Parteigänger derNobilitätsregierung, unter ihnen Cato und L. Domitius Aheno-barbus, gewannen wieder Boden. Zudem sah Pompejus mit wachsendemNeide aus die glänzenden Erfolge Cäsars, konnte sich jedoch nicht entschließen,in seine Provinz abzugehen, um nicht den Mittelpunkt der weltgeschicht-lichen Bewegungen verlassen zu müssen. Auch sonst schien sich alles aufeinen Streit zwischen Pompejus und Cäsar zuzuspitzen. Denn dendritten im Bunde, Crassus, raffte eine beispiellose Niederlage hinweg;außerdem starb im Jahre 54 die heißgeliebte Gattin des Pompejus,
Julia, die Tochter Cäsars, sodaß die Entfremdung zwischen beiden Männernimmer mehr wuchs.
Mit dem Arsakidenreiche in Parthien waren die Römer schon zurZeit der mithradatischen Kriege in Berührung gekommen, doch hatte sichbei der Organisation des Ostens durch Pompejus (Z 222) die Möglichkeitfriedlichen Nebeneinanders ergeben, da der Euphrat die beiderseitige Grenzebilden sollte. Als aber Crassus Syrien übernahm, hatte er die Absicht,ebenso wie Cäsar sich ein schlagfertiges Heer zu schaffen, und dazu brauchteer den Partherkrieg. Ohne ernstlichen Grund rückte er in das nord- siwestliche Mesopotamien ein und trug leichte Siege davon; für das Jahr 53plante er dann einen gewaltigen Eroberungskrieg gegen jenes ferne Land,fand aber hierbei seinen Untergang. Während er, von unersättlicher Geld-gier getrieben, die Tempelschätze plünderte und mit Erpressungen die Zeithinbrachte, rüstete der Partherkönig Orödes (Arsäkes XIV., Z 259) eintapferes Heer von Lanzenreitern und berittenen Bogenschützen und besetzteMesopotamien. Von dem verräterischen Fürsten Abgaros von Osrhoeneverführt, überschritt nun Crassus, wohlmeinender Warnungen ungeachtet,den Euphrat bei Zeugma, wurde aber in einer öden Sandfläche beiKarrhä von dem parthischen Reiterheer unter dem gewandten Surenas ss(dies war der Titel des Kronfeldherrn der Parther) besiegt, und nachdemsein tapferer Sohn Publius mit dem größten Teil des Heeres gefallenwar, auf der Flucht in einem Hinterhalt getötet. Höhnend füllten dieSieger den bleichen Mund des Unersättlichen mit Gold. Von 4000Vrömischen Legionären kam nicht der vierte Mann zurück; die Hälfte warumgekommen, gegen 10000 Gefangene wurden im äußersten Osten desReichs als Heerpflichtige Leibeigene angesiedelt. Nur einen geringen Über-rest rettete der besonnene Legat C. Cassius nach Syrien. Der Eindruckdieser Niederlage war ungeheuer und hatte die Wirkung, daß der Euphrat
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